Route du Rhum

Mit einer Hand mehr als ein Zeichen setzen

Paralympics-Sieger Damien Seguin startet zum dritten Mal bei der Rhum, aber erstmals mit einer Imoca. 2020 will er noch mehr, plant für die Vendée Globe

Tatjana Pokorny am 10.11.2018
Route du Rhum 2018
François van Melleghem / Groupe Apicil
Route du Rhum 2018

Gefordert, aber auch glücklich auf See: Damien Seguin auf "Groupe Apicil"

Elf von 20 Imca-Skippern waren zu Beginn des siebten Tages auf See noch im Rennen. Zuvor hatte die stürmische 11. Auflage der Route du Rhum das prominent besetzte Feld erheblich dezimiert. Favoriten wie Jérémie Beyou ("Charal") und Top-Leute wie Sam Davies ("Initiatives Coeur"), Isabelle Joschke ("Monin"/Mastbruch), Louis Burton ("Bureau Vallee 2") oder auch Yannick Basteven ("Maitre Coq") sind längst ausgeschieden. Damien Seguin aber ist im Spiel. Der Paralympics-Sieger lag mit seiner "Groupe Apicil" am Samstagabend mit gut 420 Seemeilen Rückstand auf Spitzenreiter Alex Thomson und rund 300 Seemeilen Rückstand auf den auf Platz vier zurückgefallenen Boris Herrmann auf Rang acht. 

Route du Rhum 2018

Vorfreude vor dem Start: Damien Seguin an Bord seiner Imoca

Und das, obwohl der Vater von zwei Kindern und Sportlehrer dem Grundsatz auf See "Eine Hand für den Mann, eine fürs Schiff" nicht wirklich gerecht werden kann. Der Paralympics-Sieger von 2004 und 2016, der sich mit dem Kieler Heiko Kröger über mehr als ein Jahrzehnt packende Duelle um paralaympische Medaillen und WM-Titel geliefert hatte, wurde ohne linke Hand geboren. Er segelt das aktuelle Einhandrennen von Saint-Malo nach Guadeloupe tatsächlich nur mit einer Hand und verfolgt darüber hinaus ehrgeizige Pläne, will 2020 bei der Solo-Nonstop-Weltumseglung Vendée Globe starten. 

Wie sich Damien Seguin aus Saint-Malo verabschiedete

Der Ritter der französischen Ehrenlegion und Offizier des nationalen Verdienstordens scheut das Risiko nicht. Er will schaffen, was vor ihm noch keiner mit Handicap gewagt hat: der vergoldeten paralympischen Karriere soll eine erfolgreiche Weltumseglung folgen. Dafür stählt sich Seguin bei der Route du Rhum. Sein Antrieb: "Ich liebe das küstennahe Segeln ebenso wie die Langstrecken. Es ist, als würde Usain Bolt neben den 100 Metern auch noch Marathon laufen."

Mit den Starkwinden zu Beginn der 11. Auflage der Route du Rhum war auch Damien Seguin anfangs flott vorangekommen

Route du Rhum 2018

Seguin beherrscht die 18 Meter lange Imoca und ihre Kräfte auch mit einer Hand

In Europas höchstgelegener Gemeinde Briçon in den Cottischen Alpen geboren, hat es Seguin, der seine Kindheit auf Guadeloupe verbrachte, früh auf See hianusgezogen. Der Leistungssportler erinnert sich an eine "schöne und unbeschwerte Jugend", in der der lernte, Laser, Hobie 16 und Tornados beherrschen lernte. Die fehlende Hand wusste er früh auch zu seinen Gunsten zu nutzen: "Wenn man mich als kleiner Junge fragte, ob ich schon alle Finger an den Händen zählen könnte, musste ich nur bis fünf zählen." Als Zehnjähriger hatte er die überbordende Stimmung miterlebt, die bei Ankunft der Route-du-Rhum-Helden auf Guadeloupe herrschte. Da begann er zu träumen: "Ich wollte auch so sein wie diese großartigen Segler." Er überredete seine Eltern, ihn zu einem Optimistenkurs anzumelden. Der Anfang von allem. Schon vier Jahre später gewann Seguin die französische Meisterschaft im Optimisten – mit Blick auf die starke Konkurrenz in seiner Heimat eine herausragende Leistung. Heute lebt Seguin mit seiner Frau Tifann und den Söhnen in der bretomischen Gemeinde Guérande.

Seguin nimmt auch als Botschafter von Integrationsorganisationen wie "Des Pieds et des Mains" an der Vendée Globe teil, zu Deutsch: Füße und Hände. Viele Menschen mit Berhinderung, so sagt er, würden Segeln als gefährliche Sportart ansehen, doch das ist Unsinn. Sein Sport habe allen Menschen "unendlich viel zu bieten", ob mit oder ohne Handicap. Seguin sieht es so: "Ich weiß ja nicht, wie Segeln mit zwei Händen ist. Ich bin mit einem Handicap geboren und liebe es."

Am fünften Tag auf See hatte Damien Seguin nach stürmischem Auftakt eher von zu leichten Winden berichten müssen

In der Route du Rhum treibt er ein Finot-Conq-Design von 2008 an, das in der letzten Vendée Globe von Eric Bellion gesegelt worden war, und genießt die Unterstützung von Altmeister Jean le Cam. Seguins Anliegen ist unmissverständlich: "Meine Botschaft ist einfach: Ich möchte den Blick der Menschen auf Unterschiede verändern, indem ich ihnen zeige, dass man als Skipper einer fantastischen Maschine wie einer Imoca auch ein Handicap haben kann."

Route du Rhum 2018

Hat in Zukunft noch einiges vor mit seinem Boot: der Franzose Damien Seguin

Tatjana Pokorny am 10.11.2018

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