Transat Jacques Vabre 2019

Mit "Apivia" siegt die neueste Imoca-Generation im Transat

Kaum drei Monate im Wasser und schon gewinnen Charlie Dalin und Yann Eliès ihre erste große Regatta – Boris Herrmann 13., Jörg Riechers 6. der Class 40

Jochen Rieker am 10.11.2019
Auf den letzten Metern: Imoca 60 "Apivia" vor Salvador de Bahia
TJV/J.L.Carli

Auf den letzten Metern: Imoca 60 "Apivia" vor Salvador de Bahia

Heute Nacht machten sie, von niemandem bedrängt, den Sack endgültig zu. Nachdem sich Charlie Dalin und Routinier Yann Eliès bereits in den Rossbreiten nördlich des Äquators deutlich abgesetzt und als Erste den Südost-Passat der Südhalbkugel erreicht hatten, segelten sie um 1:23 Uhr Ortszeit über die Linie vor Salvador de Bahia. 

Für Eliès war es bereits der dritte Sieg beim Transat Jacques Vabre nach 2013 und 2018, für Dalin der erste Triumph in der Imoca-Klasse – und das gleich zum Debüt seines erst im August fertig gestellten Imoca 60 "Apivia", einem von fünf Foilern der neuesten Generation im Rennen.

Unbändige Freude: "Apivia"-Co-Skipper Yann Elies und Charlie Dalin bei der rituellen Champagner-Dusche

Unbändige Freude: "Apivia"-Co-Skipper Yann Eliès und Charlie Dalin bei der rituellen Champagner-Dusche

Unterdessen ist der Kampf ums Podium und die nachfolgenden Positionen noch in vollem Gang. Da wird heute am Tracker keine Langeweile aufkommen.

Kevin Escoffier und Nicolas Lunven liegen mit "PRB" zur Stunde noch auf Platz 2, gejagt von der lange Zeit dominierenden "Charal" mit Jérémie Beyou und Christopher Pratt. Diese hatten in den Schwachwindzonen der Doldrums gut 400 Meilen verloren, loggen aber seither wieder mit die höchsten Etmale und haben durchaus noch Chancen, an "PRB" vorbeizugehen.

Auch dahinter geht es heiß her. Position 4 verteidigen derzeit Thomas Ruyant und Antoine Koch auf "Advens", auch das einer der modernsten Foiler. Sie haben ein beeindruckendes Comeback hingelegt, segelten gewissermaßen durchs ganze Feld, nachdem sie anfangs für einen kurzen Reparaturstopp in Cherbourg Halt machen mussten. Doch noch stehen sie unter Druck von Charlie Enright und Pascal Bidégorry auf "11th Hour Racing", der ehemaligen "Hugo Boss", schnellstes Boot der vorigen Generation.

Ebenso erbittert gerangelt wird um die Plätze 6 und 7. Armel Le Cléac'h und Clarisse Cremer – auf "Banque Populaire X" Bestplatzierte ohne Foils – müssen sich gegen die von achtern aufkommende "Initiative Cœur" von Samantha Davies und Paul Meilhat verteidigen, die vor dem Start als Mit-Favoriten gehandelt worden waren, diesem Status aber nicht ganz gerecht wurden. 

Boris Herrmann hat leider kaum noch Chancen, in die Top 10 vorzustoßen. Er und sein Co-Skipper Will Harris segeln aktuell auf Rang 13, haben noch rund 350 Seemeilen vor sich und 30 Meilen auf Platz 12, 45 Meilen auf Platz 11 gutzumachen. Sie hat der Schlenker gen Westen im ersten Drittel des Rennens die Chance auf eine bessere Platzierung gekostet.

Die Lehren des großen Tests vor der Vendée Globe 2020

Es mag früh erscheinen, schon jetzt ein erstes Resümee zu ziehen. Doch einige Erkenntnisse drängen sich auf:

  1. Die neuen Boote sind nahezu unschlagbar – und schon erstaunlich langstreckentauglich. Während sich "Charal" im Vorjahr bei der Route du Rhum noch fehleranfällig und schier unsegelbar präsentierte, scheinen "Apivia" und "Advens" vom Start weg zu funktionieren. Auch "Hugo Boss" beeindruckte anfangs durch sehr hohes Geschwindigkeitspotenzial auf Halbwind- und Raumschots-Kursen
  2. Die alte "Hugo Boss" bleibt eine Macht. Kein Wunder, dass Alex Thomson sie nicht an einen Vendée-Konkurrenten verkaufen wollte, sondern sie an Charlie Enright gab, der sie kommendes Jahr fürs The Ocean Race anpassen wird 
  3. Taktische Optionen können sehr kostspielig sein. Gut möglich, dass Ausreißer wie die von Alex Thomson, Boris Herrmann und einer Handvoll anderer Skipper nach Westen bei der Vendée seltener werden. Wer sich weit vom Hauptfeld entfernt, kommt angesichts der gestiegenen Geschwindigkeit der 2018/19er-Generation nur schwer oder überhaupt nicht wieder ran. 
  4. Die Vendée wird so spannend werden wie nie! Acht neue Foiler, plus ein knappes Dutzend bis zum kommenden November stark optimierte Imocas mit neuen Foils, modernsten Autopiloten sowie äußerst erfahrenen Skippern versprechen eine für Fans abwechslungsreiche, für die Segler extrem anspruchsvolle Regatta um die Welt.

Class 40: Lipinski/Hardy weiter souverän, Riechers/Château in Lauerstellung

Die Führenden der Class 40 haben sich weitestgehend aus den Kalmen befreit. "Crédit Mutuel"-Skipper Ian Lipinski und Adrien Hardy haben in der Nacht die 1000-Meilen-Marke zum Ziel passiert. Zwar beträgt ihr Abstand zu den Zweitplatzierten Fabien Delahaye und Sam Goodchild auf "Leyton" nur rund 50 Seemeilen, aber sie segeln so dominant und auf Halbwind-Kursen so unfassbar schnell, dass sie wohl nur eine technische Panne stoppen könnte – ein souveränes Debüt des Duos und der neuen David-Raison-Konstruktion.

Währenddessen haben sich Jörg Riechers und Cedric Château auf ihrer "Linkt" um eine Position verbessert und in Schlagdistanz zu Platz 5 gebracht; da könnte noch was gehen. Die Hamburger Brüder Arnt und Sönke Bruhns, eine ansteckend gut gelaunte Amateur-Crew, segeln derweil mit reichlich Abstand noch vorn wie nach achtern auf Position 16 und stehen noch vor den Doldrums.

Jochen Rieker am 10.11.2019

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