Paralympics

"Medaillenchance durch Müll versalzen"

Die dritte Medaille bleibt ihm versagt: Ausgerechnet dem großen Rio-Revierkritiker hat eine Mülltüte die letzte Chance geraubt. AKTUALISIERT

Tatjana Pokorny am 16.09.2016
Paralympics 2016

Heiko Kröger startet am Samstag ohne Medaillen-Chance in die vorerst letzte paralympische Segel-Wettfahrt

Das ist bitter: Heiko Kröger startet am Samstag ohne Medaillenchance in die elfte und vorerst letzte 2.4mR-Wettfahrt der Paralympics-Geschichte. Schon als Jäger mit einigem Rückstand auf die Spitzenreiter am Freitag in die Wettfahrten 9 und 10 gestartet, hatte der in Ammersbek bei Hamburg lebende Paralympics-Sieger von 2000 erneut schwere Rückschläge einzustecken.

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Segelt im 2.4mR auf Goldkurs: der Australier Matt Bugg

Im insgesamt zehnten Rennen der Serie war Kröger fast ideal gestartet und als Zweiter an der Kreuz gut im Rennen. "Ich war brutal schnell. Dann stoppte das Boot fast", erzählte Kröger, "ich hatte mörderischen Druck im Schiff. Im Ziel hat Olli (Red.: Betreuer Oliver Freiheit) eine große Tüte vom Kiel abgeschoben." Ausgerechnet dem größten Rio-Revierkritiker hat eine Plastiktüte die letzte Medaillenchance geraubt.

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Tolle 2.4mR-Studie von Paralympics-Fotograf Richard Langdon

Auch im zweiten Rennen des Tages, Wettfahrt 10, konnte Kröger nicht von seinem erneut gezeigten großen Können profitieren. "Ich habe geführt, vor dem Gate gehalst und dann kam die Jury und hat mich wegen Pumpens geflaggt. Ich habe aber nicht gepumpt. Ich bin dann wieder auf drei gefahren." Doch selbst die furiose Aufholjagd nach dem Penalty reichte nicht mehr. "Vielleicht war das einfach nicht meine Woche. Die Medaille ist futsch", musste der 50-jährige Steuermann am Freitagabend ernüchtert erkennen. Nicht ohne Galgenhumor sagte Kröger: "Es ist schon komisch, dass ich, der die Verhältnisse vor Ort am lautesten bemängelt hat, die Medaillenchance durch Müll versalzen bekomme."

Deutsche Sonar-Segler wahren kleine Medaillen-Chance

Im Gegensatz zu Heiko Kröger haben die deutschen Sonar-Segler mit dem Berliner Steuermann Lasse Klötzing noch eine kleine Medaillenchance. Zwar sind die australischen Spitzenreiter um Skipper Colin Harrison mit nur 19 Punkten auf dem Konto von niemandem mehr einholbar und dürfen schon über Gold jubeln, doch hinter ihnen geht es morgen für viele Crews noch um die Chance auf einen Podestplatz bei den Paralympics. Und das ist die Ausgangslage: Die Amerikaner und die Kanadier besetzen mit 43 und 44 Punkten die Plätze zwei und drei. Die Norweger liegen mit 48 Punkten dahinter. Mit jeweils 49 Zählern belegen Griechenland und Neuseeland die Plätze fünf und sechs. Mit 50 Punkten folgt das GER-Trio mit Lasse Klötzing, Jens Kroker und Siegmund Mainka auf Platz sieben. Das bedeutet nur sieben Zähler Rückstand auf Silber und sechs auf Bronze. Den Wiederanschluss an die Spitze hatten Klötzing, Kroker und Mainka am Freitag mit den Rängen 5 und 3 erwirkt. Sieben Punkte sind dann eine machbare Differenz, wenn im Finale am Samstag alles zusammenkommt. Die Chance ist gewahrt.

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Wahrten am Freitag ihre kleine Medaillen-Chance für das Finale mit den Rängen 5 und 3: Lasse Klötzing (r.), Jens Kroker (M.) und Siegmund Mainka

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Die australischen Paralympics-Segler sind 2016 das Maß der Dinge: Gold gibt's auch im Dreimann-Kielboot Sonar

Vorzeitig dagegen segelten die Australier Daniel Fitzgibbon und Liesl Tesch zum Paralympics-Sieg im Skud (ohne deutsche Beteiligung). Dem australischen Mixed gelangen acht Siege in zehn Rennen – sie führen ihr Klassement mit nur zehn Punkten auf dem Konto vor dem letzten Rennen uneinholbar an. Da auch im 2.4mR der Australier Matt Bugg führt, stehen die Zeichen in Rio für den Finaltag auf 100 Prozent goldenes Down under.

Hier geht es zu den Ergebnissen.

AKTUALISIERUNG (17. September, 8 Uhr): Über Nacht ist in Rio der Australier Matt Bugg von Rennen 10 disqualifiziert worden. Dadurch haben sich die Punktabstände so verändert, dass Heiko Kröger im Finalrennen am Samstag zumindest noch eine theoretische Bronze-Chance hat. Ihn trennen auf Platz fünf von Platz drei 13 Punkte. Das Feld hat 16 Starter. Während voraussichtlich Titelverteidigerin Helena Lucas aus Großbritannien und Damien Seguin aus Frankreich um Gold ringen, kämpfen auf dem Papier Matt Bugg und der Amerikaner Dee Smith um Bronze. Was sich Bugg nun aber nicht mehr leisten kann, ist, den Amerikaner ohne Rücksicht auf die Platzierung in Deckung zu nehmen und nach hinten zu segeln.

Tatjana Pokorny am 16.09.2016

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