Regatta-News

„Maximus“ gewinnt Rolex Transatlantik Challenge

Trotz Rückstand auf „Mari-Cha IV“ wird die neuseeländische Rennyacht nach berechneter Zeit Erste

Pascal Schürmann am 03.06.2005

Sie segelten die Hochseeregatta Rolex Transatlantic Challenge, doch sie wollten vor allem auch den berühmten Transatlantik-Regattarekord von Charlie Barr brechen: zwei außergewöhnliche Yachten der Grand-Prix-Klasse, die neuseeländische „Maximus“ und die britische „Mari-Cha IV“.

Die 100 Jahre alte Bestmarke des Schoners „Atlantic“ hat der Schoner der Neuzeit ausgelöscht: Die 43 Meter lange „Mari-Cha IV“ war fast zweieinhalb Tage schneller als ihre 49 Meter lange Vorgängerin damals. Der Klassensieg in der Rolex Transatlantic Challenge jedoch ging an die kleinere, 30,5 Meter lange „Maximus“.

Tagelang hatten sich die beiden hochmodernen Racer auf der fast 3000 Seemeilen langen Strecke vom Ambrose-Leuchtfeuer vor New York bis zum Lizard Point vor der englischen Küste keinen Meter geschenkt und bei zum Teil extremen Bedingungen bis Windstärke 9 von vorn um die höchste Ehre gekämpft. Nach Materialschäden auf beiden Booten war es am Ende die größere Yacht, die sich auf dem Wasser an die Spitze schob.

Als die „Mari-Cha IV“ von Eigner Robert Miller jedoch nach zehn Tagen, einer Stunde, acht Minuten und 37 Sekunden die Ziellinie bei den Needles westlich der Isle of Wight passierte, war der Vorsprung vor Charles Browns und Bill Buckleys „Maximus“ nicht groß genug. Nur gut fünf Stunden später erreichte der Verfolger das Ziel und siegte nach berechneter Zeit klar.

Ein schwacher Trost, wie die Crew der „Maximus“ an Land in Cowes bekannte. „Wir waren nicht angetreten, um nach Handicap zu gewinnen, sondern wir wollten als Erste im Ziel sein“, sagte Navigator Mike Quilter. „Aber es ist vielleicht typisch. Du denkst, du gibst alles, aber beim Armdrücken hat die ‚Mari-Cha IV' einfach mehr Muskeln“, so der America’s-Cup-Veteran und Weltumsegler.

Auf dem Papier schien es von vornherein ein ungleiches Rennen zu sein zwischen einem 140-Fuß-Schoner und einer 30,5-Meter-Slup. Aber es kam anders. Denn abgesehen von den Schäden am Großsegelkopf beziehungsweise an dessen Schlitten lagen die beiden Renner selten mehr als 40 Seemeilen auseinander. Quilter sah den Hauptgrund dafür in den vorherrschenden Bedingungen: „Ich glaube, die lagen uns mehr. Erst war der Wind ganz leicht, dann ging es trickreich gegenan. Dabei konnten wir uns an ihre Fersen heften.“

Erst im Englischen Kanal machte sich der Unterschied in der Bootslänge und der Segelfläche stärker bemerkbar, und die „Mari-Cha IV“ setzte sich entsprechend ab. Auch der Designer der „Maximus“, Greg Elliott, gab unumwunden zu: „Beim gleichen Rennen unter anderen Windbedingungen hätte die ‚Mari-Cha IV' uns alle in Grund und Boden gesegelt.“

Mike Quilter war vor zwei Jahren an Bord der „Mari-Cha IV“, als diese außerhalb einer Regatta für sich allein die gleiche Strecke in einer Fabelzeit absolvierte, was jedoch nicht als offizieller Rekord anerkannt wurde. Aus dieser Erfahrung vergleicht er die beiden Giganten zur See: „‚Mari-Cha IV' ist wie ein Flugzeugträger, die ‚Maximus' wie ein vergrößerter Open 60 (eine leichtgewichtige Hochleistungsrennyacht). Wir haben das Rennen spannend gemacht, und das Boot ist offensichtlich richtig schnell. Nach meinem Eindruck surft es viel eher. Auf der Passage mit der ‚Mari-Cha IV' erreichten wir höhere Durchschnittsgeschwindigkeiten, aber auf der ‚Maximus' fuhren wir bei frischem halben Wind alle fünf oder zehn Minuten in der Spitze über 30 Knoten.“

Die nächste Teilnehmeryacht, die für Freitagvormittag (3. Juni) im Zielhafen der Rolex Transatlantic Challenge in Cowes erwartet wurde, war die 46,3 Meter lange „Windrose“ des Niederländers Chris Gongriep als Erste der Performance-Cruising-Klasse 1. Sie passierte das Tor bei Lizard am Donnerstagmittag ebenfalls noch deutlich unter der Rekordzeit der „Atlantic“ von 1905. Nach berechneter Zeit lagen aber die 170-Fußer „Drumbeat“ und „Tiara“ vorn.

In der Performance-Cruising-Klasse 2 führte die US-amerikanische „Tempest“ von Bugs Baer und William Hubbard. Bei den Klassikern lag A. Robert Towbins „Sumurun“ an der Spitze, hatte aber nach elf Tagen noch die Hälfte der Strecke vor sich. Die Crew wettete schon auf ihre Ankunftszeit. Während die Pessimisten (oder Realisten?) vom späten 12. Juni ausgehen, hoffen andere auf den 9. Juni. Länger reicht der Proviant an Bord nämlich nicht ...

Pascal Schürmann am 03.06.2005

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