Transatlantik-Rennen

Maxi-Tris segeln gegen "Queen Mary 2"

Nächstes Jahr startet eine neue Langstreckenregatta von St. Nazaire nach New York – mit einem denkbar ungewöhnlichen Favoriten, der "QM2"

Jochen Rieker am 05.09.2016
Homepage von The Bridge 2017

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Die schnellsten Maxi-Tris haben bereits gemeldet: François Gabart auf "Macif", der sich in nahezu unschlagbarer Form befindet, Yann Guichard mit "Spindrift 2", Thomas Coville auf "Sodebo" und Yves LeBlevenc auf "Actual". Die vier werden im nächsten Sommer auf dem Nordatlantik gegeneinander antreten – und gegen die "Queen Mary 2", Cunards großen Ocean-Liner. Ein skurriles, ein ungleiches Aufeinandertreffen, das unter dem symbolträchtigen Namen "The Bridge 2017" stattfinden soll.

Die "Queen" wird angetrieben von vier Pod-Motoren mit zusammen fast 117.000 PS. Ihre Marschfahrt liegt bei gut 20 Knoten, die Höchstgeschwindigkeit bei rund 30 Knoten. Das sind Werte, die ein Maxi-Tri durchaus toppen kann – aber kaum auf dem direkten Weg.

"Macif" beim Start zum Transatlantik-Rekord in New York

"Macif": schneller als "QM2"?

Beim Transat Bakerly dieses Frühjahr segelte François Gabart einhand von Plymouth nach New York im Durchschnitt 23 Knoten schnell – allerdings brauchte er wegen eines großen Süd-Schlenkers mehr als acht Tage für die Strecke. In Ost-West-Richtung ist ein Umweg über Süd häufig schneller, weil dadurch der Raumschotsanteil überwiegt, während die kürzere Nordroute mehr Amwind-Kurse erfordert.

Es müsste also ein sehr günstiges Wetter herrschen, damit die vier Tris der "Queen" davonfahren, die für die Passage nur fünf bis sechs Tage benötigt. Aber darum geht es auch gar nicht in erster Linie. Die Regatta hat vielmehr symbolischen Charakter. 

Mit ihr gedenken die Franzosen der Seebrücke, über die 1917 die ersten amerikanischen Soldaten am europäischen Kontinent anlandeten, um die deutschen Besatzungstruppen zurückzuschlagen. "The Bridge" soll ein Symbol für die transatlantische Freundschaft und Zusammenarbeit sein, die sich seither entwickelte.

Die "Queen Mary 2" ist ein wichtiger Botschafter der bilateralen Beziehungen. Zum einen wurde sie in St. Nazaire gebaut; sie kehrt seit der Inbetriebnahme zum ersten Mal wieder an ihren Entstehungsort zurück. As Linienschiff verbindet sie regelmäßig Europa und die USA. 

Als das Flaggschiff der Cunard-Reederei vorigen Donnerstag in Southampton einlief, ging wie in den Vorjahren auch eine Gruppe der YACHT von Bord, die von Hamburg aus im Rahmen einer Leserreise mit der "QM2" gefahren war. Kurz darauf fand auf dem stolzen Schiff die feierliche Unterzeichnung des Chartervertrags für "The Bridge" statt. Eine Gruppe von Investoren hat die "Queen" für die Dauer des Rennens komplett gechartert und wird in Kürze mit der Vermarktung der Kabinen beginnen.

Es ist eine einmalige Regatta-Begleitfahrt. Von Deck 7 des Linienschiffs können Reisende den Start live verfolgen – und werden an Bord während der gesamten Atlantik-Passage auf dem Laufenden gehalten über die Kurse und Geschwindigkeiten der Maxi-Tris.

Die segeln, natürlich, ihr eigenes Rennen. Selbst Experten erwarten die "Queen Mary 2" als Erste im Hafen. Unter günstigen Bedingungen werden die ersten Segler ein, zwei Tage nach ihr unter der Verrazano-Brücke nach New York einlaufen.      

  

Jochen Rieker am 05.09.2016

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