Minitransat

Masekowitz: die unendliche Reise

Aus dem Traum vom zweiten Minitransat ist für Henrik Masekowitz ein Alptraum geworden: Er sitzt auf einem Frachter mit Kurs Karibik fest

Tatjana Pokorny am 02.11.2013
Minitransat 2013

Auch auf dem Begleitschiff der Veranstalter herrschten harsche Bedingungen

Minitransat 2013

Vor dem Rennen tatendurstig und bereit für sein zweites Minitransat: Henrik Masekowitz

Der Hamburger Minitransat-Teilnehmer Henrik Masekowitz hatte zunächst Glück im Unglück (siehe unsere Berichterstattung in den vergangenen Tagen): Das Minitransat 2013 hatte nach 16 Tagen Sturmverschiebung zu Beginn der vergangenen Woche gerade begonnen. Gemeinsam mit 76 Teilnehmern war Masekowitz am 29. Oktober von Douarnenez aus in See gestochen, bereit für sein zweites Mini-Abenteuer mit der "Caribou" nach 2006. Die damalige Premiere segelte er mit seiner "Beijamar". Auf den zweiten Einsatz hatte sich Masekowitz intensiv und mit sehr viel Segelzeit auf dem Wasser vorbereitet.

Gerade zwei Tage war er auf See, als ihn ein Geräusch aus einer kurzen, 20-minütigen Schlafphase hochschrecken ließ. Im ersten Moment dachte Masekowitz, dass es wohl sein Rigg getroffen habe. Doch das stand noch. Dafür fand der Skipper seine Ruderanlage beschädigt. Er vermutet als Ursache die Kollision mit einem sogenannten "Ufo" (Unknown Floating Object), die er im Schlaf nicht bemerkt hat. Der genaue Hergang und zeitliche Ablauf des Notfalls auf See ist noch nicht bekannt, doch seiner Frau Tina berichtet der 47-Jährige später, dass sein Schiff irgendwann schnell Wasser gemacht habe. Wann und wie die "Caribou" dann ihren Kiel verloren habe, war am Wochenende auch noch unklar. Fakt aber ist: Henrik Masekowitz hatte am Dienstag den Notruf selbst ausgelöst. 

Daran schloss sich eine Kette von Reaktionen, die der Ehefrau noch nicht im Einzelnen bekannt sind. Denn sie konnte bislang nur zweimal kurz mit ihrem Mann sprechen, der einige Stunden nach seinem Notfall in der Biskaya von einem englischen und nicht einem deutschen Frachter, wie ursprünglich von den Minitransat-Veranstaltern berichtet, geborgen worden war. Auf diesem englischen Schiff erholt sich der physisch unverletzte, aber geschockte Masekowitz nun von den Ereignissen – allerdings viel länger, als ihm lieb ist: Denn der Frachter fährt ohne Zwischenstopp nach Guadeloupe. Damit ist Masekowitz zum Warten auf See verdammt, während an Land die Familie, Freunde, Versicherer und Hilfskräfte rotieren. Zunächst war unklar: Was passiert mit Masekowitz' Boot, das führerlos in der Biskaya treibt? Wer kümmert sich um die mögliche Bergung? Ehefrau Tina hat alle Beteiligten nach Vorschrift informiert. Inzwischen hat der Versicherer laut Nachricht an die Ehefrau Maßnahmen zur Bergung eingeleitet.

"Auch Bremen Rescue war sehr hilfsbereit", berichtete die Mutter zweier kleiner Kinder YACHT online, "sie haben mir eine Kontaktnummer für den Frachter rausgesucht, auf dem Henrik nun in Richtung Karibik fährt. Er wird dort nicht vor dem 11. oder 12. November ankommen." Von ihrem Mann erfuhr sie im kurzen Telefonat, dass es ihm den Umständen entsprechend gut geht. Er sagte ihr, dass er heilfroh sei, in den unwirtlichen Bedingungen nicht mehr auf seiner Nussschale von Boot zu sitzen. Querab von Cap Finisterre berichtete Masekowitz von Bord des Frachters über sehr hohe Wellen. Die Minitransat-Flotte liegt in den Häfen von Gijon und Sada, wartet dort ab, bis das Rennen vor Sada erneut gestartet werden kann. Die Wettfahrtleitung will die neue Startzeit schnellstmöglich bekanntgeben.

Minitransat 2013

Als Masekowitz' Minitransat-Welt noch in Ordnung war: mit der "Caribou" vor dem Start

Tatjana Pokorny am 02.11.2013

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