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"Maiden" umfährt neues Sturmtief

An Bord des berühmten Whitbread-60-Oldies stellt sich die Crew auf Schmuddelwetter ein, berichtet YACHT-Redakteur Matthias Beilken

Jochen Rieker am 26.06.2007

Aber nicht nur das über Labrador aufziehende Sturmtief macht der Mannschaft Sorgen. Mehr noch plagt sie sich derzeit wieder einmal mit der betagten Technik. Strom droht knapp zu werden an Bord. Hier der Bericht:

"Nach der Sonne und der Sommer-Sonntagsstimmung von gestern fahren wir heute der versprochenen „herbstlichen Überfahrt“ entgegen. Es nebelt und sieht generell öde aus, obwohl wir den 48. Breitengrad noch nicht
übersegelt haben. Der Spi ist weg und wir fahren unter Genua einen eher
östlichen Kurs. Das Radar brummt.

Wir fahren etwas höher als nötig, in den östlichen Teil des Nordatlantiks. Ein Tief, das sich über Labrador zusammenbraut, macht diesen Fluchtweg notwendig. Große Wetterdateien, die einen lange in die Zukunft blicken lassen, bestätigen, dass es in zwei bis drei Tagen ungemütlich wird (40 bis 50 Knoten Wind) — in einer Ecke, die wir bereits gestern abgehakt haben.

Daher: Lieber weg hier. Wir erwarten für die nächsten Tage jedenfalls Schmuddelwetter, wenn der auch nicht mit Sturm verbunden zu sein scheint. Die Ankündigung des Schmuddelwetters erleben wir ja bereits.

Eine Beschreibung der Stromkreise an Bord von „Maiden“ wäre geeignet,
Leser zu langweilen. Nur soviel: Die meisten der fünf verschiedenen
Batterie-Blöcke sind kaputt. Die Kapazität der Akkus geht schneller in
den Keller, als eine Ente dreimal mit dem Schwanz wackelt.

Ein Stecker in der Navi hat bereits gebrannt trotz Sicherungen), zwei Laptops fahren offensichtlich aufgrund von Spannungsspitzen nicht mehr hoch, das 24-Volt-Netz ist zusammengebrochen, der Spannungswandler dafür (die Laptops brauchen den) durchgebrannt.Ein bisschen 220 Volt erlaubt manchmal (zweimal täglich) E-Mail-Verkehr, wenn die Hauptmaschine läuft.

In „Maidens“ Aggregateverhau vorm Mast steht zwar ein schicker Generator. Jedoch steht er dort ungeschützt und wir haben Race Director
Alan Green bei aller Gentlemanehre Stein und Bein versprochen, ihn nicht
zu benutzen. Denn vom eigentlichen Eigner Terry Neilson hat sich Green
bereits vor Jahren ein sicheres Gehäuse gewünscht. „Ich kann nicht
verstehen, warum er das nicht in die Wege geleitet hat“.

Für alles, was mit Diesel, Strom oder Schrauben zu tun hat, haben wir
„Chief“ Jules. Der Ingenieur aus Holland und Mitinitiator des Projekts
ist meist nur an seinem Schuh erkennen, der — mit Fuß drin, versteht
sich - aus irgendeinem Schapp ragt. Außer Skipper Hilmer darf nur er
das komplizierte "engine compartment" vorm Mast bretreten.

Neben seinen notorischen Nervkindern, den stromerzeugenden Maschinen, war heute die Achterpiek mit den Steuerseilen und dem Ruderquadranten dran. „Maidens“ Ruderanlage mit den zwei Rädern läuft seitdem wieder leichter. „Wie geschmiert“ würde man witzeln, wenn sie nicht wirklich geschmiert wäre.

Wer die Anlagen da hinten besichtigt, bringt lieber Schutzhelm und
Blaumann mit, denn er trifft auf derbe Technik von 1980. Ein U-Boot ist
dem durchaus ebenbürtig.

Jochen Rieker am 26.06.2007

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