Offshore Team Germany

Made in Germany: "Wir wollen professionelle Maßstäbe setzen"

Mit der Kampagne "#madeingermany" will das Offshore Team Germany die Teilnahme an den drei großen Regatten um die Welt sicherstellen

Lars Bolle am 16.03.2018
Acciona
JEAN MARIE LIOT/DPPI/VENDEE GLOBE

Das vor gut einem Jahr gegründete Offshore Team Germany hat hoch gesteckte Ziele. Mit dem Hamburger Hochseeprofi Jörg Riechers und dem Berliner Ex-Starboot-Olympioniken Robert Stanjek als Kerncrew sollen die drei großen Regatten um die Welt bestritten werden. Das Barcelona World Race 2019 soll den Auftakt bilden, an der Vendée Globe 2020/2021 soll mit Riechers erstmals ein Deutscher teilnehmen, und auch die 16-jährige Abwesenheit eines deutschen Teams beim Volvo Ocean Race soll mit einer Teilnahme bei der kommenden Auflage ein Ende haben.

Offshore Team Germany

Einen ersten großen sportlichen Erfolg konnte das Team mit dem Neubau des Minis "Lilienthal" und dem zweiten Platz von Jörg Riechers beim vergangenen Mini-Tansat in der Prototypenklasse verzeichnen.Bisher wurde die Finanzierung durch private Investoren gestemmt. Unter der Kampagne "#madeingermany", die in Kürze präsentiert wird, sollen nun zusätzlich Partner aus der Wirtschaft begeistert und damit die weitere Finanzierung gesichert werden. Die YACHT sprach mit Teammanager Jens Kuphal (Berlin) über die Ziele und Chancen der Initiative.

YACHT: Herr Kuphal, der Slogan "Made in Germany" klingt gewaltig. Was wollen Sie damit ausdrücken?

Kuphal: "Made in Germany” ist seit jeher ein globales Markenzeichen für Weltklasse – es gab durchaus Zeiten, da galt dies auch für die Segelnation Deutschland. Seit Jahren wurde dieser Erfolgsstory jedoch kein neues Kapitel mehr hinzugefügt. Das Offshore Team Germany ist angetreten, um dies zu ändern – mit einem Joint-Venture aus Wirtschaft und Sport.

Wer schwebt Ihnen als Partner vor?

Als rein deutsches Team planen wir mit Partnern aus der nationalen Wirtschaft eine auf zunächst drei Jahre angelegte Kampagne, die nicht nur sportlich, sondern auch als Netzwerk, Hospitality- und Marketing-Plattform professionelle Maßstäbe setzen soll. Die Unternehmen sollen dabei ihre jeweilige Kompetenz einbringen und am Ende mit uns als starke Gemeinschaft erfolgreich sein. #madeingermany soll so auch zum emotionalen Showcase für den weltweit beachteten deutschen Mittelstand werden – mit umfangreichen kommunikativen Paketinhalten für jeden unserer Partner.

Wie viele Partner benötigen Sie? Und was kostet so eine Partnerschaft? Oder einfach ausgedrückt: Über welches Budget reden wir?

Mindestens zehn nationale Unternehmen sollen gleichberechtigt teilhaben, von sämtlichen Inhalten profitieren, ihr Knowhow in dieses Projekt einfließen lassen und damit die Leidenschaft für das Hochseesegeln teilen. Dies ergibt am Ende einen Einzelbetrag für jedes Unternehmen, der weit weg von den üblichen Millionenbeträgen eines kompletten Kampagnen-Sponsorings liegt.

Was hat ein deutscher Mittelständler von so einer Partnerschaft?

Der Mittelstand wird nicht umsonst als der Motor der deutschen Wirtschaft bezeichnet, worauf er zu Recht stolz sein kann. Gleichzeitig beruht ein großer Teil des Erfolgs auf Exporten in die ganze Welt. Wenn wir es also schaffen, als globaler Botschafter dieser Unternehmen auf Weltreise zu gehen, um dabei ein sichtbares und erlebbares Zeichen für deutsche Innovation und Technologie zu setzen, dann sehen wir darin einen echten Mehrwert für jeden einzelnen Partner. Im Vergleich mit anderen Sportarten bietet Segeln eine einzigartige Kombination aus starken Emotionen, Attributen und Werten, und darüber hinaus zeichnen sich Offshore-Segler durch eine ganz besondere Verbindung zur Natur aus. Die Umrundung der Erde nur mit der Kraft des Windes ist für sie die ultimative Herausforderung. All diese Werte lassen sich mühelos aus dem Sport Markenwerte übersetzen und in der internen und externen Unternehmenskommunikation imagefördernd verwenden.

Interne Unternehmenskommunikation? Die Unternehmen sollen also nicht für ihre Produkte werben, um mehr von diesen zu verkaufen, also direkt ihre Investition gewinnbringend zurückerhalten, sondern, salopp gesagt, ihre Mitarbeiter "bespaßen"?

Den reinen Return on Invest im Sport zu beziffern ist äußerst schwierig, und seine Messbarkeit wird in der Sponsoringbranche seit jeher immer wieder heiß diskutiert. Wer sagt mir, dass ein Werbespot im Fernsehen für mein Unternehmen langfristig erfolgreicher ist als ein Engagement, bei dem ich meinen wichtigsten Zielkunden meine Inhalte tatsächlich erlebbar mache, die Identifikation meiner Mitarbeiter mit meinem Unternehmen stärke und emotionales, unternehmensgebundenes Story-Telling auf meinen eigenen Kanälen betreibe? Wir sind der festen Überzeugung, dass unser Ansatz für jeden Partner einen Mehrwert darstellen kann. Zudem geht es in der heutigen Zeit vor allem bei größeren Unternehmen in gleichem Maße auch um interne Kommunikation und eine ganz neue Möglichkeit der Mitarbeitermotivation.

Mit ähnlichen Ansätzen scheiterten schon andere bekannte deutsche Segler, etwa Jochen Schümann oder Roland Gäbler, bei der Suche nach Sponsoren für America’s Cup- Kampagnen. Was glauben Sie, besser machen zu können?

Der America's Cup ist schon allein budgettechnisch nicht ansatzweise mit einem heutigen Imoca-Projekt vergleichbar. Unser Ansatz ist eher langfristig und nachhaltig gedacht – wir wollen uns gemeinsam mit unseren Partnern entwickeln und stetig wachsen. Im Rahmen der "Imoca Ocean Masters" wollen wir uns dort drei Jahre lang sportlich entwickeln und technologisch unter Beweis stellen. Und wenn wir unsere ambitionierten, aber durchaus realistischen Ziele dann tatsächlich erreicht haben, können wir mit unseren Partnern immer noch entscheiden, ob wir gemeinsam den nächsten Schritt gehen und uns an noch größere Themen heranwagen wollen.

Sie betonen immer wieder den technologischen Aspekt. Welche Unterstützung benötigen Sie?

Offshore Team Germany

Die ehemalige "Acciona" in der Werfthalle von Trimarine

Die Imoca-Klasse ist die "Formel 1 der Weltmeere". Sie bringt immer wieder technologische Innovationen hervor. Es ist ein Konstruktionswettkampf, der Design, Engineering und Materialentwicklung genauso wie Kommunikations-, Energie- und Navigationstechnologien ständig vorantreibt. Wir wollen diesen Prozess aktiv mitgestalten und streben Innovations-Partnerschaften mit deutschen Unternehmen an. Im Vorfeld der Vendée 2019/2020 soll unser Open 60 (die Ex-"Acciona", die das Team gekauft hat, d. Red.) in Kooperation mit den Team-Partnern aufwendig auf Foils umgerüstet und als Innovations-Projekt auch für eine möglichst emissionsfreie Umrundung der Erde vorbereitet werden.

Die Ex-"Acciona" wurde in Frankreich gebaut. Wie verträgt sich das mit dem Kampagnen-Slogan "Made in Germany"?

Dass ein deutsches Boot, das es ja aktuell nicht gibt und somit auch in Eigenregie zustande kommen müsste, auf den ersten Blick leichter mit unserem Kampagnentitel in Einklang zu bringen wäre, versteht sich von selbst. Aber es wäre unrealistisch zu glauben, Sponsoren für ein derart kostenintensives Projekt mit sehr langem Vorlauf für Planung und Bau ohne aktive Teilnahme an Regatten zu finden. Wir hatten sehr großes Glück mit der "Acciona", eine so vielversprechende Plattform für unser Projekt zu finden und als einer von vielen Interessenten den Zuschlag zu bekommen. Im Grunde genommen ist das Schiff nach dem Refit (der derzeit in Portugal stattfindet, d. Red.) auch ein Neubau, da wir im Rahmen des aktuellen Reglements unter anderem auch die innenliegenden Ballasttanks versetzen, ein neues Kiel- und ein dazugehöriges Mast-Design realisieren und dazu hoffentlich auch neue deutsche Technologie an Bord haben werden. Allerdings beschreibt der ursprüngliche Begriff "Made in Germany" ja nicht nur ein Qualitätsmerkmal, sondern vor allem den Herkunftsbegriff, in unserem Falle die Herkunft der Gesamtkampagne.

Das Barcelona World Race startet schon im Januar 2019. Kommen Ihre Bemühungen nicht etwas zu spät?

Nicht nur der Refit des Open 60 läuft seit einiger Zeit auf Hochtouren, sondern natürlich auch die Entwicklung und Vermarktung unserer gesamten Kampagne. Wir führen inzwischen einige vielversprechende Gespräche, und gerade die Erkenntnisse und die vielen positiven Reaktionen auf den #madeingermany-Gedanken haben uns dazu gebracht, damit jetzt auch an eine breitere Öffentlichkeit zu gehen. Wir hoffen schon bald die ersten Partnerschaften bekanntgeben zu können, die auch den Start beim Barcelona World Race sicherstellen. Wie mir erst neulich jemand in einem der Gespräche versicherte: "Eigentlich gibt es für euch doch gar kein Zurück mehr, ihr müsst fahren!" Das klang schon sehr überzeugend!

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Entwurf für das Bootsdesign

Offshore Team Germany
 

Lars Bolle am 16.03.2018

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