America's Cup

Machtkampf im Team New Zealand

Wieder einmal wird in Neuseeland um den richtigen Cup-Kurs gestritten. Der viermalige Cup-Sieger Brad Butterworth attackiert Grant Dalton

Tatjana Pokorny am 24.06.2014
Butterworth, Bertarelli, Ecklestone

Brad Butterworth (Mitte) mit Bernie Ecclestone und Grant Simmer

Zweimal hat Brad Butterworth mit Team New Zealand den America's Cup gewonnen. Dann wechselte er gemeinsam mit seinem Kumpel und Steuermann Russell Coutts das Lager und entführte die Trophäe aus seinem Heimatland in die Schweiz. Die Abtrünnigen mussten damals eine nie dagewesene Hetzkampagne über sich ergehen lassen. In der Folge gewann Butterworth den Cup für die Eidgenossen zweimal, bevor die Schweizer von Larry Ellisons Team erst mit einem zermürbenden jahrelangen Gerichtsstreit und anschließend in einem ungleichen Duell auf dem Wasser aus dem Cup-Geschäft gedrängt wurden. Als graue Eminenz ohne Cup-Engagement hat Butterworth das Geschehen in den vergangenen Jahren von der Seitenlinie aus beobachtet. Nun hat sich der Mann aus Te Awamatu in seiner Heimat zurückgemeldet – mit einem knackigen Interview mit dem Sender "3 News".

 

America's Cup

Der Boss: Grant Dalton bleibt vorerst Dirigent von Team New Zealand

Segler, Fans und Medien sind seitdem gleichermaßen verwirrt über den Vorstoß des Bradley William Butterworth. Der mit allen Wassern gewaschene Top-Taktiker hat öffentlich sein Interesse an einer Rückkehr in eine Führungsrolle im Team New Zealand bekundet. Das Problem: Niemand hat ihn darum gebeten. Und so wirkt der Vorstoß ein wenig inszeniert. Völlig abwegig aber ist die Vorstellung von Butterworths Mithilfe auf dem Weg zu einer weiteren Cup-Kampagne im von Finanzsorgen gebeutelten neuseeländischen Team auch nicht.

 

Der nicht gerade für seine Bescheidenheit bekannte Butterworth hat öffentlich erklärt, dass er Team New Zealand gerne helfen würde, der Vorstand des Teams sein Angebot allerdings abgelehnt hätte und weiterhin auf Grant Dalton als unumstrittene Führungsfigur setzen wolle. "Dabei geht es gar nicht um mich", versucht Butterworth seine Motivation zu erklären. "Ich dachte einfach nur, dass ich helfen könnte. Das habe ich auch dem neuen Vorstand erklärt. Ich würde zur Verfügung stehen, wenn sie mit mir sprechen wollen oder überlegen, Leute an der Spitze der Pyramide auszutauschen." Damit griff Butterworth den aktuellen Teamchef und das Management unverhohlen und direkt an. Und signalisierte gleichzeitig seine Bereitschaft, Daltons Job zu übernehmen. 

 

ACWS

Kritisierte Team New Zealands Boss Grant Dalton: Oracle Team USAs CEO Russell Coutts

Butterworth wies darauf hin, dass "Dalton selbst vor dem letzten Cup gesagt hat, dass er abtreten würde, wenn sein Team nicht gewinnen würde" und fügte hinzu: "Es gibt da draußen eine Menge Leute, die mir gesagt haben, dass ich dem Team helfen sollte". Genau das wolle er liebend gerne tun und hätte viel zu bieten. Sein Angebot folgte kritischen Stimmen aus dem Lager der amerikanischen Cup-Verteidiger: Auch Russell Coutts und James Spithill hatten Grant Daltons Führungsqualitäten in Frage gestellt. Vielleicht aber nur, weil sich Dalton beim Tauziehen um das Format des künftigen Cups wieder einmal als wenig gefügiger Querdenker erwiesen hatte. Dass ein Russell Coutts lieber einen Brad Butterworth als Gegenspieler aus Neuseeland hätte, kann mit der Segelkarriere der beiden Hochkaräter vertraute Cup-Interessierte kaum verwundern.

 

Der Vorstand Team New Zealands allerdings hat – vorerst – Grant Dalton sein Vertrauen ausgesprochen. Darüber, so formulierte es Butterworth im Interview, sei er nicht verärgert, aber doch überrascht. Für ihn sähe Team New Zealand aktuell nicht mehr wie ein Sportteam aus, sondern wie eine hierarchisch geprägte Gruppe, die von einem einzigen Mann dirigiert würde – der nächste Schuss gegen Dalton.

 

Butterworth ist überzeugt, dass Team New Zealand den America's Cup gewinnen könnte. Doch dafür müsse die Mannschaft ihre Besten ins Rennen schicken. "Zurzeit", so lästerte der wortgewaltige 55-Jährige, "sieht es eher nach 'alles wie immer' aus." Mit Blick auf die von ihm selbst angestrebten Möglichkeiten zur Einflussnahme mag Butterworth recht haben: Alles bleibt vorerst wie immer – und er selbst einstweilen außen vor. Denn auch Grant Dalton beherrscht Machtspiele nicht ganz schlecht und scheint als Boss von Team New Zealand fest im Sattel zu sitzen.

 

 

 

 

Tatjana Pokorny am 24.06.2014

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