Segeln olympisch

Lasersegler in Lauerstellung

Deutschlands Lasersegler haben sich am ersten Tag eine gute Ausgangsposition für die WM-Woche in spanischen Gewässern verschafft

Tatjana Pokorny am 13.09.2014
Laserflotte vor Santander

Laserflotte vor Santander 2014

Einmal nur hat Philipp Buhl zu lange überlegt, eine einzige Fehlentscheidung am Wind getroffen. Schon war der durchaus mögliche Top-Drei-Rang im ersten Rennen der Weltmeisterschaft am Freitag verspielt und Deutschlands Segler des Jahres kam bei seinem WM-Auftakt erst als 15. seiner Gruppe ins Ziel. Das war kein Auftakt nach Maß, nicht der Einstieg den sich der Steuermann vom Segelclub Alpsee Immenstadt gewünscht hatte. Doch das Comeback sollte direkt folgen...

Laser WM 2013 Oman Tag 5

Erkämpfte sich bei der WM vor Santander nach nicht ganz geglücktem ersten Rennen einen zweiten Rang in Durchgang zwei: Philipp Buhl

Buhl selbst beschrieb die Schlüsselszene später so: "Das erste Rennen lief zunächst super. Ich war vorne mit dabei. Dann habe ich auf der Kreuz eine Entscheidung falsch getroffen. Alle sind nach rechts gefahren. Ich war sicher, dass es links beser sein muss. Ich habe lange überlegt. Aber man ist eben doch nicht immer schlauer als der Rest. Mein eigentlicher Fehler war nicht die Kursentscheidung, sondern die Tatsache, dass ich das Risiko von bis zu zehn verlorenen Plätzen gegen den möglichen Gewinn von ein oder zwei Plätzen eingetauscht habe. Vielleicht war da einfach noch ein bisschen Nervosität im Spiel. Es ist ja schließlich eine Weltmeisterschaft!"

Kieler Woche 2014

Schon bei der Kieler Woche waren sie ein gutes Team, das mit Fairplay beeindruckte: Die Lasersegler Tobias Schadewaldt (l.) und Philipp Buhl

Buhl zog umgehend die Konsequenzen, ließ sich von dem Dämpfer nicht aus dem Konzept bringen, schüttelte die Nervosität ab und setzte die in Durchgang ein gewonnenen Erkenntnisse im zweiten Rennen des Tages mit Rang zwei nahezu perfekt um: "Ich habe es in der zweiten Wettfahrt einfach gehalten. Es war heute eine klare Sache mit der rechten Seite. Mein Start in die zweite Wettfahrt war hervorragend. Oben war ich Dritter. Einen konnte ich dann noch mit einer einzigen guten Wende überholen. Es hat Spaß gemacht. Manchmal ist es fast erstaunlich, wie leicht es sein kann."

Solche Gedanken müssen auch Tobias Schadewaldt durch den Kopf gegangen sein, als der in der ersten Wettfahrt in derselben Gruppe wie sein Teamkamerad Philipp Buhl als Dritter ins Ziel kam. Das war ein ganz starker Auftritt des Olympia-Elften im 49er, der nach den Olympischen Spielen 2013 in seine alte Klasse Laser zurückgekehrt war und seitdem immer besser in Fahrt kommt. Der Oldenburger, dem die am Freitag vorherrschenden leichten Winde zwischen fünf und acht Knoten liegen, musste dann im zweiten Rennen die Federn lassen, die Buhl im ersten verloren hatte. Doch der Steuermann vom Norddeutschen Regatta Verein liegt im imposanten WM-Feld von 147 Seglern aus mehr als 80 Ländern als bester Deutscher vorerst auf Platz 13. Nur einen Punkt Rückstand hat Schadewaldt auf den Titelverteidiger und Doppel-Olympiasieger Robert Scheidt (9.). Die Führung in der größten WM-Flotte übernahm zunächst Juan Ingnacio Maegli Aguero aus Guatemala.

Laserflotte vor Santander

Laser-Action an der Wendemarke

Während die sich beiden Routiniers der deutschen Segel-Nationalmannschaft eine gute Ausgangsbasis für die WM-Woche verschafften, machte noch ein junger Teamkamerad aus dem Audi Sailing Team Germany auf sich auferksam: Junioren-Weltmeister (U19) Theodor Bauer aus Malchin ersegelte – völlig unbeeindruckt von der mit Stars gespickten Flotte – die Einzelränge zehn und acht und schob sich damit kess auf Platz 20 vor. Damit demonstrierte der erst 19 Jahre alte Steuermann vom Röbeler Segler-Verein "Müritz", wo es für ihn möglichst schnell hingehen soll: nach oben.

Ein gutes Fundament für den Kampf um Medaillen und Nationenstartplätze für die Olympischen Spiele 2016 verschaffte sich parallel zu den Männern Europameisterin Svenja Weger. Die Laser-Radial-Steuerfrau vom Potsdamer Yacht-Club erkämpfte sich zum WM-Einstieg die Ränge zehn und sechs und liegt damit auch in der Gesamtwertung auf Platz zehn. Die 21-jährige gebürtige Heidelbergerin spielte dabei ihre Leichtwind-Stärken gut aus.

Isaf WM olympische Segeldisziplinen 2014

Isaf-Präsident Carlo Croce begrüßte die Athleten aus aller Welt

Isaf WM olympische Segeldisziplinen 2014

Zur Eröffnungsfeier kamen mehr als 20.000 Fans und feierten mit den über 1200 Seglerinnen und Seglern aus 83 Nationen

Heute steigen als nächste Disziplinen die RS:X-Surfer in die zehntägige WM-Serie ein. Dabei ruhen die deutschen Hoffnungen auf dem Olympia-Vierte Toni Wilhelm, der als erfahrenster Starter in der DSV-Flotte in die Isaf Weltmeisterschaft aller zehn olympischen Disziplinen startet. Die Rennen beginnen um 13 Uhr.

Hier geht es zu den Impressionen von der Eröffnungsfeier:

http://youtu.be/L7NrpazIbxg

Hier geht es zu den Höhepunkten von WM-Tag 1:

http://youtu.be/giRQpuK48YY

Isaf WM olympische Segeldisziplinen 2014

Goldenes "Selfie": Brasiliens Segler wollen den Jubelmoment bei der Eröffnungsfeier festhalten. Doppel-Olympiasieger und Titelverteidiger Robert Scheidt (l.) zählt zu den Favoriten in der Laserklasse

Tatjana Pokorny am 13.09.2014

Das könnte Sie auch interessieren


Fotostrecken

    ANZEIGE

    Das könnte Sie auch interessieren

Neueste Downloads

Yachttests


Reise-Reportagen


Ausrüstung


Gebrauchtboottests


Neue Videos


Aktuelle Artikel bei YACHT online