Jules Verne Trophy

"Lächeln und es ertragen"

"Spindrift 2" hat das Kap der Guten Hoffnung nach 12 Tagen, 13 Stunden und 8 Minuten erreicht. Die Stimmung an Bord ist gut, voraus aber liegen Eis-Gefahren

Tatjana Pokorny am 29.01.2019
Jules Vene Trophy 2019
Christophe Espagnol/Spindrift Racing

Das St.-Helena-Hoch hat einmal mehr eine Rekordfahrt beeinträchtigt. Weil es aktuell tiefe Ausläufer in den Süden hatte, mussten Skipper Yann Guichard und seine "Spindrift 2"-Crew auf ihrer Jagd nach der Jules Verne Trophy für die schnellste Weltumsegelung tief in den Südatlantik eintauchen, um es vor dem Passieren des Kaps der Guten Hoffnung zu umgehen. Für die zwölfköpfige Mannschaft ging es aus diesem Grund bereits hinunter bis zum 43. Breitengrad – hinein in die "Brüllenden Vierziger". So ergab sich die gesegelte Zeit von der Startlinie vor Ouessant bis zum Kap der Guten Hoffnung von 12 Tagen, 13 Stunden und 8 Minuten.

Jules Vene Trophy 2019

Schnell, schneller, "Spindrift 2": Aktuell geht es nach der Passage des Kaps der Guten Hoffnung mit Durchschnittsgeschwindigkeiten von 35 Knoten in Richtung Kerguelen

Es ist eine der besten jemals erreichten Zeiten für diesen Abschnitt. Relevant ist gleichzeitig jene Zeit, die das Team auf dem gold-schwarzen Trimaran bis Kap Agulhas benötigt hat. Der südöstlich vom Kap der Guten Hoffnung gelegene Punkt markiert die Einfahrt in den Indischen Ozean. Auf diesem Längengrad hatte die Crew einen theoretischen Vorsprung von 6 Stunden und 43 Minuten vor der Rekordhalterin "Idec Sport", was in etwa 300 Seemeilen entspricht. Für den Abschnitt von Ouessant zum Kap Agulhas hatte "Spindrift 2" 12 Tage, 14 Stunden und 58 Minuten benötigt.

"Wir mussten einen langen Umweg in Kauf nehmen, um das St.-Helena-Hoch zu umfahren", sagte Skipper Guichard. "Wir mussten bis weiter als 40 Grad Süd gehen, bevor wir links abbiegen konnten. Das war ziemlich extrem, aber es gab keinen anderen Weg zur Abkürzung: Wir mussten einfach lächeln und es ertragen, insbesondere vor dem Hintergrund, dass wir es mit Kreuzseen zu tun hatten, in denen es nicht einfach war zu navigieren." Die optimistische Zwischenbilanz des Franzosen: "Wir halten uns an die selbst gesteckten Ziele."

Die bis zu diesem Punkt gesegelte Zeit ist die drittbeste in der Geschichte der Jules Verne Trophy, die 1993 begonnen hatte. Mit diesem guten Gefühl ist das Team auf "Spindrift 2" nun in den Indischen Ozean eingetaucht. Die aktuellen Wetterprognosen versprechen für die nähere Zukunft gute Rekordbedingungen. Die Crew rechnet für die kommenden Tage mit durchschnittlichen Bootsgeschwindigkeiten von rund 35 Knoten auf Kurs Kerguelen im südlichen Indischen Ozean.

Entsprechend positiver Stimmung war Guichard: "Die Sonne ist schon seit ein paar Stunden draußen, und wir wissen tatsächlich, dass wir im Indischen Ozean sind! Wir werden bald die 50 Grad Süd erreichen. Das Wetter ist grau, und die Wassertemperatur beträgt zwei Grad. Doch mit einem Albatros an unserer Seite ist es ganz wunderbar! Die Bedingungen sprechen für uns, sie werden uns helfen, die Kerguelen schnell zu erreichen. Wir werden sie nördlich liegen lassen, während wir ohne Zweifel bis auf 53 bis 54 Grad Süd runtergehen. Allerdings werden wir dabei ab Mittwoch auch Eisberge vor uns haben. Wir müssen das Radar dauerhaft im Blick haben und mit Infrarot-Ferngläsern Ausschau halten. Es sieht ein bisschen angespannt aus." Die Mannschaft nimmt die Eisgefahr in Kauf, um den Kurs auf der südlichen Route abzukürzen. Denn sie weiß: Auf dem jetzt laufenden Abschnitt waren "Idec Sport"-Skipper Francis Joyon und seine Männer damals herausragend schnell. Dennoch hat die "Spindrift 2"-Crew Hoffnung, ihren Vorsprung auf dem Weg bis zum Südzipfel Tasmaniens halten zu können – dem "Hotspot" zwischen dem Indischen Ozean und dem Pazifik.

Hier geht es zum Live-Tracker der Rekordjagd.

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