Segeln paralympisch

Krögers kleines Kiel-Comeback

Kiel wird 2017 die Para-Weltmeisterschaft ausrichten. Der nach Rio zurückgetretene Heiko Kröger nutzt die Chance zu einem kleinen Comeback

Tatjana Pokorny am 06.12.2016
Heiko Kröger
JM Liot/DPPI/Hyères

Heiko Kröger segelt wieder auf Kurs Kiel

Wenige Wochen nach Kiels Comeback-Ankündigung für den Weltcup der Olympiasegler und dem Zuschlag zur Ausrichtung des Weltcup-Finales 2018 hat der Weltverband Kiel erneut in den Mittelpunkt einer Kampagne gestellt. Im Kampf um die Wiederaufnahme des Segelsports ins paralympische Programm soll die schleswig-holsteinische "Sailing City" die Para-Weltmeisterschaft 2017 ausrichten. Der nach den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro zurückgetretene 2.4mR-Steuermann Heiko Kröger wird diese Doppel-Chance – die Weltmeisterschaft findet im Rahmen der Kieler Woche statt – zum Comeback nutzen. Deutschlands Bester will sich die WM-Chance vor der eigenen Haustür nicht entgehen lassen.

Kieler Woche 2.4mR-Flotte

Die 2.4mR-Flotte ist regelmäßig vor Kiel im Einsatz

Bessere Bedingungen als in Kiel finden sich für Segler mit Handicap kaum irgendwo auf der Welt. Auch deswegen erscheint Kiel eine kluge Wahl als Austragungsort. Ziel der vereinten Anstrengungen des Welt-Seglerverbandes und der Kieler ist es, mit einer neuen Para-World-Sailing-Strategie für die Jahre 2017 bis 2020 das Internationale Paralympische Komitee (IPC) dazu zu bewegen, das paralympische Segeln ab 2024 wieder ins Programm aufzunehmen.

Kim Andersen, der erst im November zum neuen Präsident des Weltseglerverbandes gewählte Däne, sagte: "Die Para World Sailing Championships sind ein Vorzeige-Event für den Weltseglerverband, um dem IPC zu zeigen, welche Fortschritte wir gemacht haben, das Behindertensegeln zu entwickeln und zu verbessern. Viele positive Schritte wurden seit dem paralympischen Aus gegangen."

Präsidentenwahl World Sailing 2016

World Sailings neuer Präsident: Kim Andersen

Einer davon führt nun im kommenden Jahr zur WM ins Kieler Revier. Kiel habe, so Andersen, in der Vergangenheit eine Vielzahl hervorragender Segelevents veranstaltet. "Mit unserem gemeinsamen Einsatz und der Unterstützung unserer Partner möchten wir die größtmögliche Aufmerksamkeit für die Para World Sailing Championships erreichten", sagte der 59-jährige Däne, der selbst schon oft an der Kieler Woche teilgenommen hat und Kiel bereits eine Woche nach seiner Wahl erstmals als Präsident besucht hatte.

100.000 Euro hat der Weltsegler-Verband in die Hand genommen um den Aktiven die WM-Teilnahme zu ermöglichen. Zusätzlich soll der Transport-Partner GAC Pindar den Transport von Booten und Material zur Kieler Woche (17. - 25. Juni) und zum Sailing World Cup in Hyères (23. - 30. April) unterstützen. "Wir sind stolz und glücklich, dass wir 2017 die PWS Championships im Rahmen der Kieler Woche austragen können. Wir werden alles daran setzen, dass dies eine Werbung dafür ist, den Segelsport wieder in die Paralympischen Spiele aufzunehmen", sagte Kieler-Woche-Organisationsleiter Dirk Ramhorst. In Kiel segeln behinderte und nicht-behinderte Segler schon seit Jahren zusammen. Die Landeshauptstadt und das Land Schleswig-Holstein haben viel investiert, um das Olympiazentrum Kiel-Schilksee behinderten- und rollstuhlgerecht zu machen. Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer sagte: "Die Para World Sailing Championships werden deutlich zeigen, dass Segeln schnellstmöglich wieder Bestandteil der paralympischen Spiele werden muss."

Der paralympische Segelsport war aufgrund zu geringer internationaler Beteiligung nach dem letzten Auftritt in Rio de Janeiro für 2020 mit allen drei Disziplinen – 2.4mR, Skud und Sonar – aus dem Programm gestrichen worden und ringt nun mit neuen Disziplinen um die Wiederaufnahme für 2024. Das kleine Kielboot 2.4mR soll bleiben, hinzu kommen statt Skud und Sonar das Einhand-Kielboot Hansa 303 und der Mehrrümpfer Weta. Erreicht werden soll auf diesem Weg der Einsatz von mindestens 32 Nationen im paralympischen Segelsport.

Heiko Kröger

Heiko Krögers Stammklasse 2.4mR soll als paralympisches Boot bleiben, Skud und Sonar von Weta und Hansa 303 ersetzt werden

"Ohne Kieler Woche würde mir etwas fehlen", sagt Kröger, "und wenn die WM zur Kieler Woche ausgetragen wird, dann starte ich natürlich." Ob in den vorgeschlagenen neuen Klassen aber tatsächlich schon ein großer Auflauf kriert werden kann, bleibt abzuwarten. Nach dem paralympischen Aus hatten viele Länder ihre Förderung runtergefahren oder sogar eingestellt. Durch den angestrebten Klassenwechsel verlieren die bislang intensiv engagierten Nationen zwei Drittel ihrer ohnehin kleinen paralympischen Flotten, müssen in die neuen Klassen investieren. Die Zielsetzung ist also sehr ehrgeizig. Die Kieler Woche und die Para Weltmeisterschaft werden ein Indikator dafür sein, ob das alles in Verbindung mit den ausgelobten Fördergeldern schon im Sommer 2017 fruchten kann. 

Tatjana Pokorny am 06.12.2016

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