Paralympics

Kröger zum Abschied auf Medaillenjagd

World Sailing kämpft zwar ums Comeback der paralympischen Segler: Vorerst aber beginnt am 12. September die letzte Paralympics-Regatta

Tatjana Pokorny am 28.08.2016
Paralympics 2016

2.4mR-Steuermann und Medaillenjäger Heiko Kröger (M.) mit Coach Bernd Zirkelbach (l.) und Co-Trainer Oliver Freiheit

Seine Bilanz ist imposant: Bei bislang vier paralympischen Einsätzen hat Heiko Kröger 2000 in Sydney Gold gewonnen, war in Athen und China jeweils auf Platz vier gesegelt und hat vor vier Jahren in Weymouth Silber geholt. Seine Karriere möchte der in Waldbröl geborene Steuermann in Rio mit einer letzten Olympia-Medaille krönen. Der 50-jährige 2.4mR-Segler und neunmalige Weltmeister zählt auch im fünften paralympischen Anlauf zu den Medaillen-Favoriten. Der Vater von fünf Kindern, der ohne linken Unterarm geboren wurde, sagt: "Ich weiß, wie es ist, Medaillen zu gewinnen. Und ich weiß, wie es ist, Medaillen zu verlieren. Ich will in Rio alles geben. Ich weiß, was ich kann. Wenn ich das abrufen kann, weiß ich, dass ich vorn sein kann."

Heiko Kröger

Seit mehr als eineinhalb Jahrzehnten Leistungsgarant im deutschen Segelsport: Heiko Kröger

Heiko Kröger liegt das komplizierte Rio-Revier. Die Paralympics-Segler werden zwei der sieben Olympia-Kurse nutzen. Darunter auch den besonders launischen und anspruchsvoll zu meisternden Medaillenkurs unter dem Zuckerhut. "Ich finde das Revier seglerisch super cool", sagt Kröger, "die Kulisse ist sehr hübsch. Interessant wird es, wenn der Wind zu pendeln beginnt. Ich habe diese Art des Segelns mit der Muttermilch aufgesogen. Ich bin auf dem Biggesee groß geworden. Da sind auch lauter Hügel drum herum..." In Rio nimmt der Zuckerhut massiv Einfluss auf die vorherrschenden Winde. "Da weiß man halt, dass Bootsgeschwindigkeit nicht das einzige wichtige Kriterium ist. Man muss konsequent mit den Drehern arbeiten, die Schläge im richtigen Moment setzen und wach bleiben."

Für den in Ammersbek lebenden Athleten markieren die Paralympics in Rio de Janeiro den Abschied von einer erfolgreichen Leistungssportkarriere. Einmal noch will er zuschlagen. Für die Paralympics 2020 wurde der Segelsport aus dem Programm gestrichen. Zwar kämpft der Welt-Seglerverband World Sailing um die Wiederaufnahme, doch die käme selbst im Erfolgsfall für Kröger voraussichtlich zu spät, dessen Zielsetzung für Rio ein Szenario nicht beinhaltet: "Nein, nochmal Vierter will ich nicht werden!" Der erste seiner beiden vierten Paralympics-Platzierungen 2004 sei mit Blick auf eine damals schwierige Vorbereitungszeit akzeptabel gewesen. Den zweiten vierten Platz 2008 habe er länger mit sich herumgetragen und erst abhaken können, als Jochen Schümann ihm bei einer Begegnung dazu und zur gelungenen Leistung gratuliert habe, weil er einfach gut gesegelt sei.

Paralympics 2016

Deutschlands Paralympics-Segler beim Fotoshooting in Kiel

Das will Heiko Kröger jetzt noch einmal tun. Die schärfsten Medaillen-Konkurrenten des für den Norddeutschen Regatta Verein startenden Titelsammlers sind der Franzose Damien Seguin, der Australier Matt Bugg, der Norweger Björnar Erikstad, der Amerikaner Dee Smith und die Britin Helena Lucas. Die paralympische Segel-Regatta beginnt am 12. September. Die Medaillen-Entscheidungen fallen spätestens am 17. September. Doppelt gewertete Medaillen-Finalrennen wie bei den Olympischen Spielen gibt es bei den Paralympics nicht. Hier wird Edelmetall im klassischen Regatta-Modus vergeben. Für die 2.4mR-Flotte geht es am 12. September direkt auf dem Zuckerhut-Kurs zur Sache. Gleichzeitig starten auch die Zwei-Personen-Boote vom Typ Skud und die Dreimann-Kielboote vom Typ Sonar in die Regatta.

Paralympics 2016

Das deutsche Sonar-Team mit Siegmund Mainka (Yachtclub Berlin-Grünau), Jens Kroker (Norddeutscher Regatta Verein / Yachtclub Berlin-Grünau), Trainer Christian Bittner und Steuermann Lasse Klötzing vom Potsdamer Yacht Club (v.l.n.r.)

Deutschland ist mit dem Berliner Steuermann Lasse Klötzing (Potsdamer Yacht Club) und seinen Vorschotern Jens Kroker und Siggi Mainka im Sonar vertreten. Die erst vor wenigen Monaten neu formierte Crew hat intensiv trainiert. Zuvor hatte Jens Kroker als Steuermann mit Siggi Mainka und Robert Prem bei den Paralympics 2008 schon einmal Gold und 2000 sowie 2012 Silber gewonnen. "Wir wollen wieder eine Medaille holen. Wir versuchen natürlich, Gold zu gewinnen, aber auch Silber und Bronze würden herzlich begrüßt werden", umreißt Mainka die ehrgeizige Zielsetzung des Sonar-Trios. Für Jens Kroker sind die Paralympics wie ein Heimspiel: "Ich habe fünf Jahre in Brasilien gelebt und freue mich, zu meinem zweiten Zuhause zurückzukehren."

Sonar-Team von Jens Kroker

Mit der Sonar auf Kurs Paralympics: Hier noch mit Jens Kroker am Steuer, das inzwischen Lasse Klötzig aus Berlin übernommen hat

Tatjana Pokorny am 28.08.2016

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