Open 60

Kostenbremse für Vendée-Globe-Boote

Die Klassenvereinigung Imoca beschließt für die Zukunft One-Design-Masten und Kiele, um die Ausfälle zu minimieren und Kosten zu senken

Andreas Fritsch am 23.04.2013
"Banque Populaire" hat die Führung übernommen

Künftig ein Stück mehr One-Design: Open 60

Es war ein langes, zähes Ringen: Seit fast zwei Jahren beschäftigen sich die Mitglieder der Klassenvereinigung mit der schwierigen Frage, ob die Open 60 in Zukunft One-Design-Boote sein sollen oder nicht. Ganz deutlich war zu spüren, dass sich die Skipper damit sehr schwer tun. Für viele, gerade aus dem französischen Lager, ist die Open-60-Klasse auch deshalb so spannend, weil sie eine Innovations- und Ideenschmiede ist. Hier wird ausgelotet, was technisch möglich ist, viele Skipper haben sogar einen Ingenieurshintergrund und lieben die Boote für ihre Komplexität.  

Doch zwei Dinge übten immer mehr Druck auf die Klasse aus: Seit Jahren explodieren die Kosten für ein siegfähiges Boot, und die Logistik um die immer ausgefeilteren Designs wird fortwährend komplexer. Rund 3 bis 3,5 Millionen Euro kostet zurzeit ein siegfähiges Boot. Doch Kiele, die nur eine Weltumsegelung halten, filigrane Riggs, die bei fast jedem Boot bis zur Rennreife einmal herunterkommen – das zehrt am Kapital.

Der zweite Grund sind die noch immer relativ vielen Ausfälle wegen Mastbruchs und Kielproblemen. Bei der letzten Vendée verloren oder gab es auf vier Booten Kielschäden ("Safran", "Maitre Coq", "Paprec Virbac", "Acciona"), auf "Saveol" kam der Mast von oben. Die vielen Ausfälle sind abschreckend für Sponsoren und machen das Rennen oft genug weniger spannend, obwohl gerade die letzte Vendée mit dem packenden Zweikampf zwischen François Gabart und Armel Le Cléac’h in die Geschichtsbücher einging.

Jörg Riechers

Jörg Riechers

Was sagt Deutschlands einziger Open-60-Skipper Jörg Riechers zu der neuen Regelung? Wir erwischten ihn kurz vor Testfahrten mit seiner "Mare" in Frankreich gegen "Safran" und andere der Top-Boote. "Ich finde die Regelung super, so werden die Kosten reduziert, und die alten Boote bleiben konkurrenzfähig. Wir müssen nichts ändern. Zwar hatte 'Maitre Coq' einen Kielschaden bei der Vendée, aber das war ein eindeutiger Produktionsfehler eines Teils der Hydraulik, der nun behoben ist. Ansonsten haben wir das Glück, dass der Kiel sogar den neuen Anforderungen entspricht."

Die Regeln schreiben eine aus einem Stück geschmiedete und dann gefräste Kielfinne vor; Kohlefaser oder noch teurere Titan-Lösungen wie auf "Safran" sind damit verboten.

Zu Details von Rigg und Kiel hat die Imoca bislang wenig weitere Details veröffentlicht, Jörg Riechers wusste aber schon mehr: "Es wird zwei Rigg-Varianten geben, sowohl für Boote mit Flüggelrigg und Outriggern als auch eine Standard-Drei-Salings-Variante. Im Prinzip bleibt da aber viel Freiheit, es sind nur die Mastlänge und das Center of Gravity festgelegt. Bestimmte sehr teure Kohlefaser-Laminate werden auch verboten werden, um Kosten zu sparen."

Ob die Kostenbremse funktioniert, bleibt abzuwarten, zurzeit hat der Sponsorenmangel die Szene noch fest im Griff. Laut Riechers wird zurzeit überhaupt nur an drei neuen Booten entwickelt und gebaut, einer weiteren "Safran" für Marc Guillemot, einem Boot für den Spanier Iker Martinez und einem noch unbekannten weiteren Projekt. 

Andreas Fritsch am 23.04.2013

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