Youth America's Cup

Kein Happy End für All in Racing

Der erste Youth America's Cup ist Geschichte. Das deutsche Team hat seine Zielsetzung mit Platz neun klar verfehlt, ist aber dennoch stolz

Tatjana Pokorny am 05.09.2013
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Gegen die starken Neuseeländer keine Chance: All in Racing im Red Bull Youth America's Cup

So ein Ende hatte diese gelungene Regatta nicht verdient: Nach vier Tagen mit sieben spektakulären und spannenden Wettfahrten der zehn Nachwuchs-Teams aus acht Ländern musste am Mittwochabend ausgerechnet das doppelt gewertete Finalrennen im Red Bull Youth America's Cup und damit auch die letzte Chance auf ein deutsches Comeback abgesagt werden.

Der Wind hatte das zulässige Limit von 18.6 Knoten am Mittwoch knapp überschritten und machte allen Teilnehmern einen Strich durch die schöne Rechnung. Sogar die neuseeländischen Spitzenreiter, denen der Regattaabbruch den ungefährdeten Sieg sicherte, hätten lieber noch eine Wettfahrt auf den schneidigen AC45-Katamaranen absolviert als in den Hafen zurückzusegeln. Doch das strenge Reglement ließ der Wettfahrtleitung keinen Ermessensspielraum. So gab es einen Doppel-Triumph für die Kiwis – schon das Oracle für das 34. Duell um den America's Cup?

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Hatten oft die Bugspitze vorn: Australier und Neuseeländer

Mit Platz neun hat das deutsche Team All in Racing mit Skipper Philipp Buhl und Steuermann Erik Heil die eigene sportliche Zielsetzung klar verfehlt. "Ein bisschen enttäuscht sind wir heute", räumte Buhl nach dem letzten Rennen ein, "wir sind aber auch stolz auf das, was wir hier geschafft haben!" Seiner Mannschaft habe "ein bisschen das Selbstbewusstsein und auch Glück gefehlt".

Über eine erste Bilanz der Kampagne sprach YACHT online im Interview mit dem Berliner Steuermann Erik Heil.

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Enge Situationen wie diese gab es häufig in den Wettfahrten in der Bucht von San Francisco

EIn Happy End war das heute nicht ...

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Steuermann für All in Racing: DSV- und STG-Hoffnungsträger Erik Heil aus Berlin

Erik Heil: Nein, das war kein Happy End! Das ist völlig richtig. Wir haben wieder einmal den Start verpatzt, waren da vielleicht ein bisschen zu aggressiv mit unserer geplanten Startvariante, die wir im 49er den "Iker Martinez" nennen. (Red.: Iker Martinez ist 49er-Olympiasieger und bekannt für diese Art von Durchbruch-Starts). Wir wollten mit ordentlich Speed hinten reinstoßen und dann das Rennen von vorn machen, aber die anderen sind alle ziemlich gut positioniert gewesen. Wir wollten sie unbedingt austricksen. Aber: Die haben sich nicht austricksen lassen! Die haben super an der Linie gestanden.Trotz des starken Stroms. So mussten wir dann aus der zweiten Reihe starten, was natürlich alles andere als geil war.

Haben Sie schon eine erste sportliche Bilanz Ihrer Kampagne gezogen?

Erik Heil: Viel Zeit hatten wir dafür noch nicht. Ich denke, wir haben hier enorm viel gelernt. Wir haben gelernt, wie wir im Team miteinander umgehen. Wir haben gelernt, wie wir ein Team strukturieren. Wie man gemeinsam arbeitet. Wir haben unseren Horizont in Richtung interdisziplinärem Segeln erweitert. Der AC45 verlangt viel Gefühl fürs Boot, Power und perfektes Teamwork. Aus rein sportlicher Sicht hätten wir in den letzten Wochen nirgends mehr machen können. Extrem wichtig ist uns der Dank an unsere Förderer und Fans! Das Engagement der Spender hat uns stark getragen und beflügelt. Es war einmalig im deutschen Segelsport, und wir werden das nie vergessen.

Ihre wichtigste Erkenntnis?

Erik Heil: Vor allem haben wir die Erkenntnis gewonnen, dass ein Trainer doch sehr viel bringen kann und uns viele Aufgaben hätte erleichtern können. Wir wissen nun, dass wir in Sachen Professionalität und Aufstellung des Teams noch viel Potenzial nach oben haben. Damit ist nicht die Mannschaftsaufstellung gemeint, sondern die Gesamtaufstellung als Team in einer solchen Kampagne. Man braucht mehr Ruhe, um ein objektiveres Auge auf alle Abläufe werfen zu können. Ich habe vorher unterschätzt, wie wertvoll die Trainerposition eigentlich ist. Da müsste ich vielleicht meinem Trainer doch mal einen Blumenstrauss mitbringen, wenn er wieder einen guten Job macht.

Hatten Sie in San Francisco auch Kontakt zu den Cup-Größen? 

Erik Heil: Uns hat Luna Rossas Steuermann Chris Draper in vielen Bereichen weitergeholfen. Er hat uns sogar mal abends getroffen, um mit uns alle offenen Fragen durchzugehen. Da hatten wir ziemlichen Bedarf. Wenn ich mir überlege, was da alles offen war ... Wir haben wohl dreieinhalb Stunden mit ihm zusammengesessen und ihn gelöchert. Er war ein Teilersatz für unsere fehlende Trainerposition. Er war die einzige Cup-Größe aus diesem Cup-Zyklus, mit der wir zu tun hatten. Dean Barker oder Jimmy Spithill waren nicht viel zu sehen, denn die bereiten sich natürlich auf ihre ganze Geschichte vor.

Haben Sie nun Appetit auf eine Profikarriere bekommen?

Erik Heil: Früher habe ich nicht so sehr darüber nachgedacht, ob ich mal zum America’s Cup möchte, ob ich grundsätzlich ins Profigeschäft möchte. Aber es ist auf jeden Fall interessanter geworden, weil diese Katamarane ins Spiel gekommen sind. Das Ganze ist deutlich sportlicher und jünger geworden. Ich habe darüber mal mit Buhli gesprochen. Ich denke, wir beide sind schon daran interessiert, an so einer Geschichte teilzuhaben. Wir haben einen guten Einblick in den Segelprofisport bekommen. Es war schon etwas anderes als das, was wir im olympischen Bereich machen. Rein vom Medieninteresse her und dem ganzen Drumherum. Was auf dem Wasser passiert, da sind wir in unserem olympischen Bereich unglaublich professionell. Aber das Drumherum ist hier deutlich etwas anderes. Damit muss man lernen umzugehen. Mittelfristig ist die Profikarriere für uns erstrebenswert: Man kann sich das ab 2016 mal überlegen und bis dahin vielleicht hin und wieder an kleineren Events teilnehmen, wenn dieser Cup so bestehen bleibt. Ich glaube, wenn Neuseeland den Cup gewinnt, was gerade ein bisschen so aussieht, dann geht es vielleicht mehr Richtung Monohull und dann schwindet auch unser Interesse an der Geschichte wieder. Wenn es bei diesem spektakulären, interessanten und sportlichen Format bleibt, dann werden wir mittelfristig Interesse daran haben.

Wie denken Sie über die Betrugsaffäre und das harte Strafmaß gegen Cup-Verteidiger Oracle Team USA?

Erik Heil: Wir kriegen das hier gar nicht so mit wie ihr. Bei uns war das nicht so ein großes Thema, weil wir natürlich mit unserer Regatta zu tun hatten. Ehrlich gesagt: Ich weiß auch gar nicht, wie da genau geschummelt wurde. Ob es eine Grauzone war ... Die, die das wissen, haben sich da genügend Gedanken gemacht und die richtigen Entscheidungen getroffen. Auf jeden Fall glauben wir: Wenn da getrickst wurde, dann sicher nicht unbewusst, sondern bewusst und gezielt. Dann ist ein Einschreiten sicher auch gerechtfertigt. Es ist natürlich schade, weil Neuseeland sich schon als kleinen Favoriten auserkoren hat und jetzt noch einmal zwei Rennen Vorsprung bekommen hat.

Was sind Ihre nächsten sportliche Ziele?

Erik Heil: Philipp und ich haben beide noch unsere WMs vor Augen. Ich bin im September im 49er vor Marseille am Start, Buhli im November im Laser im Oman. Das Hauptziel ist klar definiert: Wir wollen dort eine unglaubliche Performance an den Tag legen. Mit den neuen Eindrücken von hier ist das bestimmt möglich.

Wann fliegen Sie heim?

Erik Heil: Ich morgen oder übermorgen. Von dort fahren mein Vorschoter Thomas Plößel und ich schnellstmöglich nach Marseille, um an einer Vorbereitungsregatta für die WM teilzunehmen. Dort segeln wir bis zum 14. September. Dann haben wir zwei, drei Tage etwas Ruhe. Danach starten wir in die direkte WM-Vorbereitung. Und dann geht es da ordentlich zur Sache! Buhli ist noch bis zum 9. September hier in San Francisco und kommentiert vielleicht für Servus TV die ersten Rennen im America’s Cup. Da ist er dann noch einmal zu hören …

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Good bye, Red Bull Youth America's Cup!

Tatjana Pokorny am 05.09.2013

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