Klassiker

Kampf der klassischen Meter-Yachten

Auf der Rolex Baltic Week vor Flensburg kämpfen vom 29. Juni bis 3. Juli Sechser, Achter und Zwölfer um Weltmeistertitel und Silberpokale

Lasse Johannsen am 04.06.2011
12er auf der Bahn

Zwölfer auf der Bahn

Die Meter-Yachten treffen sich bei der achten Rolex Baltic Week, wo neben den Zwölfern nun auch die Achter zur WM bitten. Der gastgebende Flensburger Segel-Club (FSC) veranstaltet die Wettfahrten in Kooperation mit dem Kieler Yacht-Club (KYC), zu denen auch die Rennen um den Robbe & Berking 6mR Sterling Cup gehören. 

Bereits im Vorfeld zeichnet sich eine starke Beteiligung ab. Gleich unter den ersten Meldungen waren so prominente Köpfe der Szene wie das norwegische Staatsoberhaupt Harald V., der am Ruder seiner 8-mR-Yacht „Sira“ dabei sein wird. Das lässt eine gewisse Sogwirkung erwarten. Die 12-mR-Eigner haben schon einmal, nämlich 2008, ihre WM vor Glücksburg veranstaltet, nachdem die 8-mR-Elite bereits 2005 ihre europäischen Meisterschaften dort ausgesegelt hatten. 

Als Favoritin der Zwölfer gilt auch in diesem Jahr die „Nyala“ von 1938 unter der amerikanischen Segelnummer US-12, die bereits 2008 den Bug vorn hatte. Der italienische Eigner Patrizio Bertelli lässt seinen Zwölfer meist von einer im America’s Cup erprobten Proficrew segeln. Damals siegte der Modezar vor der nur ein Jahr jüngeren „Trivia“ des Hamburgers Wilfried Beeck. 

Ein weiterer interner Zweikampf wird zwischen der „Heti“ aus Hamburg und der „Erna Signe“ aus Sandefjord in Norwegen erwartet. Beide Schiffe gehören der Division „Antique“ an, stammen also aus den Gründerzeiten der Meter-Klassen. Die betagte Norwegerin feiert im kommenden Jahr ihren 100. Geburtstag. Der „Erne Signe“ steht die „Heti“ kaum nach. Ihre dann 99 Jahre sind allerdings nur an Riss und Segelplan mit Gaffelrigg zu erkennen. Denn das Schiff wurde durch den Verein „Stiftung Hamburg Maritim“ über das Projekt „Jugend in Arbeit“ in jahrelanger Arbeit restauriert und vor wenigen Jahren mit dem historischen Rigg wie neu wieder in Fahrt gebracht.

Gegen weitere Bewerber aus Frankreich und Italien hat sich die Flensburger Veranstaltung dank ihres Charmes bei den Verantwortlichen der International Eight Metre Association (IEMA) durchgesetzt. „Die Klassenvereinigung der Achter hat das Angebot sehr gern angenommen, die WM beim FSC auszutragen. Von den guten Erfahrungen 2005 und dem Euro Cup während der Rolex Baltic Week 2010 ist die Klasse sehr angetan“, sagt Andreas Lochbrunner vom Lindauer Segler-Club, der die Flotte der Achter 2006 zur Weltmeisterschaft am Bodensee empfangen hatte. Er lobt auch die reibungslose Zusammenarbeit der beiden veranstaltenden Vereine FSC und KYC.

Der umtriebige Eigner des Achters „Elfe“ geht davon aus, dass ein großes Feld von mindestens 15 Booten in der Flensburger Förde an den Start gehen wird. „Lediglich die Tatsache, dass die Zwölfer zeitgleich ihre WM segeln, erschwert die Teilnahme für einige Eigner, die in beiden Klassen aktiv sind. Wir werden uns daher bemühen, Chartern zu organisieren“, verspricht Lochbrunner. Es selbst will mit seiner außergewöhnlichen Yacht auf jeden Fall dabei sein. Der schmucke Abeking&Rasmussen-Bau ist der einzige Zweimast-Achter. Die Ketsch ist zudem mit einem seltenen Spreizgaffelrigg ausgestattet.

Die „Elfe“ wird wohl erneut in einem vereinsinternen Duell des Lindauer SC auf die „Sposa“ von Richard Gervé treffen. Die mit einem Gaffelrigg getakelte Yacht wurde wie die „Elfe“ 1912 gebaut und gehört damit zur Division First Rule (Baujahre 1907 bis 1919). Nach der Rolex Baltic Week 2010 war die „Sposa“ gleich im Norden geblieben und kann damit 2011 ohne Landtransport an den Start gehen. Andreas Lochbrunner hofft, dass weitere Yachten der First-Rule-Division dabei sein werden. Das könnte unter anderem die von William Fife III konstruierte, 1910 fertiggestellte und inzwischen wieder toprenovierte „Lucky Girl“ von Siegfried Buss sein, die zwar unter britischer Flagge segelt, aber am Bodensee liegt. Oder auch die im kommenden Jahr ihren 100. Geburtstag feiernde „Edit“ von Wilhelm Wagner aus Bodman, die 1911 nach einer Konstruktion von Alfred Mylne ebenfalls in Finnland für die Olympischen Spiele gebaut wurde, die im Jahr darauf in der schwedischen Hauptstadt Stockholm stattfanden.

Die größte Division aber werden die „Classic“-Achter (Baujahre 1920 bis 1966) stellen. „Die Skandinavier werden sicherlich mit mehreren Schiffen dabei sein. Allein in Finnland gibt es viele klassische Achter“, sagt Lochbrunner. Naturgemäß sollten die „Modern“-Achter (Baujahre 1967 bis heute) am schnellsten auf der Regattabahn unterwegs sein. Drei bis vier moderne Schiffe dieser klassisch-schönen Risse dürften sich in einem Feld mit ihren historischen Vorgängern messen. Zu den Favoriten zählt dabei die Schweizer „YQuem II“ von Jean Fabre, die im Sommer 2010 beim Euro Cup der Achter während der Rolex Baltic Week in Kiel triumphierte. Zur größten Konkurrentin dürfte die 1995 gebaute „Aluette“ von Iris Metten (ebenfalls Schweiz) werden, die sich 2010 vor Toronto bereits zum dritten Mal den WM-Titel sicherte – vorausgesetzt, die Yacht wird aus Nordamerika zurück nach Europa überführt.

Rund 20 Achter könnten vor Glücksburg an die Startlinie gehen. Sie werden in Sichtweite zum Ufer auf Up-and-down-Kursen segeln. Die Rennen der ORC-Weltmeisterschaft im September 2010 haben gezeigt, dass das idyllische Revier der inneren Förde zwischen Deutschland und Dänemark dafür bestens geeignet ist. Je neun Wettfahrten sind für die Robbe&Berking 12-mR- und die 8-mR-Weltmeisterschaften geplant, die am 29. Juni beginnen. Ein Ereignis, auf das sich auch der oberste Wettfahrtleiter des FSC, Claus-Otto Hansen, jetzt schon freut: „Die Rolex Baltic Week 2011 wird ein herausragender Event, der dafür sorgen wird, dass sich der gute Ruf der Flensburger Förde als Meisterschaftsrevier weiter etablieren wird.“

Die Regatten werden vom Dienstag, den 28. Juni, bis Sonnabend, 2. Juli jeweils ab 12 Uhr gestartet, bei Bedarf werden am Sonntag ab 11 Uhr weitere Wettfahrten durchgeführt. Die Siegerehrung erfolgt am Sonntag um 16 Uhr im Flensburger Segel Club. 

Lasse Johannsen am 04.06.2011

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