Route du Rhum

Jourdain holt den Doppelsieg

Der Franzose gewinnt zum zweiten Mal hintereinander die Wertung der Open-60-Klasse. Jörg Riechers kämpft sich auf Podiumsplatz zurück

Andreas Fritsch am 15.11.2010

Roland Jourdain im Ziel

"Manchmal fühlt man sich wie der Hulk!", sagte der überglückliche Roland Jourdain in Anspielung auf die mit Superkräften ausgestattete Comic-Figur nach dem Zieldurchgang mit seiner "Veolia Environnement". "Mit 45 Jahren hat man nicht mehr die physische Kraft wie ein 25-Jähriger, also muss du die Dinge anders angehen."

"Du musst in deinen Anstrengungen smarter sein. Was ich immer noch nicht verstehe, ist, warum mir manche Dinge im Rennen so gut gelingen, die im Training einfach nur schmerzhaft sind — manchmal fühlt man sich wie der Hulk!"

Genau diese smarten Entscheidungen waren der Grundstein für den Sieg des Franzosen. Einige Tage nach dem Start lag er noch sechs Meilen hinter den Führenden, doch dann wählte er kurz vor dem Erreichen der Nordostpassat-Zone die richtige Wetterstrategie, um einige Stunden vor den Mitstreitern die idealen, raumen Winde zu erreichen. So konnte er eine Führung von etwa 40 bis 50 Meilen herausfahren, die er bis ins Ziel geschickt verteidigte. Besonders das nervenaufreibende Finale mit tagelanger Flaute und vielen Winddrehern waren letztlich ziemlich stressig.

"Ich will nicht sagen, dass es leicht war, aber alles lief sehr gut in der Balance. Irgendwie umgab mich von Anfang an eine Siegesaura!", so Jourdain.

Der Stand in der Class 40 heute Morgen

Im Laufe des Sonntagabends und Montagmorgens gingen dann Armel le Cleac'h ("Britair"), Marc Guillemot ("Safran") und Jean-Pierre Dick ("Virbac-Paprec 3") über die Linie.

Noch einmal richtig spannend wird der Schlusssprint für die beiden deutschen Teilnehmer Jörg Riechers ("Mare.de") und Axel Strauss ("Tzu Hang") in der Class 40. Riechers hat sich durch eisernen Fight auf Platz drei zurück gearbeitet und segelt nun mit guten Aussichten auf einen Podiumsplatz die letzten rund 680 Meilen ins Ziel. Strauss liegt auf einem guten 12. Platz und hat noch rund 900 Meilen ins Ziel.

Riechers mailte gestern von Bord: "Die ewige Gretchenfrage an Bord lautet: Schlafen oder wach bleiben? Es ist ja so verlockend, sich hinzulegen, auszuruhen, zu träumen. Aber das heißt auch, nicht pushen können, Meilen auf die anderen zu verlieren. Meist siegt mein Ehrgeiz, und ich bleibe wach. Gestern aber ging es nicht anders, ich habe vier Stunden geschlafen. Und muss sagen, das war die beste Entscheidung überhaupt. Ich fühle mich wieder fit, vor allem geht es mir mental jetzt wesentlich besser als noch vor zwei Tagen. Schlaf ist ein absoluter Stimmungsaufheller. Meine Motivation ist — auf einer Skala von 1 bis 10 — eine glatte 11! Was auch super gut tut, sind die ‚Anfeuerungsrufe' auf meiner Mare-Seite. Danke an euch da draußen. Ihr seid klasse!"

Die Entwicklung an der Spitze interpretierte Axel Strauss so:
"Der Winddreher gestern hat wüste Spuren im Feld hinterflassen. Bei dem Pos um 1830 und 0230 war ein Riesendurcheinander, alle fuhren kreuz und quer. Ganz interessant ist, was sich an der Spitze abspielt: Thomas Ruyant, der Leader seit praktisch dem Start, kann dieses Rennen noch an Nicolas Troussel verlieren. Das wird ganz knapp werden. Und: Jörg Riechers ist sehr, sehr gut positioniert für einen Podiumsplatz. Das wäre ein schöner Erfolg für ihn, und ich drücke ihm die Daumen. Für mich werden in den kommenden Tagen die Stunden der Wahrheit kommen, denn ich muss dann wirklich bezahlen für meine idiotischen Spinnakerfehler. Der Wind soll leicht sein und raum... Üble Sache ...Warten wir’s ab. Bis jetzt kann ich meine Verfolger mit meinen Mitteln auf Distanz halten. Thierry/Comiris ist nicht wirklich herangekommen, und das wird ihn bestimmt ein bisschen nerven. Haha! Heute nachmittag werden es noch 1000 Meilen sein bis ins Ziel. Zeit für den Endspurt. Yes!!!"

Andreas Fritsch am 15.11.2010

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