Bordbuch der "Iskareen"

In die Nordsee

Skipper Arnt Bruhns berichtet von der "Iskareen"

am 06.07.2003

Arnt Bruhns vor Noup Head

05.07. Pos 59°03 N 1°03 E Mittags 404 sm nach Cuxhaven. Am Cape Wrath vorbei geht es Richtung Orkneys unter unserem schweren asysmetrischen Spi, das scheint unsere neue Standardbesegelung zu werden.

Nachmittags quetschen wir uns gerade noch so nördlich um Noup Head , die NW-Ecke der Orkney-Inseln herum, dabei steht ordentlich Strom gegen den frischen NW, es kracht teilweise ganz schön, wir können uns aber gerade unter Spi durchmogeln. Danach fallen wir ab und geben Gas in Richtung Skroo, unserem nördlichen Wendepunkt. Das Leuchtfeuer von Fair Isle ist der kleinen, "schönen" Insel nördlich vorgelagert. Wir können uns an der Schönheit nicht so recht begeistern, da es dunkel ist, als wir um 00.45 passieren und die Shetland Coastguard über UKW-Funk anrufen, um dies zu bestätigen.

Nun beginnt der Home Run, keine 500 Seemeilen mehr bis nach Cuxhaven und wir scheinen ganz guten Wind für dieses letzte Teilstück zu haben. Unter Spi, später auch Call Boy rauschen wir in die Nordsee, mittags kommt das Braer-Ölfeld in Sicht und wir fahren mitten durch die Bohrinseln, argwöhnisch von den Versorgerschiffen der Oilrigs beäugt. Immer wieder wird gerechnet, Hochwasserzeiten werden herausgesucht und mögliche Routen studiert - wann kommen wir wohl in Cuxhaven an?

Ein morgendliches Telefonat mit unserem Wetterrouter Prof.Dr. Stomakov bringt Klarheit in unser Strategie bis Cuxhaven. Immer vor dem Wind bleiben, rät Stomakov, dabei alle Nordseeinseln - Sylt, Amrum, Föhr rechterhand liegen lassen und ab durch die Watten, er kenne da einen Schleichweg. Auf unsere erstaunte Nachfrage, wie um Alles in der Welt wir hinter Sylt durchkommen sollten, da gäbe es ja noch einen Damm, stockt Stomakov kurz, fragt noch einmal nach und vertagt sich.

Drei Stunden später ruft er zurück, seine Karte sei in der Tat veraltet gewesen, was im Grunde an seiner Aussage aber nichts ändere, Sylt sei allemal einen Besuch wert - ob wir schon einmal im "Gogärtchen" oder "Pohny" gewesen seien? Er habe da zufällig nächste Woche einen Kongress, man könne sich ja treffen und eine kleine Ausfahrt unternehmen? Wir wollen es uns überlegen und segeln erst einmal weiter.

Währenddessen ist Shree Patel nicht mehr vom Computer wegzudenken, eine Programmzeile wächst an die nächste und füllt Bildschirme. Zwischendurch greift er immer wieder zu den Wettsegelstimmungen und dem Notice of Race. Auf unsere erstaunte Nachfrage, was das nun werde, erfahren wir, dass er gerade ein neues Spiel namens "Virtual North Atlantic Sailing Challenge" programmiert. Ein Strategiespiel, dessen Ziel darin besteht, eine kleine virtuelle Yacht auszurüsten, Crew anzuheuern, die richtigen Segel zu bestellen, einen Wetterrouter zu engagieren, die Yacht so zu verladen, dass sie heil in Newport ankommt und am Ende in einer Regatta von Newport, R.I. nach Cuxhaven zu Segeln.

Dabei passieren unterwegs allerlei Missgeschicke, Segel reißen, Ausrüstung oder Crew versagen oder man verliert gleich das ganze Schiff. Man kann dem Gegner gemeine Hoch- oder Tiefdruckgebiete in den Weg legen und ab und an durch Pressemitteilungen für allgemeine Verwirrung sorgen. Dabei gibt es einige übermächtige Gegner im Spiel: Riesenyachten mit unerschöpflichem Budget, die von professionellen Seglern bewegt werden und per se gleich das doppelte Geschwindigkeitspotential haben.

Den Siegern winken Ruhm und allerlei Pokale, diese sind jedoch hauptsächlich für große Teilnehmer vorgesehen und daher für kleinere Boote sehr schwer zu gewinnen. Wir klären Shree Patel darüber auf, dass dies kein Spiel, sondern blutiger Ernst ist und er sich einen neuen Job suchen kann. Hasso Plattner sucht bestimmt noch ein bis drei Systemadministratoren.

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