Rolex Weltsegler des Jahres

"Ich bin nur ein Mädchen aus Friesland"

Marit Bouwmeester und Peter Burling sind die Weltsegler des Jahres. Die Stars ihres Sports wurden bei der World-Sailing-Jahrestagung in Mexiko gekürt

Tatjana Pokorny am 08.11.2017
Olympische Spiele 2016
Sailing Energy / World Sailing

Weltseglerin des Jahres 2017: Olympiasiegerin Marit Bouwmeester aus den Niederlanden

Die Favoriten haben gewonnen: Marit Bouwmeester und Peter Burling sind die Weltsegler des Jahres 2017. Daran gab es schon im Vorwege mit Blick auf die fulminanten Leistungen der Laser-Radial-Olympiasiegerin aus Holland und des 49er-Olympiasiegers und America's-Cup-Gewinners kaum Zweifel. Gekürt werden konnte bei der Ehrung im mexikanischen Puerto Vallera allerdings nur die schöne Niederländerin, denn "Pistol Pete" Burling ist im Volvo Ocean Race gerade mit dem holländischen Team Brunel unterwegs auf Etappe 2. 

Rolex Weltsegler des Jahres 2017

Herausragend gut, ehrgeizig, schnell und schön: Marit Bouwmeester ist Rolex Weltseglerin des Jahres 2017

Bouwmeester ist nicht nur die beste Laser-Radial-Seglerin ihres Sports – sie ist auch als Comeback-Königin und große Kämpferin ein Vorbild: Nachdem sie 2012 vor Weymouth im Heimatrevier ihres ehemaligen Lebensgefährten Sir Ben Ainslie den packenden Kampf um Gold gegen die Chinesin Lijia X so knapp verloren hatte, entschied sie sich zu einer weiteren Olympia-Kampagne und gewann in Rio das ersehnte Gold. Anschließend hatte sie immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen, verpasste wichtige Regatten und konnte erst zur Weltmeisterschaft im Heimatrevier vor Medemblik in diesem Sommer wieder in den Leistungssport einsteigen. Das hielt sie allerdings nicht davon ab, ihren insgesamt dritten WM-Titel zu gewinnen. Danach errang sie auch die Europameisterschaft und hält damit bei ihrer Ehrung alle drei großen Titel ihrer Klasse: Olympia-Gold, WM-Gold und EM-Gold.

Marit Bouwmeester nach ihrer Ehrung im Interview

Hollands "Golden Girl" sagte in Mexiko: "Ich bin nur ein Mädchen aus Friesland. Aber ich hatte immer diesen großen Traum: Ich wollte nicht nur bei den Olympischen Spielen starten, sondern auch Gold gewinnen. Ich wollte die Beste sein. Als ich das sagte, haben die Leute mich ausgelacht. Ich war damals nicht einmal unter den Top 20... Aber wenn du liebst, was du tust und dafür hart und mit Hingabe arbeitest, dann werden Träume wahr. Deswegen habe ich diese Botschaft für alte und junge Leute: Folgt euren Träumen!" Sie selbst will das auch weiter tun und nimmt Kurs auf die nächste olympische Medaillenjagd 2020.

35. America's Cup

Peter Burling gewann die Wahl zum Rolex Weltsegler des Jahres zum zweiten Mal nach 2015, als er sich die Auszeichnung zu Recht mit seinem 49er-Vorschoter und America's-Cup-Mitstreiter Blair Tuke teilte. Aktuell treten die beiden "Best Buddies" im Volvo Ocean Race gegeneinander an: Burling segelt auf "Brunel", Tuke auf "Mapfre"

Peter Burling wurde in Abwesenheit geehrt. Der 26-jährige Überflieger aus Neuseeland hatte 2016 Olympia-Gold im 49er und in diesem Sommer vor Bermuda den America's Cup gewonnen. Cool, ruhig und unfassbar talentiert, hatte der junge Kiwi – auch mit der Last der Hoffnungen seiner gesamten Nation auf den Schultern – im America's Cup nicht gewackelt und die Trophäe mit dem Emirates Team New Zealand wieder nach Auckland geholt. Davon konnte ihn nicht einmal eine spektakuläre Kenterung abhalten. Burling, sein Wegbegleiter und Olympia-Vorschoter Blair Tuke und das ganze Team entrissen den Verteidigern und Top-Favoriten von Larry Ellisons Oracle Team USA die Silberkanne mit 7:1 und nahmen sie mit ins Land der langen weißen Wolke. 

Kieler Woche 2016

Auch im 49er eine Klasse für sich: Steuermann Peter Burling und Vorschoter Blair Tuke aus Neuseeland

35. America's Cup

An diesen etwas unscharfen, aber legendären Schnappschuss aus einer Pressekonferenz auf Bermuda erinnert man sich zu gern: Während Steuermann und Cup-Verteidiger Jimmy Spithill interviewt wird, marschiert Burling hinter ihm durchs Bild und formt seine Finger schon mal zum "V" für Victory. Burlings Emirates Team New Zealand gewann den Cup dann auch tatsächlich

Die ersten Rolex Weltsegler des Jahres waren mit der spanischen Olympia-Siegerin Theresa Zabell und dem später von Piraten im Amazonas ermordeten Sir Peter Balke und Robin Knox-Johnston 1994 gewählt worden. Als einziger deutscher Name ziert der von Jochen Schümann die prominente Liste der Preisträger. Der dreimalige Olympia-Sieger war 1996 in Folge seines letzten Olympia-Triumphes gewählt worden.

Neben den beiden aktuellen Superstars des Segelsports wurde in Mexiko auch der amerikanische Segler, Navigator und Vorreiter im Bereich der "Augmented Reality" mit der Beppe Croce Trophy für herausragendes Engagement im und für den Segelsport geehrt. Honey erhielt den Preis aus den Händen von World-Sailing-Präsident Kim Andersen für seine Bemühungen um die telegene Präsentation des Segelsports und seine Erfolge als Segler, der schon das Volvo Ocean Race gewonnen und als Navigator auf "Comanche" unzählige Rekorde aufgestellt hat.

Rolex Weltsegler des Jahres 2017

Ist einer der Väter der Entwicklung und Anwendung von "Augmented Reality" bei Übertragungen von Sportereignissen im Fernsehen und zählt zu den bekanntesten Navigatoren der internationalen Regatta-Szene: der US-Amerikaner Stan Honey

Tatjana Pokorny am 08.11.2017

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