Regatta-News

Hochseeklassiker startet am 26. Dezember

Rolex Sydney Hobart Yacht Race - von der Hafenmetropole Sydney in die tasmanische Inselhauptstadt Hobart

Lars Bolle am 21.12.2007

628 Seemeilen, mehr als 1.150 Kilometer, ist die Strecke lang. 82 Yachten wurden diesmal zur 63. Auflage des Hochseeklassikers gemeldet. Noch ist es zu früh, präzise Wetterprognosen abzugeben, aber das Rolex Sydney Hobart gilt traditionell eher als Schwerwetterrennen.

In der Bass Strait, der Wasserstraße zwischen dem australischen Festland und Tasmanien, entstehen dann häufig besonders hohe und steile Kreuzseen, unberechenbare Wellenberge, die in der Vergangenheit schon so manchen Mast und manchen noch so eisernen Willen der Crews gebrochen haben. 1998 kam es gar zur Tragödie: Sechs Segler ließen im schwersten Sturm der Geschichte des Rennens ihr Leben auf hoher See.

Seitdem sind die Sicherheitsbestimmungen und Meldevoraussetzungen verschärft worden. Doch an der Spitze des Teilnehmerfelds lassen die Eigner und Konstrukteure nichts unversucht, ihre Boote für den Höllenritt noch schneller zu machen. Mit der Obergrenze von 30 Metern Schiffslänge hielt die Generation der Super-Maxis Einzug. In den Rennziegen steckt High-tech von der Spitze ihrer Kohlefasermasten bis in die hydraulisch schwenkbaren Kiele. Ihre Eigner eint das Streben nach einer besonderen Ehre, der so genannten Line Honours, zu Deutsch als Erster im Ziel zu sein.

Zweimal nacheinander hatte das zuletzt der einheimische Bob Oatley mit seiner "Wild Oats XI" geschafft, 2005 sogar das Triple. Oatley siegte vor zwei Jahren auch nach berechneter Zeit in der Gesamtwertung aller Yachten und stellte mit einem Tag, 18 Stunden, 40 Minuten und zehn Sekunden einen neuen Streckenrekord auf. Mit seinem dritten Sieg in Folge würde er in die Sportgeschichtsbücher eingehen, denn das Kunststück gelang zuvor nur der "Morna" von Claude Lowden in den Rennen 1946, 47 und 48.

Im September dann drohte das Vorhaben schon zu scheitern, als beim Maxi Yacht Rolex Cup vor Porto Cervo/Sardinien auf der "Wild Oats XI" überraschend der Mast brach. Doch die Designer und Mastenbauer nutzten das Missgeschick zu einer Weiterentwicklung. Die neue "Palme" wurde rund 100 Kilogramm leichter, trotzdem steifer und bescherte Oat(ley)s wildem Geschoss außerdem eine um 15 Prozent vergrößerte Segelfläche am Wind. Doch Skipper Mark Richards weiß um die Stärke der Konkurrenz: "Der ,Leopard' hat noch mehr Segelfläche als wir und wird schwer zu schlagen sein."

Gemeint ist der Super-Maxi "Cityindex Leopard" von Mike Slade, der im Sommer bei rauen Bedingungen den Streckenrekord beim Rolex Fastnet Race in seiner Heimat Großbritannien um mehr als acht Stunden unterbot. Aber auch mit der "Skandia" von Sydney-Hobart-Veteran Grant Wharington (Australien) ist zu rechnen, der schon 19 Mal an dem Klassiker teilnahm und zuletzt 2003 "First Ship Home" (Erster im Ziel) war. Voriges Jahr musste er mit Materialbruch aufgeben, zu einem Zeitpunkt, als die "Skandia" nur drei Seemeilen hinter der "Wild Oats XI" im Rennen lag. Seitdem wurde auch das Schiff umgebaut, getunt sozusagen.

Nur den vierten Aspiranten im Bunde hat es schon auf der Überführung vom Heimathafen Auckland in Neuseeland nach Sydney zerrissen. Die ebenfalls 30 Meter lange "Maximus" von Bill Buckley, bei der im Rolex Sydney Hobart Race 2006 der drehbare Mast gebrochen war, meldete schwere strukturelle Schäden im Bereich der Kielaufhängung und musste ihre Meldung wieder zurückziehen. "Die ,Maximus' wäre eine gefährliche Waffe gewesen", meinte Richards. Für das verbliebene Trio werde es ganz auf die herrschenden Bedingungen ankommen, so unterschiedlich seien die Bootkonzepte.

Wetter- und Windwechsel im Rennverlauf entscheiden zumeist auch über die Vergabe des Tattersall's Cup für den Gesamtsieg, bei dem die kleineren Boote durch ihren Handicap-Faktor nach IRC-Formel eine faire Chance haben, mit dem die gesegelte Zeit am Ende multipliziert wird. Voriges Jahr siegte mit der S&S 47 "Love & War" von Lindsay May eine Yacht, die nur halb so groß wie die Top-Favoriten ist. Dieses Mal rechnen die Experten vor allem mit der US-amerikanischen TP65 "Rosebud" von Roger Sturgeon, eine ausgefeilte Konstruktion, die gemessen an ihrem Rennwert am oberen Limit gesegelt wird. (Ende)

Während des Rennens wird es aktuelle Positionsberichte (alle 10 Minuten) auf der Eventwebsite (s.u.) geben.

Lars Bolle am 21.12.2007

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