Round Britain

Hochsee-Rennen der Rekorde

Nach dem knappen Rekord des MOD-70-Tris "Musandam – Oman Sail" pulverisierten zwei Volvo 65 die Einrumpf-Bestmarken rund England

Jochen Rieker am 16.08.2014
Ian Walkers Abu Dhabi Racing siegt in der Volvo-Wertung und holt neuen Rekord

Ian Walkers Abu Dhabi Racing siegt in der Volvo-Wertung und holt neuen Rekord 

Der hart erkämpfte Sieg der "Azzam" von Abu Dhabi Racing gestern Abend brachte den zweiten Rekord beim Sevenstar Round Britain & Ireland Race 2014 – und den Beweis für das Potenzial sowohl der neuen One-Design-Klasse VO 65 als auch des von vornherein favorisierten Teams um Ian Walker. 

Die Zeit: 4 Tage,13 Stunden, 10 Minuten, 28 Sekunden – eine Verbesserung der bisherigen Bestmarke um mehr als einen Tag. Der alte Rekord stammt von 2010, aufgestellt von "Groupama" auf der Vorgänger-Version der Volvo-Racer, einem VO 70. Dass er geradezu zerschmettert wurde, liegt aber nicht nur an der Konstruktion, sondern auch am außergewöhnlichen Wetter, das für die schnellen Boote praktisch auf der gesamten Strecke für rasante Reaching-Kurse sorgte – bessere Bedingungen sind kaum vorstellbar, weshalb die Zeit von Ian Walker zumindest für den Regatta-Rekord wohl lange Bestand haben wird. 

Das Finish allerdings entwickelte sich zu einem Nervenkitzel. Als sie Lizard Point passiert hatte, verließ die "Azzam" der bis dahin starke Wind, bis kurz vor der Isle of Wight nur mehr ein Hauch übrigblieb. Für das zweitplatzierte Team "Campos" mit Skipper Iker Martinez, die von achtern kommend ihren Rückstand kontinuierlich aufholen konnten, eröffnete sich so eine Chance auf den letzten Meilen. Während Ian Walker bei St. Catherine's Point die Innenbahn wählte und nahe an der Isle of Wight segelte, blieb Martinez in der Hoffnung auf mehr Wind weiter draußen – mit Erfolg. 

Sie kamen mehr und mehr auf. Und als dann noch die Tide gegen "Azzam" kenterte, die einen Moment nahezu bekalmt dalag, musste das Team von Abu Dhabi Racing ernsthaft bangen. Der Schrecken währte allerdings nur kurz. Der führende VO 65 fand dann doch noch eine Brise und passierte kurz darauf die Ziellinie.  

"Die letzten zwölf Stunden war furchtbar", sagte Ian Walker zufrieden, aber doch mitgenommen. "Trotzdem haben wir den Rekord um mehr als einen Tag unterboten – fantastisch!"

Zu den Strapazen der ersten vier Tage meinte er: "echt hart". "Wir wurden von den Spaniern sehr sehr eng verfolgt. Als wir es dann entlang der westschottischen Küste schafften, sie abzuhängen, brachten wir erstmals einen großen Abstand zwischen uns – und den brauchten wir auch. Ich habe so das Gefühl, dass wir im nächsten Jahr (während des Volvo Ocean Race, die Red.) noch viele knappe Rennen sehen werden. Die Spanier sind raumschots etwas schneller als wir. Das Tolle an einer Einheitsklasse ist, dass man beim kleinsten Fehler sofort Meilen einbüßt."

"Team Campos" erreichte nur zwei Stunden nach "Azzam" den Zielhafen. Iker Martinez, der mit seiner Crew erst seit einem Monat auf dem Boot segelt, sagt: "'Azzam' hat eine Marke gesetzt, jetzt wissen wir, wo wir stehen und was wir noch erreichen müssen. Ihre Manöver sind besser, aber das ist nachvollziehbar. An Bord hatten wir einige Probleme mit der Elektrik, die nicht gerade geholfen haben beim Navigieren." Gemessen daran war die Leistung der Spanier vielversprechend. Dritter wurde "Team Dongfeng" vor "Alvimedica".

Erste am Start, Fünfte im Ziel – und schnellste Frauen-Crew rund England: Team SCA

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Den zweiten Einrumpf-Rekord und den dritten bei dieser Regatta holte sich die Volvo-Frauen-Crew von Team SCA. Sie erreichte das Ziel vor der Royal Yacht Squadron in Cowes heute früh um 06:10 Ortszeit nach 4 Tagen und 21 Minuten. 

Skipperin Samantha Davies unterbot damit ihre eigene Bestmarke um mehr als anderthalb Tage – aufgestellt vor fünf Jahren mit dem Open 60 "Aviva" zusammen mit Dee Caffari, die auch jetzt wieder mit an Bord war. Alle Rekorde müssen noch vom World Speed Sailing Record Council ratifiziert werden, was aber als Formsache gilt. 

Unterdessen segelt Jens Kellinghusen auf seiner Ker 51 "Varuna" weiter auf Rang eins der IRC-Gesamtwertung. Er hatte heute Morgen um 10 Uhr die Irische See zur Hälfte passiert und sollte, sofern nichts Unvorhergesehenes passiert, seine Führung bis ins Ziel halten können.

Jochen Rieker am 16.08.2014

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