DCNAC-Spezial

Herzschlagfinale am Donnerstag Abend mit sechs Booten

Tageszusammenfassung von der DaimlerChrysler North Atlantic Challenge

am 04.07.2003

Die World of Tui erreicht als erstes deutsches Boot Cuxhaven

Cuxhaven/Hamburg. Alfred Hitchcock hätte es nicht spannender schreiben können: Gleich sechs Hochseeyachten liefen am Donnerstag Abend nach mehr als 3.600 Seemeilen von Newport/USA nach Cuxhaven innerhalb von weniger als einer Stunde über die Ziellinie der DaimlerChrysler North Atlantic Challenge 2003 (DCNAC).

Dabei erntete die umjubelte "World of TUI Hamburg" des Hamburgischen Vereins Seefahrt (HVS), zu dessen 100. Geburtstag der Norddeutsche Regatta Verein (NRV) die DCNAC ausrichtet, die hohe Ehre des vorerst schnellsten deutschen Schiffes nach gesegelter Zeit.

Um wenige hundert Meter schlug sie nach dramatischen Stunden in der Deutschen Bucht die kleinere "Zukunft IV" vom Kieler Yacht Club (KYC), die allerdings bestes deutsches Boot nach berechneter Zeit war. Sie liegt in der Gesamtwertung auf Rang vier hinter der "UCA" (ebenfalls Kiel), die eine Woche später gestartet erst Sonnabend früh im Ziel erwartet wird.

Der Gesamtsieg ist der "Zaraffa" (USA) nur noch theoretisch streitig zu machen. Die "Team 888" aus England hatte Donnerstag Nacht rechnerisch schon 32 Stunden Rückstand. Unter hellblauem Spinnaker surfte die knallgelbe "World of TUI Hamburg" mit gut elf Knoten Geschwindigkeit um 19.54 Uhr und 32 Sekunden über die Ziellinie.

Die Zukunft durchpflügt die schwere See vor der Kugelbake in der Elbe

Schlepper "Wulf 8" ließ seinem Schiffshorn freien Lauf, und mehrere hundert Fans standen auf der Seebäderbrücke Spalier. Auch sie bereiteten der ersten deutschen Yacht einen lauthalsen Empfang. Es war buchstäblich ein dankbarer vierter Platz, den die junge HVS-Mannschaft an Land ausgiebig feierte. "Ein phantastisches Rennen mit allen Höhen und Tiefen", berichtete Skipper Björn Woge, "und am Ende hatten wir ein unbeschreibliches Glücksgefühl."

Zwei schwere Stürme musste die 13-Köpfige Crew überstehen, lag zwischenzeitig mehr als 50 Seemeilen hinter ihren direkten Konkurrenten, verlor aber nie den Mut und schon gar nicht die gute Laune. "Wir hatten trotz all der Strapazen unterwegs viel Spaß", sagte der entspannte Skipper. Nach einer nervenaufreibenden Flautenschieberei in der letzten, der 18. Nacht auf See, waren die sechs Yachten eng zusammengerückt.

Die "Tempest" mit US-amerikanischer Crew unter schwedischer Flagge hatte ihre klare Führung in der Verfolgergruppe eingebüßt und musste die "Snow Lion" unter Führung von Larry Huntington, dem Commodore des Mitveranstalters New York Yacht Club, passieren lassen.

Der "Schneelöwe" war es schließlich auch, der den besten Weg aus dem unerwarteten Windloch fand und bereits am Nachmittag um viertel nach drei im Ziel war. "Das ist ein Geheimnis wie wir da so gut rausgekommen sind", scherzte der NYYC-Präsident, der aus zwei Optionen der Wettervorhersagen die goldene Mitte wählte. "Es wurde auch Zeit, dass wir ankommen", so Huntington weiter, "wir hatten nur noch Teebeutel und Zucker an Bord." Dennoch brachen die Amerikaner nach einer Viertelstunde wieder auf, um sich am Abend bereits in Hamburg von Segelsportfans entlang des Elbestrands und den Veranstaltern um NRV-Präsident Gunter Persiehl gebührend feiern zu lassen.

Die ersten Frikadellen als Dinner schmeckten Ulli Münker von der "Kuh" genannten "Zukunft IV" am besten. "Endlich keine Pulvernahrung mehr", so der bärtige Skipper, der unnötiges Gewicht an Bord gespart und damit vielleicht einen entscheidenden Vorteil herausgeholt haben sollte. Exakt 19 Tage und 15 Sekunden war seine Elf unterwegs und hatte sich dabei das ganze Rennen einen unerbittlichen Zweikampf mit der "Discoverer" geliefert.

Am Ende waren die britischen Soldaten, die teils im Irak-Krieg eingesetzt waren, den Kieler Hochseeseglern unterlegen. Als die Tagesschau gerade angefangen hatte, rissen Münker & Co. die Arme hoch. Zweieinhalb Stunden nach berechneter Zeit schlugen sie die Army. "Der Kern des Tiefdruckgebiets, das erst nach Westen und dann nach Süden ziehen sollte, hat sich letztlich einfach nur vertieft und ausgebreitet", erklärte Münker die kuriose Wettersituation, die das Feld zum Grande Finale nochmals ordentlich durcheinander würfelte.

Leidtragende war dabei auch die "Hansa" von der Hanseatischen Yachtschule Glücksburg. Das baugleiche Schwesterschiff und Teampartner der 18,28 Meter langen "World of TUI Hamburg" hatte nach der Rundung von Fair Isle an der Nordspitze Großbritanniens lange Zeit vor der einheimischen Konkurrenz gelegen. "Uns fehlte dann in der Flaute auch ein bisschen Glück", meinte Skipper Arno Kronenberg, der aber nicht mit dem Schicksal haderte. Schließlich erwartet alle Mannschaften in Hamburg eine rauschende Festwoche, die am Freitag Nachmittag vom Ersten Bürgermeister Ole von Beust für jedermann auf der Kehrwiederspitze eröffnet wird.

"Das eine oder andere Bier", so lautete entsprechend auch die Antwort von den meisten Seebären auf die Frage, wonach sie sich am meisten sehnten, nach all dem Darben auf dem Nordatlantik und der Nordsee. Dort waren indes immer noch 44 der 63 Teilnehmer unterwegs. Zehn mussten die größte jemals von West nach Ost auf dem Nordatlantik gesegelte Regatta bereits aufgeben, erst neun kamen bis Freitag früh ins Ziel.

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