Regatta-News

Global Challenge: „BG Spirit“ gewinnt fünfte Etappe

Deutsche Teilnehmer nur im Mittelfeld

Mathias Müller am 15.06.2005

Mit einem gewaltigen Vorsprung gewann am Samstag die Yacht „BG Spirit“ mit dem australischen Skipper Andy Forbes die fünfte Etappe der Weltumsegelung Global Challenge 2004/05.

Genau 34 Tage und 24 Minuten nach dem Start in Kapstadt dümpelten sie um 8.24 Uhr Ortszeit bei schwachem Wind über die Ziellinie vor Boston. Ihr nächster Verfolger, „Barclays Adventurer“, lag über 240 Seemeilen zurück.

Den Vorsprung hatte sich „BG Spirit“ knappe zehn Tage vorher in einem gewagten und gekonnten taktischen Manöver erarbeitet. Beim Auftauchen eines großen Hochdrucksystems segelten sie einen deutlich östlicheren Kurs und entfernten sich stark von der restlichen Flotte und der optimalen Kurslinie. Ein gewagtes Manöver, das sich jedoch auszahlte. Denn während die gesamte Flotte im Zentrum des Hochs stillstand, konnte „BG Spirit“ an nur einem Tag über 180 Seemeilen gutmachen, und diesen Vorsprung gab das Team auch nicht mehr ab.

„BG Spirit“ ist somit nach einer verkorksten vierten Etappe von Sydney nach Kapstadt als Gesamtführender wieder ein Favorit für den Gesamtsieg in rund sechs Wochen in Portsmouth/England. Erst gut 36 Stunden später, am Sonntagabend, erreichte „Barclays Adventurer“ als zweite Yacht den Hafen von Boston. Im Laufe der Nacht segelten dann „Sony VAIO“ und „SAIC La Jolla“ über die Ziellinie. Alle drei Yachten haben trotz dieses guten Ergebnisses wenig Chancen auf einen Podiumsplatz in der Gesamtwertung.

Richtig spannend wurde es am Montagmorgen. Um kurz nach 9 Uhr kämpften drei Yachten um die beste Platzierung der Verfolger. Nach 36 Tagen auf See und über 6500 gesegelten Meilen überquerten sie die Ziellinie innerhalb von nur vier Minuten und 57 Sekunden! Angeführt wurde das Trio von der erfolgreichen Yacht „BP Explorer“ mit dem Thüringer Holger Bindel. Trotz des vierten Platzes auf dieser Etappe bleiben sie mit 61 Punkten punktgleich auf Platz eins mit „BG Spirit“ in der Gesamtwertung. Nur 92 Sekunden später folgte „Spirit of Sark“ mit dem Westfalen Jürgen Dieris. Beide Yachten fechten seit der ersten Etappe anscheinend ein privates Duell aus, denn sie liegen immer dicht zusammen. In den letzten 36 Tagen waren sie selten mehr als 10 Seemeilen auseinander. „Spirit of Sark“ liegt mit diesem Ergebnis auf Platz drei der Gesamtwertung. Weitere drei Minuten und 25 Sekunden später erreichte „Imagine IT. Done“ mit der einzigen weiblichen Skipperin Dee Caffari das Ziel.

Spannend war auch der Zieleinlauf von „Team Stelmar“ und „Me To You“ mit Birgit Obermüller aus Bremerhaven um kurz nach Mitternacht am Dienstag. „Me To You“ schaffte es in den letzten sechs Stunden fast noch, den sechs Seemeilen Vorsprung von „Team Stelmar“ aufzuholen. Am Ende erreichte „Team Stelmar“ das Ziel nur acht Minuten vor „Me to you“.

Kurz vor Ende der zehn Monate dauernden und gut 20.000 Seemeilen langen Weltumsegelung gegen Wind und Wellen sieht es so aus, als wenn die drei Podiumskandidaten schon feststehen. Nach fünf Etappen führen drei Yachten mit knapp unter 10 Punkten Vorsprung vor dem Mittelfeld, und es sind nur noch zwei Etappen zu segeln. Von Boston geht es am 19. Juni weiter auf die 3000 Seemeilen lange Strecke nach La Rochelle/Frankreich. Von dort steht ab dem 13. Juli der viertägige Schlussspurt nach Portsmouth/England an.

Auf den Plätzen eins bis drei sind die Yachten „BP Explorer“ mit Holger Bindel und „BG Spirit“ (jeweils 61 Punkte) und „Spirit of Sark“ mit Jürgen Dieris (58 Punkte). Das vordere Mittelfeld mit theoretischen Chancen auf das Podium belegen „SAIC La Jolla“ und „Barclays“ mit je 53 bzw. 52 Punkten, gefolgt von „Samsung“ mit 47 Punkten. Im hinteren Mittelfeld und somit ohne jede Chance auf einen Podiumsplatz segeln „Sony VAIO“ mit 44 Punkten, „Me to you“ mit Birgit Obermüller und 43 Punkten sowie „Team Stelmar“ mit 41 Punkten. Abgeschlagen am Ende liegen „Imagine IT. Done“, „Pindar“ und „Team Save the Children“ mit 41, 35 bzw. 34 Punkten.

Von Bord der „Me to you“ berichtet Birgit Obermüller exklusiv über den Schlussspurt der fünften Etappe bei der Global Challenge:

Die letzten vier Stunden bis zum Ziel waren aufregend, weil wir uns mit „Stelmar“ ein wahres Matchrace lieferten. Nachmittags sahen wir eine Yacht am Horizont, nachdem wir fast drei Tage in dicker Nebelsuppe dahingedümpelt waren. Und bei der letzten Positionsdurchgabe am Montagabend bestätigte sich dann, dass wir Stelmar vor uns hatten. Was für ein Motivationsschub! Wir legten uns nochmal mächtig ins Zeug, beide Wachen zusammen bestritten wir die letzten Stunden gemeinsam. Zuerst noch unter Spi und dann mit Genua, die ich trimmte, machten wir Meter für Meter gut, kamen „Stelmar“ immer näher.

Kurz vor Boston wurden wir von einigen Böen erfasst und hätten eigentlich entweder das Vorsegel wechseln müssen oder ein Reff ins Groß ziehen, aber wir wollten nichts an Power verlieren, und ein Wechsel hätte auch zu viel Zeit gekostet. So bissen wir einfach die Zähne zusammen und ritten die Böen aus. Stelmar rettete letztendlich ihren Vorsprung ins Ziel und ging acht Minuten vor uns über die Linie!

Für uns alle ist es immer wieder faszinierend, wie eng am Ende nach 37 Tagen auf See und über 6000 Seemeilen die Abstände zwischen den Yachten sein können. Auch wenn wir während dieser Etappe oft den Eindruck hatten, dass eigentlich alles schon gelaufen sei, blieb es bis zum Ende spannend. Besonders freuten wir uns auch darüber, dass wir um kurz nach 1 Uhr nachts anlegten und so zu unserem wohlverdienten Empfang mit Champagner, Bier und Burgern kamen — denn nach 2 Uhr fließt kein Alkohol mehr in Boston.

Wir feierten noch bis halb vier Uhr morgens (hauptsächlich mit Cola und Apfelsaft), fielen dann in unsere Kojen und legten am Dienstagmorgen um 10 Uhr gleich wieder mit den Arbeiten am Boot los, denn dieser Stopover ist sehr kurz. Am 19. Juni ist schon wieder Start zur 6. Etappe.

Viele Grüße von der „East coast“ sendet Birgit Obermüller von der „Me to You“.

Mathias Müller am 15.06.2005

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