Route du Rhum

Gemeinsam geweint

Im Schatten der Triumphatoren der Route du Rhum lecken sich die ausgeschiedenen Skipper die Wunden. Bei der 11. Auflage hat es auch Co-Favoriten erwischt

Tatjana Pokorny am 12.11.2018
Route du Rhum 2018
Route du Rhum

Sam Davies ("Initiatives Cœur") und Isabelle Joschke ("Monin", r.) hatten sich ihren Route-du-Rhum-Start ganz anders vorgestellt, als es dann kam. Die beiden Top-Skipperinnen schieden mit Mastbruch (Joschke) und Rumpfdelamination (Davies) aus und trafen sich nicht auf Guadeloupe, sondern im Starthafen wieder. "Wir haben dort gemeinsam auf dem Dock geweint", sagte die Britin Samantha Davies

Der französische Transatlantik-Klassiker wird seinem berüchtigten Ruf einmal mehr gerecht: 25 der 123 in die elfte Auflage der Route du Rhum gestarteten Skipper waren nach der ersten Woche bereits ausgeschieden. Weitere folgen. Manche von ihnen so spektakulär wie Top-Favorit Armel Le Cléac'h, dessen futuristischer Trimaran im Atlantik gekentert war. Der Skipper selbst konnte von der Besatzung eines Fischereifahrzeugs abgeborgen und nach Spanien gebracht werden. Andere erlitten wie die deutsch-französische Imoca-Skipperin Isabelle Joschke ("Monin") oder der britische Class-40-Mitfavorit Sam Goodchild ("Narcos: Mexico") Mastbruch. Wieder andere wie die starke britische Solistin Sam Davies ("Initiatives Cœur") mussten mit Rumpfdelamination beidrehen und in den Starthafen zurückkehren.

Route du Rhum 2018

Das Lieblingsbild von Armel Le Cléac'h bei dieser elften Auflage der Route du Rhum: "Banque Populaire IX" und "Maxi Edmond de Rothschild" im Duell. So wie beim Start hatte sich "der Schakal" das Rennen auch im weiteren Verlauf vorgestellt. Doch daraus wurde nichts: Beide Boote schieden aus

Route du Rhum 2018

Hier segelte der Ultime-Trimaran "Banque Populaire IX" noch aufrecht. Armel Le Cléac'h schaut schon, als hätte er das nahende Unheil geahnt…

In Frankreich trafen sich Joschke und Davies wieder. "Heute habe ich zusammen mit Isabelle Joschke auf dem Steg in Lorient geweint", kommentierte Davies das berührende Bild von ihr und der Leidensgefährtin. Beide Skipperinnen hatten sich intensiv auf die Atlantik-Prüfung vorbereitet. Beide lagen gut im Rennen, als technisches Unglück ihnen das Weitersegeln unmöglich machte und sie zur Aufgabe zwang.

Route du Rhum 2018

Isabelle Joschke musste mit Mastbruch auf "Monin" aufgeben

Route du Rhum 2018

Sam Davies hatte sich sehr intensiv auf ihr Comeback bei der Route du Rhum vorbereitet und lag gut im Rennen, als sie mit Delaminationen im Rumpfbereich beidrehen musste

Die brutalen Bedingungen dieser Route du Rhum bekam Armel Le Cléac'h zu spüren, als er mit seinem gigantischen Trimaran kenterte. Glücklicherweise überstand der letzte Vendée-Globe-Gewinner das Unglück weitgehend unverletzt. Team-Manager Ronan Lucas sagte: "Zum Zeitpunkt der Kenterung befanden wir uns genau da, wo wir es uns schon vor dem Start vorgestellt hatten, es entsprach unserer Strategie. Wir hatten für uns selbst maximale Wellen- und Windbedingungen gesetzt, die wir nicht überschritten haben. Wir haben kein höheres Risiko in Kauf genommen, weil wir einen Reparaturstop einlegen mussten. Keinesfalls. Wir haben uns im prognostizierten und geplanten Tempo bewegt. Armel hat seine Aufgabe in 30 bis 35 Knoten Wind und fünf Meter Welle perfekt erfüllt." So lange, bis in dieser Fünf-Meter-Welle ein Schwimmer brach. Die Folgen konnte auch der Meister nicht mehr kontrollieren, der nur noch ein Knacken hörte, den Schwimmer davontreiben sah, die Kenterung erlebte und rund zehn Stunden später via Rettungsinsel von einem Trawler aufgenommen wurde.

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Armel Le Cléac'h mit der Trawler-Mannschaft, die den Vendée-Globe-Gewinner nach seiner Kenterung gerettet hatte

Auch Sam Goodchild war ausgezogen, mit seiner "Narcos: Mexico" ein Spitzenergebnis in der Division der Class-40-Yachten zu erzielen, bis er einen Knall hörte und als Nächstes seinen Mast im Wasser liegen sah. "Das ist schon hart", sagte der Brite, der sich ein halbes Jahr lang intensiv auf die Transatlantik-Regatta vorbereitet und mit Netflix einen sehr prominenten Sponsor gefunden hatte, bevor seine Träume binnen Sekunden platzten. Den jüngsten Mastbruch des Rennens meldete heute Class-40-Skipper Maxime Sorel von "V and B". Der Franzose vermeldete enttäuscht, dass er ein Notrigg stellen und die Kanaren anlaufen wolle. Sein Kommentar: "Das ist eine bittere Pille."

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Sam Goodchild auf "Narcos: Mexico" – erst der Mastbruch ließ seine Träume platzen

Route du Rhum 2018

Nicolas Troussell musste die Route du Rhum als einer der Class-40-Favoriten aufgeben

Bereits am Vortag war Class-40-Mitfavorit Nicolas Troussell ("Corum") ausgeschieden. Der zweimalige Figaro-Gewinner hatte seine Windinstrumente und ein wichtiges Vorsegel verloren. Mit elektrischen Ladeproblemen und einer entzündeten Hand sah Troussell, der sein neues Boot erst im Mai getauft hatte, keine Chance mehr auf eine gute Position und gab das Rennen auf. Troussell sagte: "Seit dem Beginn meiner Partnerschaft mit Corum war es unsere gemeinsame Politik, immer offen und ehrlich zueinander zu sein. Mein Ziel war es zu gewinnen oder einen Podiumsplatz zu belegen. Mit all meinen Problemen ist das nicht länger realistisch. Als ich den neuen Kurs einschlug, wusste ich, dass es das Ende der Route du Rhum für mich sein würde."

Die Geschichten von Le Cléac'h, Davies, Joschke, Goodchild, Sorel oder auch Troussell bilden die Kehrseite der glänzenden Route-du-Rhum-Medaille. Sie gehören ebenso zur bewegten Geschichte der Regatta wie ihre Helden. Und es wäre trotzdem eher eine Überraschung, wenn man die Geschlagenen und Ausgeschiedenen nicht in vier Jahren wieder an der Rhum-Startlinie erleben würde.

Tatjana Pokorny am 12.11.2018

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