Barcelona World Race

"Fruit" wird nicht zum Start zugelassen

Weil die polnische Yacht eine zu schwache Maschine besitzt, darf sie nicht am Rennen teilnehmen

Johannes Erdmann am 22.12.2010

"Central Lechera Asturiana" unter Maschine

"Es fiel uns sehr schwer, diese Entscheidung zu treffen", erklärt Veranstalter Andor Serra, "doch wir können keine Kompromisse eingehen, wenn es um fundamentale Sicherheitsvorkehrungen geht."

Die Imoca-Regularien sehen eine Mindeststärke von 37 PS für den Hilfsmotor vor. Obwohl die Maschinen ohnehin kaum zum Einsatz kommen, so können sie sich in Notsituationen doch als lebenswichtig erweisen, wenn Rigg oder Segel beschädigt sind. Auch beim Abbergen von Crewmitgliedern ist es nötig, einen ausreichend starken Motor zu haben, um das Schiff manövrierfähig zu halten. Eine verständliche Argumentation – aber dennoch ein harter Schlag für den Polen Krzysztof Owczarek und seinen französischen Co-Skipper Armand Coursadon. Sie waren bis zum Starthafen Barcelona gekommen, haben Sicherheitsausrüstung und Besegelung klar – aber scheitern letztlich an der Teilnahme durch einen zu schwachen Dieselmotor, der die Erteilung eines Imoca-Vermessungs-Zertifikats verhindert. Bis zum 17. Dezember hätten sie die Gelegenheit gehabt, sich um die ausstehenden Änderungen zu kümmern. Nun ist es zu spät.

Die Kontrollen der geforderten Standarts sind streng. Zwei andere Crews mussten sich um neue, zugelassene Rettungsinseln kümmern. Eigentlich skurril, wenn man bedenkt, was solch ein Regattaprojekt kostet – und zugleich wird die Wartung solch eines essentiellen Ausrüstungsstückes vernachlässigt.

Während Owczarek und Coursadon an einer passenden Maschine scheitern gibt es auf der "Central Lechera Asturiana" ein viel größeres Defizit: Der Mast fehlt. Anfang Dezember war er vor Lissabon gebrochen. Mit Notrigg und mithilfe der Maschine – an diesem Punkt machte sich ein großer Motor bezahlt – überführten die Spanier Juan Merediz und Fran Palacio das Schiff nach Barcelona und sind seitdem damit beschäftigt, so kurz vor der Abfahrt noch ein passendes Rigg zu organisieren. Derzeit arbeiten sie daran, das zehn Jahre alte Rigg von Ellen MacArthurs "Kingfisher" umzuarbeiten und anzupassen.

Armand Coursodon (l.) und Krzysztof Owczarek

"Wir haben immer noch Probleme, alle Kuriersendungen von Einzelteilen rechtzeitig nach Barcelona zu bekommen. Durch das Wetter verzögert sich vieles", erklärt David Barneby, Imoca-Rigg-Spezialist. "Das größte Problem ist aber das der Anpassung an das Schiff. Das Deckslayout ist die Herausforderung. Aber es ist auch nicht alles schlecht. Der Mast ist etwa gleich lang, und das Schiff ähnelt der Kingfisher. Wir haben also sogar ziemliches Glück. Er wiegt sogar etwas weniger, als der alte Mast. Ich glaube also nicht, dass wir Stabilitätsprobleme bekommen werden."

Für heute Nachmittag ist das erste Maststellen geplant. Den Spaniern bleibt also nicht mehr viel Zeit für Trimm und letzte Feinarbeiten. Der Countdown läuft. In acht Tagen geht es los – oder eben auch nicht.

Lesen Sie mehr über das Barcelona World Race im Spezial in YACHT 1/2011

Johannes Erdmann am 22.12.2010

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