Regatta

Frauenpower bei der nächsten Vendée Globe

Fünf Skipperinnen haben bereits ihre Teilnahme an der härtesten Regatta um die Welt 2020/21 angekündigt. So hoch war der Frauenanteil noch nie

Kristina Müller am 08.02.2019
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Minitransat 2017/Christophe Breschi

Eine steilere Karriere kann man im Hochseesport kaum absolvieren: Im Januar gab die 29-jährige Französin Clarisse Crémer bekannt, dass sie bei der nächsten Ausgabe der Vendée Globe starten will – mit Unterstützung des französischen Rennstalls Banque Populaire. "Wer hätte das noch vor drei Jahren gedacht! Sicher nicht ich!", schrieb Crémer dazu auf ihrer Facebookseite.

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Clarisse Crémer nach der Ankunft beim Mini-Transat 2017. Nun will sie in der Königsklasse des Solo-Segelns durchstarten

Von null auf hundert

Die quirlige Französin war erst 2017 beim Mini-Transat in die Hochsee-Regattaszene eingestiegen und hatte gleich einen beachtlichen zweiten Platz im Serien-Klassement belegt. Zuvor hatte sie besonders in Frankreich viel Aufmerksamkeit mit ihrer Social-Media-Kampagne "Clarisse sur l’Atlantique" (dt.: "Clarisse auf dem Atlantik") erregt, in der sie anhand von originell und gekonnt realisierten Videos auf ihr Vorhaben aufmerksam gemacht hatte. Für ihre Erfolge hatte sie im Januar 2018 den Seamaster Award des Delius Klasing Verlags und der boot Düsseldorf erhalten.

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Ausgezeichnet: Auf der boot Düsseldorf 2018 erhält Clarisse Crémer den Seamaster Award für Verdienste um den Wassersport

Crémer hat seit dem Mini-Transat den Atlantik bereits ein weiteres Mal beim Transat AG2R im Zweihandmodus überquert. In dieser Saison will sie die Solo-Serie des Solitaire du Figaro bestreiten. Danach, so Crémer, gehe es in die konkreten Vorbereitungen für die Vendée Globe, die am 8. November 2020 startet. Drei Vorbereitungsregatten im Zweihand-Modus, darunter das Transat Jacques Vabre im Oktober 2019, stehen dann an: Mit Armel Le Cléac’h an ihrer Seite, der die vergangene Vendée auf "Banque Populaire VIII" in Rekordzeit von 74 Tagen gewann, will sich Crémer auf die neue Herausforderung vorbereiten. Ihr Boot ist die ehemalige "SMA" von Paul Meilhat. 

Fünf Frauen am Start

Crémer wird beim Start in gut eineinhalb Jahren im Feld der Solisten voraussichtlich auf so viel weibliche Konkurrenz treffen, wie es bisher bei noch keiner Auflage der Vendée Globe gegeben hat. Denn vier weitere Skipperinnen haben bereits bekannt gegeben, ebenfalls 2020 antreten zu wollen. Darunter ist mit Samantha Davies jedoch nur eine, die bereits auf eine erfolgreiche Vendée-Teilnahme zurückblicken kann.

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Bringt viel Erfahrung mit: Sam Davies, hier beim Volvo Ocean Race mit Team SCA 

Sam Davies wurde 2008/09 Vierte. Auch 2012 ging sie an den Start, musste jedoch nach Mastbruch aufgeben. Die 44-jährige Britin hat zudem das Frauenteam "SCA" beim Volvo Ocean Race 2014/15 um die Welt geskippert und diverse Transatlantik-Regatten absolviert. Bei der Route du Rhum 2018 musste sie jedoch aufgeben. Davies segelt auf dem Foiler "Initiatives-Cœur". Ihr Schiff wurde 2010 gebaut und hat bereits zwei Vendée-Teilnahmen mit je einem zweiten und dritten Platz im Kielwasser. 2015 wurden Foils nachgerüstet.

Rasant und nass: Sam Davies auf der Imoca "Initiatives-Cœur"

Solide Erfahrung in der Imoca-Klasse hat auch die Deutsch-Französin Isabell Joschke. 2017 wurde sie Achte beim Transat Jacques Vabre und Zweite in der Monaco Globe Series. Wie Clarisse Crémer und zahlreiche heutige Vendée-Globe-Skipper startete Joschke ihre Offshore-Karriere in der Classe Mini. 2005 wurde sie Fünfte der zweiten Etappe, 2007 gewann sie die erste Etappe von La Rochelle nach Madeira.

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Isabelle Joschke, seit 2017 in der Imoca-Klasse

Die Französin Alexia Barrier segelt seit 15 Jahren Hochsee-Regatten; zuletzt wurde sie 15. bei der Route du Rhum 2018. Ihre Imoca "4MyPlanet" ist ein Lombard-Design von 1998, mit dem Romain Attanasio 15. bei der vergangenen Vendée Globe wurde. 

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Alexia Barrier bestritt auf ihrer Imoca mit Pierre Quiroga die Monaco Globe Series

Ebenfalls mit einem betagteren Boot will die Britin Pip Hare starten – auf der ehemaligen "Superbigou" von Bernard Stamm, die sie im vergangenen Oktober gekauft hat.

Pip Hare Vendée Globe 2020

Pip Hare. Die Britin sammelte viel Erfahrung in der Class 40

Auch die Irin Joan Mulloy, die derzeit in der Figaro-Klasse segelt, hatte schon angekündigt, bei der nächsten Vendée dabei sein zu wollen. Bisher hat sie ihre Kampagne jedoch nicht offiziell bestätigt.

Sieben Skipperinnen in acht Rennen

Erst sieben Frauen haben bisher in der Geschichte des Solo-Rennens um die Welt teilgenommen, darunter zweimal Sam Davies. Catherine Chabaud beendete als erste Frau 1996/97 eine Vendée Globe, ihre Nachfolgerin war 2000/01 Ellen Mac Arthur – nach 94 Tagen segelte sie auf Platz zwei, ein unvergessener Erfolg.

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Kristina Müller am 08.02.2019

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