Vendée-Arctique-Les Sables

Französischer Favoritensieg, deutsches Ausrufezeichen!

Die Premiere des Nordatlantik-Rennens hat mit Jérémie Beyou auf "Charal" einen würdigen Sieger und mit Boris Herrmann einen Hoffnungsträger für die Vendée Globe

Tatjana Pokorny am 14.07.2020
Vendée-Arctique-Les Sables d'Olonne 2020
Imoca Global Series

Jérémie Beyou macht das Rennen auf "Charal". Das Motto auf dem Segel hat er auf See erfüllt: "Lebe stark"

Am Dienstagabend um 22.44 Uhr Ortszeit Zeit kreuzte das schwarze Geschoss von Jérémie Beyou die Ziellinie des neuen Nordatlantik-Rennens Vendée-Arctique-Les Sables d'Olonne. In 10 Tagen, 6 Stunden, 4 Minuten und 12 Sekunden hat der Franzose den auf 3284 Seemeilen verkürzten Marathon aus der Bretagne hinauf nach Island und zurück via zweiter Wegmarke Gallimard in den Start-  und Zielhafen les Sables-d'Olonne absolviert. Chapeau. Es ist ein Favoritensieg des dreimaligen Figaro-Siegers. Kurz nach Beyou kamen jene beiden Solisten ins Ziel, die ihm über die gesamte Renndauer einen großen Kampf geliefert und selbst phasenweise geführt hatten: "Apivia"-Skipper Charlie Dalin hatte den drittplatzierten Thomas Ruyant und dessen "LinkedOut" am letzten Renntag noch überholt und kreuzte die Ziellinie 50 Minuten und 10 Sekunden nach Beyou. Ruyant kam 20 Minuten nach Dalin ins Ziel. Da war längst klar: Dieses neue Rennen ist so eng und spannend verlaufen wie kaum jemals eines der Imoca-Klasse zuvor.

Vendée-Arctiques-Les Sables d'Olonne

Jérémie Beyou war als Co-Favorit in das Rennen gestartet und geht nun im Herbst auch als einer der Favoriten in die neunte Auflage der Vendée Globe

Vendée-Arctique-Les Sables d'Olonne 2020

Sam Davies stürmte bei dieser Premiere auf Platz vier

Platz vier holte sich knapp 35 Minuten nach Ruyant die Britin Samatha Davies. Auch sie hatte auf "Initiatives – Cœur" in der ersten Rennhälfte selbst einmal auf ihren Foils der Guillaume-Verdier-Schule die Führung übernommen und einen starken Eindruck hinterlassen. Im Gegensatz zur anfänglich ebenfalls auftrumpfenden Deutsch-Französin Isabelle Joschke, die mit Schwester-Versionen von Boris Herrmanns Foils unterwegs ist, aber mit Baumbruch aus den Top Sieben rausfiel, blieb Sam Davies von größeren Materialschäden verschont und konnte ihr Rennen in einer Position heimfahren, mit der man sie ebenfalls zum erweiterten Favoritenkreis für die Vendée Globe zählen darf.

Vendée-Arctique 2020

Die Siegerzeit und die Zwischenstände vom 14. Juli um 23.30 Uhr. Boris Herrmanns "Seaexplorer – Yacht Club de Monaco" ist als grau animiertes Boot zu erkennen, Yannick Bestaven ist das rote Boot darunter. Beide steuerten am späten Dienstagabend die Ziellinie vor Les Sables-d'Olonne an

Boris Herrmann hatte zu dem Zeitpunkt noch wenige Seemeilen und ein knackiges Duell mit Yannick Bestaven auf "Maître CoQ" vor sich. Auch der Hamburger hatte das packende Rennen, in dem er selbst ein großes Ausrufezeichen unter deutscher Flagge hat setzen können, am vergangenen Freitag einen ganzen Tag lang angeführt und in formidabler Form demonstriert, was in ihm und seinem neuen Boot steckt. Der Bruch seines Großsegelschlosses am Samstag, die rund zehnstündige Reparatur und eine beherzte Aufholjagd haben den 39-Jährigen in Hamburg lebenden Familienvater anschließend sogar wieder auf Tuchfühlung zur Spitzengruppe gehen lassen.

Vendée-Arctiques-Les Sables d'Olonne

Boris Herrmann

Weil Herrmann das Großsegel aus Sorge vor einem erneuten Bruch und dem endgültigen Aus über die letzten Tage nur noch mit zwei Reffs fahren konnte, kamen ihm die für sein Set-up teilweise zu leichten Winde in der Schlussphase nicht immer entgegen. Er motivierte sich über das Duell mit Yannick Bestaven, gab zu keiner Minute nach. "Ich habe Spaß an diesem Rennen", erzählte er YACHT online von See, "ich bin dankbar, dass ich es nach allem auf diese Weise beenden kann und nicht irgendwo herumdümpeln muss." Um 22.42 Uhr konnte der Skipper der "Seaexplorer – Yacht Club de Monaco" bereits das Leuchtfeuer der Île d'Yeu sehen. Dass Bestaven den leicht gehandicapten Hamburger in Nord-Position im Endspurt zu überholen drohte, wunderte aufmerksame Beobachter nicht. Das Szenario tat auch Herrmanns Gesamtleistung keinerlei Abbruch. Mit seinem Zieldurchgang rechnete Herrmann selbst für 1.30 Uhr am sehr frühen Mittwochmorgen, so ließ er es die YACHT-online-Leser gegen Mitternacht mit Grüßen von Bord wissen. Seine wichtigste Botschaft in diesem Rennen war da aber schon lange klar: Mit ihm ist für die Vendée Globe ab 8. November definitiv zu rechnen. Eine Bilanz des Rennens aus Herrmanns Sicht folgt bei YACHT online am Mittwochvormittag.

Hier geht es zu den ersten Ergebnissen und den Zwischenständen der Verfolger.

Jérémie Beyou gewinnt die Premiere der Vendée-Arctique-Les Sables d'Olonne

Tatjana Pokorny am 14.07.2020

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