Nord Stream Race

Flauten-Panne zum Rennauftakt

Die Regatta, die das Fastnet der Ostsee werden will, erwischte gestern einen schwachen Start. Kaum Wind, kaum Zuschauer beim Matchrace

Jochen Rieker am 13.09.2013
Start des Fleet-Race: Der Windsegen hielt nur kurzzeitig, noch auf der Startkreuz musste das Rennen abgebrochen werden

Start des Fleet-Race: Der Windsegen hielt nur kurzzeitig, noch auf der Startkreuz musste das Rennen abgebrochen werden

TV-Übertragung, Zuschauertribüne, Stadionsegeln – die Ausgangsvoraussetzungen für das "Nations Cup"- Matchrace der Swan 60 waren perfekt. Die Sponsoren hatten weder Kosten noch Mühen gescheut, um den Auftakt medial zu inszenieren. Am Wetter änderte das jedoch nichts.

Mangels Wind trieben die 60-Fuß-Boote nur träge in der Flensburger Förde. Da half auch keine Startverschiebung. Selbst das für den Abend angesetzte Fleetrace musste bereits nach der Startkreuz abgebrochen werden. Nun soll heute Nachmittag der zweite Versuch folgen. 

Für das ambitionierte Vorhaben, einen Hochsee-Klassiker in der Ostsee zu etablieren, der entlang der Nord-Stream-Pipeline führt, war es kein Auftakt nach Maß. Überhaupt mangelt es der Veranstaltung, die durchaus großes Potenzial hat, noch spürbar an Zugkraft.

Auf der eigens errichteten Tribüne verloren sich kaum Zuschauer. Die Moderation wirkte angesichts der flauen Bedingungen fast hilflos. Ein Ersatzprogramm, das zumindest die gröbsten Lücken im Ablauf hätte ausfüllen können, fehlte. Und auch die Beteiligung an der eigentlichen Langstreckenregatta, die Sonntag und Montag in zwei Gruppen startet, blieb bedauerlich gering.

Gemeldet sind gerade einmal elf Yachten, davon fünf Swan 60, die als Einheitsklasse gewertet werden. Der Rest des Feldes wirkt sehr heterogen. Von der favorisierten "Outsider", einer extrem leichten Elliot 52 mit Neigekiel, über die eher als Daysailer konzipierte Brenta 60 "Uca" bis zum Deckssalon-Cruiser "Nordic Falcon" reicht die Bandbreite. Sportlich wird das 800-Seemeilen-Rennen daher absehbar kaum Spannung entwickeln.

Allenfalls die Swan-60-Flotte verspricht enges und taktisch interessantes Segeln. Die Crews der Performance-Cruiser von Nautor umfassen zahlreiche Weltmeister, Olympiateilnehmer und America's-Cup-Veteranen wie Tomaso Chieffi oder Tim Kröger. Allerdings sind die Chancen nicht ganz gleich verteilt.

Während die mit ausfahrbaren Bugstrahlrudern ausgestattete und für den Renneinsatz nur geringfügig optimierte Swan-Flottille überwiegend triradiale Laminat-Segel fährt, verfügt die unter dem Logo von Hauptsponsor Gazprom startende Yacht über höherwertige Membransegel. So ganz einheitlich geht es in der One-Design-Klasse folglich nicht zu.

Team "Spirit of Europe" mit Tim Kröger am Steuer

Team "Spirit of Europe" mit Tim Kröger am Steuer

Überhaupt ist die Swan 60 mit ihrem Magic-Trim-Großschotsystem und dem luxuriösen Cruising-Ausbau nicht gerade prädestiniert für den rauen Nonstop-Langstreckenbetrieb. So neigt die Hydraulik zum Überhitzen, weshalb sich die Teams mit übergehängten feuchten Handtüchern zur Kühlung behelfen.

Auch zwingt die Push-Buttom-Philosophie der Luxuswerft den Großschottrimmer an die Steuersäule oder aufs Achterdeck, wo er ohne oder mit eingeschränkter Sicht nach Luv arbeiten muss. Eberhard Magg vom Team "Spirit of Europe" hat deshalb eigens eine drahtlose Fernbedienung eingebaut, die ihn auch von der Kante fieren oder holen lässt. Immerhin sollten die anfänglichen Probleme, die bei der ersten Auflage des Rennens vor einem Jahr offenbar wurden, mittlerweile behoben sein. 

Wer das Rennen am Bildschirm verfolgen will, findet hier Live-Stream und Berichte. Heute um 15.30 Uhr soll die Swan-60-Flotte zwei Fleetraces segeln. Die Wetterprognose verspricht aber kaum mehr Druck als gestern. Erst zum eigentlichen Start des NordStream Race soll der Wind von Westen her auffrischen. 

Jochen Rieker am 13.09.2013

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