Bordbuch der "Hansa"

Flaute, Regen und blanke Nerven

YACHT-Redakteur Matthias Beilken berichtet von Bord der "Hansa"

Matthias Beilken am 03.07.2003

S/Y "Hansa", Pos. 54 Grad 35 Minuten N, 7 Grad, 13 Minuten E, COG 110 Grad, SOG 5,5, Windspeed 6 Knoten, Bordzeit 10 Uhr MESZ, Temperatur 18 Grad, ETA heute Nachmittag. DCNAC-Spitzenfeld liegt 30 Seemeilen vor Helgoland im Öl. Tide verpasst, Einlaufbier muss warten

Es gibt kein effektiveres Mittel, das Vorankommen eines Bootes zu stoppen, als es in einen fast windlosen Vormwind-Gang zu schicken. Schlimmer noch als bei einer Kreuz klappen die Halsenwinkel auseinander, die Kurse, bei denen das Boot noch fährt, liegen in fast gegenläufiger Richtung. Kommt noch ein bisschen Tide auf den Kopf dazu, verwandelt sich das Zick-und-Zack einer Vormwind-Kreuz (das immerhin noch messbaren Speed in eine Richtung produziert) flugs in ein banales Hin-und-Her.

Auf diese Art nähern wir uns Helgoland, unserer letzten Kursmarke, für die bereits Tidenzeiten in der Karte stehen, kaum. Wir fahren eher einen Kreisbogen um die Nordseeinsel. Dieser Kreis hat einen Radius von etwa 30 Seemeilen. Unser Steven zeigt zurzeit Richtung Amrum. Da ist es zwar auch schön, doch unser Ziel ist die Elbe, und die liegt in Lee. Aber wenn wir abfallen und den Spi achterholen, stehen wir. Erschwerend kommt hinzu, dass es, wenn der Wind ganz weg ist, aus bleiernen, tief hängenden Wolken regnet. Das und schlagende Segel ist schwer zu ertragen.

Aufgrund der Flauten sind wir uns der Positionen unserer Gegner nicht mehr ganz sicher. Die Gefahr ist groß, dass diese Schwachwindzonen nur lokal sind. Da wäre es fast angenehm, die anderen sehen zu können. Gesagt, getan. In Luv sichten wir plötzlich einen Spi. Doch gerade wohler wird uns ob dieser Entdeckung nicht ?wer ist das? Es könnte die britische "Discoverer" sein. Oder doch nicht? Gerade haben wir Positionen hereinbekommen. Dort rangieren wir zwar noch als viertes Boot nach gesegelter Zeit und als erstes deutsches. Doch sicher scheint, dass der Pulk hinter uns mächtig aufgeholt hat.

Im Prinzip steht nur eines wirklich fest: Das Tidefenster ab Helgoland haben wir verpasst. Wir werden jetzt später und wahrscheinlich mit vollem Gegenstrom in die Elbe laufen.

Unsere Nerven liegen inzwischen blank. Ein schlagendes Segel fügt einem einen Schmerz zu, der fast körperlich spürbar ist. Was an Planung da ist, geht zum Teufel. Zum Beispiel, ob wir in Cuxhaven stoppen werden oder nicht. Wibke fürchtet, dass sie die nächste Nacht in ihrem klammen Schlafsack verbringen muss, statt in ihremBett zu Hause. Niklas möchte nur noch in seinem Auto laut Musik hören. Und Alex fürchtet, dass das Steakhouse in Hamburg Othmarschen nicht mehr serviert, wenn wir ankommen.

Matthias Beilken am 03.07.2003

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