Les Sables Les Açores

Finalthriller in Frankreich: Burke hat seinen Podiumsplatz!

Die Flautenqual der letzten Nacht hat Lennart Burke alles abgefordert und auf Rang acht in Etappe drei zurückfallen lassen. Am Ende aber tickte die Uhr für ihn

Tatjana Pokorny am 27.08.2020
SAS en Baie de Morlaix
Blanchard/SAS en Baie de Morlaix

Diese rote Pogo 3 hat die französische Mini-Konkurrenz ab sofort auf dem Schirm: "Vorpommern"-Skipper Lennart Burke hat seine Vorbereitungen auf das Mini-Transat 2021 mit Platz drei im aktuellen Rennen sehr vielversprechend eröffnet

SAS En Baie de Morlaix

Lennart Burke für einen Moment im stillen Glück: Nach den Strapazen der dritten und letzten Etappe öffnet er die Flasche, um mit Gesamtsieger Léo Debiesse (M.) und dem Zweitplatzierten "Branchet/kpl"-Skipper Jean-Marie Jézéquel auf das Erreichte anzustoßen

Geschafft: 1000-Meilen-Solo-Qualifikation von Lennart Burke

Segelt in eine vielversprechende Zukunft: Mini-Ass Lennart Burke

Der Stralsunder Solosegler Lennart Burke ist am Ziel seiner Träume: Rang acht auf der dritten Etappe reichte dem "Vorpommern"-Skipper zum hochverdienten Platz auf dem Podium bei seiner ersten großen Mini-Regatta. Der erst 21 Jahre alte Steuermann hatte sich mit Platz drei in der Zwischenwertung nach zwei von drei Etappen im modifizierten Klassiker Les Sables Les Açores en Baie de Morlaix bereits vor dem Finale eine starke Ausgangsposition verschafft. Im Endspurt jedoch musste Burke auf Etappe drei in zwei quälenden Flauten – zuletzt über Nacht –  bangen und um seinen Podiumsplatz kämpfen. Schließlich reichte die Gesamtzeit zu Burkes Glück. Entscheidend waren die 16 Minuten und 28 Sekunden Vorsprung, die sich Burke in der Addition aller drei Etappenzeiten vor dem zuletzt stark aufgekommenen Fabrice Sorin auf "Jules" erarbeitet hat, der im Gesamtklassement mit Platz vier zufrieden sein musste.

SAS En Baie de Morlaix 2020

Lennart Burke auf der Erfolgswelle: Mit Platz drei beim in Corona-Zeiten zum Dreiteiler umgewandelten französischen Klassiker Les Sables Les Açores en Baie de Morlaix darf der 21-Jährige mehr als zufrieden sein

"Ich bin sehr, sehr, sehr glücklich", sagte Lennart Burke YACHT online nach der Ankunft im Zielhafen. "Man kann sich gar nicht vorstellen, wie anstrengend die letzten Stunden waren, weil ich nicht wusste, ob ich es schaffe. Ich habe eineinhalb Tage nicht mehr geschlafen, nur an der Pinne gesessen, weil der Autopilot bei einem Knoten Wind nicht funktioniert. Gegessen habe ich auch nicht mehr richtig. Es war für alle sehr anstrengend mit der Flaute. Das lag nicht am wenigen Wind, sondern an den extremen Drehern, in denen alle immer in verschiedene Richtungen fuhren. Das hat mich ganz schön zerfressen. Immer, wenn du dir gerade eine neue Taktik überlegt hattest, kam der nächste Dreher. Und ich hatte auch nicht das allermeiste Glück, bin ein paar Male nach hinten gefallen."

SAS En Baie de Morlaix

Die Konkurrenz hat gelernt: "Vorpommern"-Skipper Lennart Burke segelt sein Boot schnell

Das rote Boot mit der Segelnummer 943 und dem deutschen Segler hat die Konkurrenz nach Burkes Coup nun für die Zukunft auf dem Zettel. Das bekam Burke am Donnerstag in Les Sables-d'Olonne auf schöne Weise zu spüren: "Die Franzosen sind schon ein bisschen verwundert. Alle fragen mich ständig, ob es wirklich meine erste Mini-Regatta ist. Nach den ersten beiden Etappen haben meine französischen Kumpels gesagt, sie hätten nur noch Rot vor Augen…"

Platz zwei in der Serienboot-Gesamtwertung sicherte sich "Branchet/kpl"-Skipper Jean-Marie Jézéquel hinter dem überragend agierenden Sieger Léo Debiesse auf "Kelyfos". In der Proto-Wertung hatte der Franzose Tanguy Bouroullec mit seiner foilenden "Cerfrance" bereits einen Tag zuvor mit dem dritten Etappenerfolg in Folge neue Maßstäbe gesetzt. Auch auf diesem letzten Abschnitt lagen wieder Welten zwischen ihm und den Verfolgern – auf den Italiener Fabio Muzzolini hatte sich Bourullec allein auf Etappe drei beinahe 20 Stunden Vorsprung ersegelt. 

SAS En Baie de Morlaix

Proto-Steuermann Tanguy Bouroulec stürmte mit seinem rasenden Foiler "Cerfrance" an die Spitze der Gesamtwertung

Baltic 500

Mixed-Offshore-Europameister Christian Kargl

Die kompletten Ergebnislisten mit gerechneten Gesamtzeiten lagen am Donnerstagnachmittag kurz nach dem Zieldurchgang von "Sunovation"-Skipper Melwin Fink, der zwischenzeitlich aus den Top 20 gefallen war, um sich dann wieder weit nach vorn zu kämpfen, noch nicht vor. Zu den Resultaten von Etappe drei und später auch zu den Gesamtständen geht es hier. Mit einem starken Endspurt hat auch der österreichische Mixed-Europameister Christian Kargl die Konkurrenz beeindruckt: Der Steuermann vom Candidate Sailing Team erreichte die Ziellinie der finalen 500-Seemeilen-Etappe von Roscoff in den Start- und Zielhafen Les Sables-d'Olonne als Fünfter und berichtete trotz der Strapazen augenzwinkernd: "Ich habe seit dem Mini-Transat 2005 kein Solorennen mehr bestritten. Es gibt ein paar Wunden zu lecken, aber es sieht so aus, als hätte ich nicht alles verlernt." Der Leistung von Lennart Burke zollte Kargl viel Respekt: "Der ist wirklich cool gesegelt."

"AUSSERIRDISCH GUT"

Auch aus der Heimat gab es viel Beifall für Lennart Burkes Erfolg. Dehler-30-od-Steuermann und Mini-Transat-Segler Andreas Deubel schrieb bei YACHT online: "Du machst das sowas von grandios, einfach außerirdisch gut." Baltic-500-Dirigent Cord Hall stellte fest: "Sensationell, ganz großes Rennen, insbesondere zum Schluss." Mixed-Offshore-Europameisterin Lisa Berger gratulierte aus Österreich, wo sie mit ihrem Segelpartner Christian Kargl mitfieberte: "Bravo, Lennart!" Mehr von der Etappe mit unterschiedlichsten Bedingungen und dem packenden Endspurt sowie Einschätzungen der Segler und Seglerinnen lesen Sie in YACHT 20. In Les Sables-d'Olonne wartete am Nachmittag das Trio Burke, Kargl und Fink noch auf die Ankunft von Lina Rixgens, um das Rennen so ausklingen zu lassen, wie sie es begonnen hatten: als gemeinsame Gruppe, deren befreundete Mitglieder sich gegenseitig unterstützen.

Baltic 500

Christian Kargls Maxi "Candidate" darf sich nach den Strapazen der Regatta in zumeist bretonischen Gewässern nun erst einmal wieder erholen. Wie hier am heimischen See

Tatjana Pokorny am 27.08.2020

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