Imoca/Volvo Ocean Race

Eine Sensation bahnt sich an: Volvo Ocean Race mit Open 60

Der Klassenverband der Imoca-Skipper verhandelt mit den Machern des Rennens um die Welt. Es würde das Volvo mit einem Schlag seiner Starter-Probleme entledigen

Andreas Fritsch/Lars Bolle am 28.02.2018
Boris Herrmann nimmt auf "Malizia" erstmals Am TJV teil
Malizia/Riou

Boris Herrmann nimmt auf "Malizia" erstmals Am TJV teil

Nach YACHT-Recherchen gibt es derzeit intensive Gespräche zwischen dem Klassenverband der einhand gesegelten Open 60 (Imoca) und den Organisatoren des Volvo Ocean Race. Eine Einigung soll kurz bevorstehen. Ziel ist es, das nächste Volvo Ocean Race mit den vorhandenen Open 60 zu segeln. Es wäre eine sensationelle Entwicklung, die wohl nur Gewinner hätte: Das Volvo Race hatte mit einem Schlag ein Feld von um die 15 bis 20 wettbewerbsfähigen Booten, die obendrein bereits durch vorhandene Teams mit relativ wenig Aufwand ein Volvo-Team auf die Beine stellen könnten. 

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Boris Herrmann

German Offshore Award 2018

Jörg Riechers

Für die Skipper und Teams des Imoca-Verbandes wäre diese Vereinigung eine riesige Chance: Mit überschaubarem finanziellem Aufwand könnte schlagartig einer Kampagne ein weiteres weltweites Marketingfeld hinzugefügt werden. Für viele Sponsoren sicherlich hochattraktiv, denen die Vendée bislang zu "frankreichlastig" erschien. Auch den beiden deutschen Skippern Boris Herrmann und Jörg Riechers, die beide mit "Malizia" und der Ex-"Acciona" bei der nächsten Vendée Globe starten wollen, dürfte das Rückenwind für die Sponsorensuche bescheren. Zu häufig fehlte potenziellen Sponsoren bei der nonstop gesegelten Vendée ein Stopover oder auch nur Bilder der Boote während des Rennens, um sich medienwirksam in Szene zu setzen. Für Deutschland ergibt sich damit eine historische Chance: In nur wenigen Jahren könnte so erstmals ein deutsches Boot bei der Vendée und nach "Illbruck" zum zweiten Mal beim Volvo Ocean Race starten!

"Für uns wäre das ein wie Sechser im Lotto", sagt Jens Kuphal, Manager des Offshore Team Germany, in dem Jörg Riechers und der ehemalige Starbootsegler Robert Stanjek unter Vertrag stehen. "Wir haben mit Jörg den Einhand-Segler für die Vendée Globe und mit Robert jemanden, der schon versucht hatte, mit dem Team Brunel das Volvo Ocean Race zu bestreiten und dort auch weiterhin einsteigen will. Sollte es zu dem Zusammenschluss kommen, würde das unsere Möglichkeiten komplettieren. Für uns gäbe es nichts Besseres." 

Die Open 60 sind zwar für den Solo- oder Double-Handed Betrieb ausgelegt, aber in Skipper-Kreisen heißt es, eine Umrüstung für etwa fünf Crewmitlgieder sei überhaupt kein Problem. Die Boote gelten mittlerweile sowieso als die schnelleren Yachten und sind mit der aktuellen Foiltechnik auch auf der Höhe der technischen Entwicklung.

Gerade diese Foil-Entwicklung hatten die Organisatoren mit der Festlegung auf die Ocean-65-Einheitsyachten für zwei Auflagen verpasst. Für das nächste Rennen wurde deshalb schon mit der Entwicklung eines neuen 60-Fuß-Foilers begonnen. Dieser sollte auch bei der Vendée Globe zum Einsatz kommen, dagegen hatte sich jedoch die Imoca-Klassenvereinigung gesträubt. Nun wird also wahrscheinlich der umgekehrte Weg gegangen.

Auch für die Konstrukteure wäre das ein Gewinn. Denn ein Open 60 wird nach einer Boxrule konstruiert, es haben verschiedene Konstrukteure die Möglichkeit, eigene Konzepte anzubieten. Der Volvo 65 dagegen ist eine Einheitsklasse, nur ein Konstruktionsbüro kann von dessen Entwicklung profitieren, was zur Kostendämpfung für die Teams und zu knapperen Zieleinläufen führen sollte. Beide Ziele wurden zwar erreicht, wie das laufende Race zeigt; der nicht unwesentliche Aspekt der technischen Innovation blieb jedoch weitgehend auf der Strecke.

Im April findet die diesjährige Hauptsitzung der Imoca statt, in deren Rahmen üblicherweise Infos zur neuesten technischen Entwicklung der Boote und mehr Details zur Planung der Events der Klasse veröffentlicht werden. Man darf also sehr gespannt sein.

Andreas Fritsch/Lars Bolle am 28.02.2018

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