Sailing World Cup

Ein Sieg zum Abschied: tschüss, Moana!

Moana Delle hat sich ihrem letzten Weltcup-Rennen selbst mit Gold beschenkt. Der Abschied von der Olympia-Fünften fällt schwer

Tatjana Pokorny am 26.04.2014
Moana Delle auf der perfekten Welle

Tschüß, Moana! Die RS:X-Surferin verabschiedet sich mit einem letzten großen Erfolg von der olympischen Leistungssportbühne

Sie war beim Sailing World Cup die beste deutsche Starterin in den olympischen Disziplinen, hatte zu den großen Medaillenhoffnungen des deutschen Segelsports für die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro gezählt. Beim letzten Weltcup-Rennen ihrer Karriere hat die RS:X-Surferin noch einmal Gold gewonnen, stand als einzige DSV-Athletin der olympischen Disziplinen in Hyères auf dem Siegerpodest. Doch nun macht Moana Delle auf halbem Weg nach Rio de Janeiro Schluss mit dem Leistungssport, will in Zukunft neue Ufer ansteuern. Sie habe, so sagt die Olympia-Fünfte der Spiele von Weymouth, ihre persönlichen Ziele erreicht.

Sailing World Cup Hyères 2014 Finale

Erkämpfte sich zum Abschied einen letzten großen Sieg vor Hyères: Moana Delle holt Gold in Frankreich!

Der Abschied von der sympathischen Athletin fällt aus vielen Gründen schwer: Sie war oft "die Sonne" der deutschen Mannschaft, konnte ihre Teamkameraden mit Esprit, überaus fairem Sportsgeist und großer Haltung auch nach Niederlagen mitreißen. Sie zählte mit der Erfahrung von ihren ersten Olympischen Spielen 2012 zu den wenigen Mitgliedern der deutschen Segel-Nationalmannschaft, die mit genau dieser Erfahrung eine zweite olympische Chance hätte nutzen können. Doch sie hat sich anders entschieden, gibt der beruflichen Karriere und dem Privatleben den Vorzug. DSV-Sportdirektorin Nadine Stegenwalner sagte: "Sie wird uns als Mensch und als Sportlerin sehr fehlen. Natürlich hatten wir gehofft, dass sie unsere Mannschaft in Rio de Janeiro nicht nur mit dem Talent und dem Leistungsvermögen unterstützt, das sie hier beim Weltcup noch einmal wunderschön gezeigt hat, sondern auch mit ihrer Erfahrung bereichert. Wir respektieren die Entscheidung, sagen aber auch klar: Die Tür bleibt für sie immer offen."

Delle selbst sagte: "Ich habe mir lange für diese Entscheidung Zeit genommen. Ich habe mich auch mit einem Sportpsychologen zusammengesetzt, um verschiedene Faktoren zu durchleuchten. Es bleibt aber einfach dabei, dass ich meine persönlichen Ziele erreicht habe. Der nächste konsequente Schritt – so denken die meisten Leute – wäre die Medaille. Die ist ein unglaublich tolles Ziel, doch der Wunsch danach kommt bei mir nicht von ganz tief drinnen. Ich bin im Studium noch auf einem ganz anderen Level als im Leistungssport. Da möchte ich neue Ziele erreichen."

Man muss Moana Delle ein wenig kennen, um das Gesagte zu verstehen. Sie hat immer den Inhalt ihres Leistungssports, nicht aber das nackte Ergebnis in den Vordergrund gestellt. Bei ihr war der Weg tatsächlich das Ziel. Sie sagt: "Ich wünschte, ich hätte diesen absoluten Hunger nach einer Olympiamedaille. Aber leider ist es einfach nicht so." 

Sailing World Cup Hyères 2014 Finale

2.4-mR-Steuermann Heiko Kröger verteidigte seinen Titel vor Hyères erfolgreich

Entsprechend zieht sie nach dem Weltcup-Sieg Bilanz, stellt nicht das gewonnene Gold, sondern die Gesamtleistung und das Erlebte in den Mittelpunkt: "Es war tolles Segeln hier vor Hyères, eine Woche lang bei Winden zwischen elf und 18 Knoten. Ich wollte diese Regatta unbedingt noch segeln – als Klammer zum Abschluss und für meinen Coach Pierre Loquet und für die Trainingsgruppe." Es war das letzte schöne Ausrufezeichen von Moana Delle, die nun "eher mit Freude erfüllt und nicht voller Wehmut" geht und ein letztes Mal auf der olympischen Segelbühne strahlte. Sie wird fehlen.

Der sechstägige Sailing World Cup in Frankreich ging am Samstag mit den letzten Medaillenrennen zu Ende. Nach dem kriminal spannenden Sieg von 2.4-mR-Steuermann Heiko Kröger, der seinen im vergangenen Jahr im selben Revier gewonnenen Titel im Stile eines Champions mit einem Meter Vorsprung im Finale und einem Punkt Vorsprung im Gesamtklassement verteidigte, hatten sich inklusive Moana Delle fünf weitere DSV-Teams für die Endläufe der jeweils besten zehn Mannschaften in den olympischen Disziplinen qualifiziert.

Tina Lutz und Susann Beucke aus Strande segelten im 49er FX auf Platz sechs, beeindruckten beim Weltcup mit einer ausgeglichenen konzentrierten Leistung. Der Schwarzwälder Olympia-Vierte Toni Wilhelm wurde bei den RS:X-Surfern Siebter und sagte: "Die schöne Erkenntnis nach der langen Wettkampfpause bleibt wie in Palma: Ich bin drin in der Weltspitze, obwohl die wirkliche Arbeit ja jetzt erst beginnt. Ich freue mich auf alles, was jetzt kommt."

Sailing World Cup Hyères 2014 Finale

Wurden Zehnte, gewannen aber das Medaillenrennen am Finaltag: Jan-Jasper Wagner und Dustin Baldewein vom Verein Seglerhaus am Wannsee im 470er

Die Berliner 470er-Crews Annika Bochmann/Karoline Göltzer und Jan-Jasper Wagner/Dustin Baldewein erreichten die Plätze acht und zehn. Philipp Buhl (14.), Deutschlands Segler des Jahres und WM-Dritter vom Segelclub Alpsee Immenstadt, sowie die 49er-Crew Erik Heil und Thomas Plößel (11.) hatten den Sprung in die Finalrennen verpasst.

In den olympischen Klassen belegte Deutschland hinter Neuseeland (2 x Gold, 2 x Silber), Australien (2 x Gold, 2 x Bronze), Polen (1 x Gold, 1 x Silber, 1 x Bronze) und den Niederlanden (1 x Gold, 3 x Bronze) gemeinsam mit drei weiteren Nationen den fünften Platz – dies allerdings dank Moana Delles Erfolg, auf den man in Zukunft nicht mehr setzen darf.

Tatjana Pokorny am 26.04.2014

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