Rolex Sydney Hobart Race

Ein Familientreffen in Down Under

Segelfamilie Böhnert feiert Weihnachten in diesem Jahr auf die etwas andere Art: In Sydney startet ihre "Lunatix" am "Boxing Day" ins Rolex Sydney Hobart Race

Tatjana Pokorny am 23.12.2018
Rolex Sydney Hobart Race
Rolex/Carlo Borlenghi

"Gans gibt es in diesem Jahr wohl eher nicht. Und Lebkuchenherzen fallen auch aus", sagt Friedrich Böhnert und lacht im Sonnenschein von Sydney. Das schönste Geschenk sei, dass seine ganze Familie über Weihnachten beisammen ist. Allerdings nicht zu Hause in Hamburg, sondern in der mehr als 16.000 Kilometer entfernt liegenden australischen Hafenstadt. An Heiligabend werden sich die Böhnerts – Papa Friedrich, Mama und Marinemalerin Heinke, Sohn Arno und Tochter Inga – im Yachthafen der ehemaligen Olympiametropole mit ihrer Regatta-Crew auf der 15 Meter langen "Lunatix" versammeln und ein kleines Fest feiern. Der aus Hamburg mitgebrachte klappbare Miniatur-Tannenbaum und das Räuchermännchen werden dabei das Einzige sein, was in sommerlicher Atmosphäre an heimatliche Bräuche erinnert. Zwei Tage später schon fällt am zweiten Weihnachtstag – in Down Under "Boxing Day" genannt – der Startschuss zum legendären Sydney Hobart Race.

Rolex Sydney Hobart Race 2018

Das "Lunatix"-Team vor dem Start ins Rolex Sydney Hobart Race. Skipper Friedrich Böhnert steht oben rechts

Für die Böhnerts ist es eine Premiere und gleichzeitig der Höhepunkt eines weltumspannenden Törns, der für Skipper und Rechtsanwalt Friedrich Böhnert am 28. August 2017 in Heiligenhafen begonnen hatte. Durch den Kiel-Kanal ging es via Holland, Bretagne und über die Biskaya nach Portugal und Madeira, weiter zu den Kanaren, in die Karibik und schließlich nach Australien. Im Anschluss an den australischen Weihnachtsklassiker stehen noch Neuseeland, Neukaledonien, Südafrika und die Heimreise auf dem Programm. Mit diesem Traumtörn läutet Böhnert seine Rentenzeit ein, die er sich selbst zu Neujahr 2017 geschenkt hatte. "Ich will jetzt noch einmal Gas geben", hatte sich der erfahrene Seesegler gesagt und den Worten Taten folgen lassen. Die Sydney-Hobart-Teilnahme markiert den Halbzeitgipfel der sportlichen Langfahrt.

Was Flotte und Fans bei der 74. Auflage des Klassikers erwartet…

Gemeinsam mit 92 weiteren Crews bereitet sich Böhnerts Mannschaft mit dem bei dieser Auflage einzigen Boot unter deutscher Flagge seit mehr als einem Monat in Australien auf die Bewährungsprobe vor. Das 630 Seemeilen lange Sydney Hobart Race zählt zu den wichtigsten Hochseerennen der Segelwelt. Die Hatz von Sydney über die Bass Strait nach Hobart auf Tasmanien erlangte 1998 traurige Berühmtheit, als es in einem Hurrikan zum schwersten Regatta-Desaster in der jüngeren Yachtsportgeschichte kam. In einem schweren Sturm mit hochhaushohen Wellen verloren sechs Segler ihr Leben. 57 Teilnehmer wurden unter dramatischen Umständen gerettet, die meisten aus der Luft und unter Lebensgefahr für die Retter. Sieben Yachten mussten aufgegeben werden. Fünf von ihnen sanken. Das Rennen ging als "Killer-Auflage" in die Segelsportgeschichte ein. Danach wurden die Sicherheitsmaßnahmen und die Auflagen für Teilnehmer extrem verschäft.

Das bekommen zwei Jahrzehnte später nun auch die Böhnerts zu spüren. Freddy Böhnert war schon rund fünf Wochen vor dem Startschuss zur 74. Auflage mit seiner "Lunatix" in Sydney angekommen – keinen Tag zu früh. "Wir haben jeden Tag gebraucht, um die vielen Bedingungen zu erfüllen", berichtet Böhnert, der im Rennen auch von seinen Kindern begleitet wird, während Heinke Böhnert das Team von Land aus unterstützt. "Reicht bei uns in Deutschland für Schwimmwesten das Ablaufdatum, müssen sie hier alle noch einmal zertifiziert werden. So ist es mit fast allen Ausrüstungsgegenständen. Nun ist das ganze Schiff aber endlich von hinten bis vorn durchzertifiziert." Das sportliche Ziel der Böhnerts ist klar definiert: "Wir wollen ankommen." 

Das Rolex Sydney Hobart Race 2018

Das Rolex Sydney Hobart Race führt seine Teilnehmer von Sydney nach Hobart auf Tasmanien

Ein wenig stolz ist der erfahrene Skipper aber schon vor dem Start: "Wir sind das erste deutsche Boot, das auf eigenem Kiel aus der Heimat hier angereist ist." Der Leistung soll nun ein gelungenes Rennen folgen. Es zu bestehen ist nicht jedem vergönnt. Vor einem Jahr hatte die "Rockall V"-Crew des Hamburger Reeders und Kapitäns Christopher Opielok die Regatta mit Ruderbruch unter haarigen Bedingungen aufgeben müssen. Wenn Freddy Böhnert sich im Hafen von Sydney umsieht, bietet sich ein imposantes Bild von der Flotte: "Ich sehe hier neben unserem Boot, das sich ja auf Weltreise befindet, nur Racer…" Viele der großen Rekordyachten und auch ehrgeizige Crews auf der Jagd nach der begehrten Tattersall-Trophäe für den Gesamtsieg nach berechneter Zeit sind mit Profis aus dem America’s Cup oder dem Volvo Ocean Race gespickt, während das deutsche Team mit einer reinen Amateurmannschaft antritt. Die Wetteraussichten sind – auch wenn es noch ein paar Tage sind bis zum Startschuss – bislang eher vielversprechend.

Tatjana Pokorny am 23.12.2018

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