Stefan Knabes "Husarenstück" unter der Großen-Belt-Brücke

Silverrudder: Ein bisschen hart, ein bisschen zart – Teil 5

Jochen Rieker am 22.09.2019

Wie groß die Leidenschaft ist, mit der manche das Silverrudder angehen, verdeutlicht vielleicht das am besten, was Stefan Knabe sein "Husarenstück" nannte. Der Veteran der Regatta rund Fünen, seit 2014 jedes Mal dabei, trat erstmals mit seiner J/39 an, die er diese Saison erst von Peter Wrede übernommen hatte. Deren Mast misst mit Windgeber und Antenne gut 19 Meter in der Höhe – eigentlich zu viel für die Westbrücke über den Großen Belt, die gleichwohl drei Seemeilen Umweg spart und bei dem vorherrschenden Wind auch einen besseren Winkel erlaubt.

Einfach auf gut Glück wollte es der Lübecker dann aber auch nicht versuchen. Also fuhr er vor zwei Wochen nach Dänemark, lieh sich ein Motorboot und vermaß mit einem Laser die Brückenfächer, um Gewissheit zu haben. "Ich bin jetzt im Besitz streng geheimer Daten", verriet er heute Früh schmunzelnd. So hielt er sich einige der schnelleren Yachten vom Hals, darunter Peter Kohlhoff mit dessen "Gloria".

"Natürlich habe ich mich gefragt: Guckst du hoch oder nicht?", erzählt Stefan Knabe über die Herzschlag-Passage. "Gemessen ist schließlich gemessen." Geguckt hat er trotzdem: "Da fehlte wirklich nur 'ne Handbreit." Er belegte Platz 5 in seiner Klasse, was für ihn "die Bronzemedaille für Arme" ist, weil er gegen Racer wie "Red" und Black Maggy" ohnehin nie eine Chance hätte.

Derzeit segelt er genussvoll und mit einem breiten Grinsen zurück nach Heiligenhafen, wo er seinen Liegeplatz hat. "Das war wirklich 'ne schöne Regatta: anspruchsvoll, aber auch zum Genießen. Ich wüsste nicht, wie man die Saison besser beenden könnte."   

Silverrudder 2019

Härte 10: Martin Breyer stand Samstagabend schon vor dem Svendborg-Sund, musste wegen Gegenstrom aber noch eine Nacht ausharren, eher er auf seiner Seascape 18 "Chilly" als letzter innerhalb der Wertung ins Ziel kam 

Das Gros der Teilnehmer schwärmte ähnlich wie der findige Bauingenieur, der in früheren Jahren durch trickreiche Modifikationen seinem früheren Boot, einer Luffe 37, Beine gemacht hatte. Doch es gab auch Skipper, die umkehrten oder Bruch erlitten und aufgeben mussten.

Am härtesten erwischte es Dirk Rosskamp auf seinem Farrier F28R "Tribelle". Er war nur wenige Meter nach dem Start vom Strom gegen eine stählerne Fahrwasser-Tonne gedrückt worden und riss sich bei der Kollision den Schwertkasten seines C-Foils auf, sodass er nicht weitersegeln konnte.

Als die anderen Tris ausgangs des Svendborg-Sunds bereits Kurs auf die Große-Belt-Brücke nahmen, machte er als Einziger wieder im Stadthafen fest. Der war ansonsten komplett leer. Ein irgendwie irritierender Anblick, denn wenige Stunden zuvor pulsierte hier noch das Leben. Einen langen Tag später ebenso. 

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Jochen Rieker am 22.09.2019

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