Class-40-Skipper und Sieger Mathias Müller von Blumencron über den Charme der Regatta

Silverrudder: Ein bisschen hart, ein bisschen zart – Teil 4

Jochen Rieker am 22.09.2019

"Das Faszinierende ist ja, dass du alles allein machen musst, und zwar in einem extrem engen Gewässer mit zuweilen Dutzenden von Schiffen in Sichtweite. Wenn nach Sonnenuntergang die Positionslichter angehen, denkst du, dass ein gigantischer Drohnenschwarm auf dich losgelassen wurde, und du hast alle Hände voll damit zu tun, dem Angriff auszuweichen.

Ich habe es nicht mal geschafft, mir abends eine Tütensuppe zuzubereiten, weil ich ständig auf die anderen Schiffe aufpassen musste und weil in der kurzen Welle und bei dem böigen Wind das Steuern von Hand doch deutlich schneller war.

Zu wenig zu essen allerdings ist immer ein Fehler; dir fehlt die Energie, und du wirst unkonzentriert. So habe ich am frühen Morgen eine Spinnakerschot innenwants geschoren – und habe das erst nach der Halse gemerkt. Ist mir noch nie passiert.

Aber Silverrudder ist nicht nur das Rennen. Es sind auch die Momente mit sich allein an Bord. Das sind nicht selten Stunden der Wahrheit. Schaffst du jeden Segelwechsel, der jetzt geboten wäre? Oder vielleicht noch wichtiger: Gehst du dir selbst auf die Nerven? Diesmal war alles gut ...

Und dann gibt es die schönen Stimmungen: die flache Wolkenstruktur mit ihrem windgeladenen Muster auf dem Weg nach Norden. Die Stille der Nacht im Kleinen Belt, wo man zuweilen den Tieren im Wald bei ihren Streifzügen zuhören kann. Und das Segeln der aufgehenden Sonne entgegen im Wissen, dass das Ziel nicht mehr fern ist. Silverrudder ist eine riesige Selbsterfahrungsgruppe – kurz und intensiv. Und an Land muss dann alles raus – Bootsschnack ohne Ende."

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Jochen Rieker am 22.09.2019

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