Round the World Race

Edwards im Glück: "Maiden" kommt nach Hause

Als Boot mit der ersten reinen Frauen-Crew wurde "Maiden" im Whitbread Round the World Race 1989/1990 berühmt. Jetzt kommt sie nach langer Odyssee im April heim

Tatjana Pokorny am 19.02.2017
Tracy Edwards "Maiden"
Trace Edwards/The Maiden Factor

Maiden / Tracy Edwards

Vor fast drei Jahrzehnten schrieben "Maiden", ihre Skipperin Tracy Edwards und die erste rein weibliche Crew im Whitbread Round the World Race (heute: Volvo Ocean Race) Geschichte. In ihrer Klasse belegten die zwölf Frauen damals bei der fünften Auflage der bekanntesten Mannschaftsregatta um die Welt nach zwei Etappensiegen Platz zwei, im Gesamtklassement Platz 18. Die Ziellinie des Rennens über sechs Etappen hatte "Maiden" am 28. Mai 2015 um 11 Uhr morgens gekreuzt. Anschließend wurde Tracy Edwards von der britischen Königin mit dem Verdienstorden "MBE" (engl.: Member of the British Empire) ausgezeichnet und in ihrer Heimat als erste Frau zur "Seglerin des Jahres" gewählt. Seitdem sind sowohl Edwards als auch ihre ehemalige Yacht durch Himmel und Hölle des Lebens gegangen. Doch jetzt steht die glückliche Wiedervereinigung im April bevor.

Studio-Interview mit Dee Caffari und Tracy Edwards bei Sky Sports

Wie einst vor 27 Jahren voller Energie: Tracy Edwards, erste Skipperin im Whitbread Round the World Race

Edwards erinnert an die Whitbread-Zeit: "Als 'Maiden' damals die Startlinie kreuzte, gingen Schockwellen durch die Segelwelt. Als wir zwei Etappen gewannen und Zweite (Red.: in ihrer Klasse) insgesamt wurden, war ein für allemal bewiesen, dass Frauen auch gut segeln können. Wenn nicht sogar besser als Männer. Es hat den Segelsport für immer verändert und einigen der bekanntesten Seglerinnen wie Dawn Riley, Sam Davies und Emma Richards den Weg gebahnt."

Maiden

Wiedersehen nach 27 Jahren: Tracy Edwards und "Maiden" auf den Sychellen

In den Folgejahren hatte Edwards nach einigen Jahren schöpferischer Pause zunächst zur Jagd auf die Jules Verne Trophy geblasen. Der Triumph war ihr aber 1998 trotz bester Aussichten nach einem Mastbruch der "Royal and Sun Alliance" im Südpolarmeer versagt geblieben. Mitte der 2000er-Jahre hatte Edwards noch einmal für internationale Schlagzeilen gesorgt: Der Ankündigung im Oktober 2003 eines Vierjahresvertrages mit dem Golfstaat Katar hatte ein aufsehenerregendes Rennen um die Welt mit hohen Preisgelder folgen sollen. Doch das Projekt endete für die Britin im Desaster, weil Katar die zugesagten Sponsoren- und Preisgelder nicht auszahlte. Trotz persönlicher Insolvenz und der wohl härtesten Zeit ihres Lebens blickt Edwards heute versöhnt auf diese Phase ihres Lebens zurück: "Der Oryx Cup war eine fantastische Veranstaltung. Zum ersten Mal überhaupt fand eine Regatta mit Start- und Zielhafen im Mittleren Osten statt. Wir hatten die erste Nonstop-Weltumsegelung kreiert, die im Mittleren Osten begann und endete." Dass sie damals alles verloren habe, habe sie "an das erinnert, was wirklich wichtig ist im Leben: meine Tochter, meine Familie, meine Freunde und das Leben".

Maiden

Die "Maiden" ist in bemitleidenswertem Zustand. Edwards will sie heimholen und ihr ein neues Leben schenken

Eineinhalb Jahrzehnte später ist Edwards immer noch die Kämpferin von einst. So hat sie in den letzten Jahren neben vielen ehrenamtlichen Tätigkeiten und Einsätzen als Gastrednerin bei großen Veranstaltungen erfolgreich einen Rettungsfond für die "Maiden" ins Leben gerufen. Edwards will ihr ehemaliges Boot nach Hause zurückholen, wo das Schiff nach dem geplanten Refit als Botschafterin für Frauen- und Mädchenrechte in Kooperation mit verschiedenen Stiftungen wieder in Dienst genommen werden soll. Die "Maiden", so Edwards, werde Zeit ihres Lebens der Leuchtturm dafür sein, "was Frauen mit harter Arbeit, ein paar Träumen und in Zusammenarbeit als Team erreichen können".

Maiden 2017

Es gibt viel zu tun, bis die "Maiden" wieder fit ist

So auch die Heimkehr der 58 Fuß langen "Maiden", die nach nach bewegtem Schiffsleben herrenlos auf den Sychellen gelandet war, dort vor drei Jahren von den letzten Eignern aufgegeben wurde und im wrackähnlichen Zustand kaum mehr eine Zukunft hatte. Edwards hatte "Maiden" am 10. Januar besucht. Das Wiedersehen verlief für die Engländerin schockierend und berührend zugleich. Schockierend, weil das Boot in einem desaströsen Zustand ist. Berührend, weil "Maiden" immer noch das Boot ihres Lebens ist und auch die Rettungsmission nun endlich anläuft. Im Gespräch mit YACHT online erzählt Edwards: "Wir haben eine beträchtliche Sponsoring-Summe zusammenbekommen. Dazu haben wir jetzt die Unterstützung von König Husseins Tochter Prinzessin Haya bint als Hussein. Ich sehe der Zukunft sehr positiv entgegen."

"Maiden" soll laut Edwards Mitte März auf ein Frachtschiff verladen werden und England im April erreichen. Dort soll sie auf einer Werft in der Universal Marina am Hamble River bei Southampton über den Zeitraum von rund einem Jahr wieder instandgesetzt werden, bevor sie Segel setzen kann. "'Maiden' ist wie ich: eine Kämpferin und ein Überlebenstalent. Wir werden sie wieder in Form bringen", kündigt Edwards an.

Tatjana Pokorny am 19.02.2017

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