Vendée Globe

Dramatische Nacht in der Biskaya

Drei Mastbrüche, ein strukturell beschädigter Rumpf – Ausfälle dezimieren das Feld.

Andreas Fritsch am 11.11.2008

Muss mit beschädigtem Rumpf umkehren: Alex Thomsons mit "Hugo Boss"

Die morgendliche Bilanz, nachdem ein Sturmtief mit bis zu 50-Knoten-Böen über die Teilnehmer hinwegfegte, fällt bitter aus: Marc Thiercelins "DCNS", Yannick Bestavens "Aquarelle" und Kito de Pavants "Groupe Bel" verloren alle drei den Mast. Alex Thomsons "Hugo Boss" hat einen Riss im Rumpf und macht Wasser, sodass der Brite umdrehte.

Schon gestern orakelte Thomson: "Diese erste Sturmfront wird die Männer von den Jungs trennen" und meinte damit, dass das Feld sich stärker aufteilen würde. Dass es ihn selbst dabei mit Bruch erwischen würde, hatte er wohl nicht erwartet. An der Backbordseite seiner "Hugo Boss" ist ein Riss entstanden, direkt gegenüber des reparierten Bereichs an der Steuerbordseite. Vor zwei Wochen hatte ein Fischtrawler "Hugo Boss" gerammt und schwer beschädigt. In einem Kraftakt war es dem Team gelungen, das Boot für den Start wieder zu reparieren — und nun das.

"Der Rumpf macht Wasser, aber mit den Pumpen habe ich es im Griff", meldete Thomson von Bord und segelt nun langsam zurück nach Les Sables d’Olonne. Den gleichen Kurs fahren Marc Thiercelin, Kito de Pavant und Yannick Bestaven mit ihren in der Nacht entmasteten Booten. Für die vier ist das Rennen wohl zu Ende, auch wenn das Reglement der Vendée bis zehn Tage nach dem Startschuss eine Wiederaufnahme zulässt. Schon mehrfach hatten Teilnehmer in der Vergangenheit nach einem frühen Mastbruch einen Ersatzmast gestellt und waren wieder ins Rennen gegangen.

Entmastet: Marc Thiercelins "DCNS"

Die Rückkehr gelang nur zwei der mittlerweile acht Skippern, die bislang umkehren mussten: Nachdem gestern bereits der Schweizer Dominique Wavre mit seiner "Temenos" wieder dabei ist (Elektrik-Probleme, 128 Meilen Rückstand), ist auch der Vendée-Gewinner von 2000 Michel Desjoyeaux mit seiner "Foncia" wieder dabei. Er hatte Generator-Probleme und leckende Ballast-Tanks gemeldet und war schon gestern zurück gesegelt. Heute morgen war der Franzose mit 360 Meilen Rückstand wieder auf der Reise um die Welt.

Gleiches hofft der Schweizer Bernhard Stamm im Laufe des Tages zu schaffen. Fieberhaft arbeitet sein Team an einem neuen Bugspriet, den er sich bei einer Kollision mit einem Fischerboot abbrach.

Das Feld beginnt sich derweil langsam auseinanderzuziehen. An der Spitze liegen mit Jean-Pierre Dick (Paprec-Virbac 2"), Loïck Peyron ("Gitana 80") und Roland Jourdain ("Veolia") drei Skipper des Favoritenkreises im Abstand von nur knapp drei Meilen. Danach folgt Vorjahressieger Vincent Riou ("PRB"), Armel Le Cléac´h ("Britair") und Sebastien Josse ("BT") mit knapp 10 bis 15 Meilen Rückstand. Danach werden die Lücken rasch größer. Der einzige deutschsprachige Teilnehmer Norbert Sedlacek aus Österreich liegt bereits rund 200 Meilen zurück.

Andreas Fritsch am 11.11.2008

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