Regatta-News

Drama direkt nach dem Start

Kenterung, Crash und Mastbruch bei der Route du Rhum

Andreas Fritsch am 11.11.2002

Die gekenterte "Groupama"

Fotostrecke: Drama direkt nach dem Start

Seinen Ruf als eines der härtesten Einhand-Transatlantik-Rennen wurde das am Wochenende gestartete Rennen von St. Malo nach Guadeloupe mehr als gerecht. Im Bestreben, möglichst vom Start weg ein hohes Tempo zu gehen, erwischte es gleich eine ganze Reihe von Skippern faustdick.

Am schlimmsten traf es den Franzosen Franck Cammas auf seinem 60-Fuß-Trimaran "Groupama". Nur wenige Stunden nach dem Start kenterte er mit seinem Boot bei relativ moderaten Bedingungen (ca 15-20 Knoten Wind) durch. Die in der Nähe segelnde Karin Fauconnier auf ihrem Tri "Sergio Tacchini" beobachtete und meldete das Unglück sofort an die Wettfahrtleitung und kam dem Skipper zu Hilfe.

Doch als ob die Kenterung nicht genug gewesen wäre, passierte wenig später das nächste Drama. Jean Le Cam raste in stockdunkler Nacht mit seinem Tri "Bonduelle" direkt in den kieloben schwimmenden "Groupama". Beide Skipper blieben unverletzt, doch Le Cam riss sich ein ungefähr einen Quadratmeter großes Loch in sein Boot, sodass auch für ihn das Rennen beendet ist.

Franck Cammas saß seit seiner Kenterung gestern Abend auf seinem treibenden Kat, den er trotz Bergungsangeboten eines Rettungshubschraubers nicht verlassen wollte, da sonst das Risiko besteht, dass eine Bergungsfirma sich das unbemannte millionenteure Boot unter den Nagel reißt. Mittlerweile wird der Tri von einem vom Landteam organisierten Bergungsschlepper in den nächsten Hafen gezogen.

Ebenfalls mit Problemen kämpft der Franzose Michel Desjoyeaux auf seinem 60-Fuß-Tri "Géant". Er musste bei Brest einen Stopp einlegen, da seine Elektronik Probleme machte und alle Latten des Großsegels gebrochen waren. Mittlerweile ist er mit etwa 80 Meilen Rückstand wieder ins Rennen gegangen.

Nahezu zeitgleich gab Bertrand de Broc mit seinem Trimaran "Banque Covéfi" aus technischen Gründen bekannt, dass er das Rennen beendet.

Nicht viele besser als den gebeutelten Trimaran-Seglern erging es den bereits am Samstag Nachmittag gestarteten Monohull-Skippern. In der Gruppe der Open 60s erwischte es zuerst Sebastian Josse, der kurz nach dem Start den Mast seiner "VMI", der ehemaligen "Sodebo" von Thomas Coville, verlor. Die Ursache für den Mastbruch ist unbekannt, das Boot ist unter Maschine bereits auf dem Weg in den Hafen.

Ebenfalls Pech hatte der Franzose Loïck Pochet mit seinem 60-Fußer "Le Rage de Vivre". Er kollidierte im Dunklen mit einem nicht identifizierten treibenden Objekt und lief mit beschädigten Bug Brest an.

Ungeachtet der vielen Probleme sind die Positionskämpfe im Feld in vollem Gange. Bei den Trimaranen setzte sich überraschend Marc Guillemont mit "Bisquits la Trinitaine" an die Spitze vor dem Favorit Loïck Peyron auf "Fuji". Dritter ist Francis Joyon auf "Eure & Loir".

Bei den Open 60s führt dagegen bereits Favorit Roland Jourdain mit seiner "Sill" vor Mike Golding mit "Ecover". Die Vendée-Globe-Zweite Ellen MacArthur befindet sich mit ihrer "Kingfisher" dagegen nur auf Platz vier, doch das Feld liegt noch dicht zusammen.

Für die nächsten Tage erwarten die Meteorologen Wetterbedingungen, die den Skippern aller Boote einiges abverlangen: Auf dem Kurs Richtung Südwesten wehen starke Gegenwinde, die zudem eine hohe See auftürmen - nicht gerade ideal für die schnellen Trimarane.

Andreas Fritsch am 11.11.2002

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