Nach Mastbruch

Dongfeng gibt Königsetappe auf

Wettlauf gegen die Zeit: Überführungscrew soll das Boot unter Notrigg und Maschine nach Itajai bringen – Ian Walkers Team weiter in Führung

Jochen Rieker am 01.04.2015
Dongfeng läuft Ushuaia an

Dongfeng läuft Ushuaia an

Nach dem Rückschlag am Montag haben Skipper Charles Caudrelier und sein Team entschieden, die fünfte Etappe von Auckland nach Itajai aufzugeben – ein Schritt, der sie zwei Punkte in der Gesamtwertung kosten wird. Doch war an eine Rückkehr ins Rennen unter Segeln offenbar nicht zu denken.

Statt um die Führung kämpft die Donfeng-Crew jetzt gegen die Zeit. 2000 Meilen sind es bis zum Etappenhafen in Brasilien, wo sie ein neues Rigg stellen wird. Um die Distanz möglichst schnell zu überwinden, soll der Motor mitlaufen, wenn nötig. Denn mit dem stark lädierten Mast, der gerade so gut wie möglich stabilisiert wird, sind keine großen Etmale zu schaffen – falls er überhaupt hält. Deshalb funktioniert die Mannschaft einen der Ballasttanks zum Treibstofflager um; die Kapazität des Haupttanks wäre bei weitem zu klein für die verbleibende Distanz.  

Ushuaia ist kein schlechter Hafen für die jetzt anstehenden Arbeiten. Viele Extremsegler leben hier oder machen auf der Durchreise Station. Ihre Hilfsbereitschaft ist legendär. In kürzester Zeit konnte Dongfeng ein gebrauchtes Groß auftreiben, das für den nach dem Bruch deutlich verkürzten Mast passend gemacht wird. Kevin Escoffier, der McGyver in der Crew, arbeitet am Rigg.

Wenn es morgen wieder in See geht, steht der Crew neben der Maschine eine Notbesegelung aus kleiner Fock und dem Ersatzgroß zur Verfügung. Wie gut der Volvo 65 damit vorankommt, insbesondere hoch am Wind, wo die Belastung fürs Rigg besonders groß ist, wird sich zeigen. Dongfeng hofft, nur zehn Tage bis Itajai zu brauchen – gelänge das, stünde noch genug Zeit zur Verfügung, um den neuen Mast zu stellen und einzutrimmen.   

Für die Überführung werden Skipper Charles Caudrelier und seine erfahrensten Leute abmustern. Drei Mann aus dem Technikteam, die beiden Chinesen Wolf und Black und eventuell noch einer aus der Stammcrew sind für den Rest der Etappe an Bord. Das verschafft den anderen ein Paar Tage dringend benötigter Erholung. Eine nachvollziehbare Entscheidung, wird der Erfolgsdruck auf den verbleibenden Teilstücken doch größer sein als je zuvor, will Dongfeng wieder in den Kampf um den Gesamtsieg einsteigen.  

Unterdessen behauptet Abu-Dhabi-Skipper Ian Walker weiter knapp die Führung, die er kurz nach der Rundung von Kap Hoorn übernommen hatte – vor Alvimedica, Mapfre und Brunel. Die Frauen von SCA haben Kap Hoorn noch vor dem Bug. Sie liegen nach Patenthalse, Bruch und einem inzwischen wieder behobenen Totalausfall der Bordelektrik abgeschlagen 740 Seemeilen achteraus. Auch wenn die Hoffnung zuletzt stirbt: eine Chance, aufzuschließen, haben Sam Davies und ihre Crew inzwischen nicht mehr.  

Jochen Rieker am 01.04.2015

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