Kieler Woche

Die Regattakönigin am Wendepunkt

Die deutsche Nationalmannschaft hat im olympischen Teil der Kieler Woche vier Titel geholt. Doch die goldene Bilanz hat auch eine Kehrseite

Tatjana Pokorny am 24.06.2015
Kieler Woche 2015

Lara Vadlau ist nach ihrem erneuten Bänderriss zurück. Das kleine Kieler-Woche-Feld nutzte die Österreicherin zum Aufwärmen. Mit acht Siegen in acht Wettfahrten waren sie und ihre Vorschoterin Jolanta Ogar auf Anhieb wieder voll da

Die deutsche Nationalmannschaft hat im olympischen Teil der Kieler Woche vier Titel geholt. Nach dem vorzeitigen Sieg durch die jungen Kieler Aufsteiger Paul Kohlhoff und Carolina Werner in der neuen olympischen Mixed-Katamaran-Klasse Nacra 17 haben am Mittwoch auch der Oldenburger Lasersegler Tobias Schadewaldt und die Kieler 49er-Segler Justus Schmidt und Max Böhme die Serie auf der Förde gewonnen. Für Schadewaldt war es nach zwei 49er-Siegen in den Jahren 2011 und 2012 der dritte Titel. Justus Schmidt und Max Böhme konnten sich im Heimatrevier erstmals durchsetzen. Gleichzeitig segelte Paralympics-Sieger Heiko Kröger zu seinem achten Kieler-Woche-Triumph im 2.4-mR-Kielboot. Ein starker Endspurt reichte dem Jersbeker, um den bis dahin führenden Norweger Bjørnar Erikastad mit einem Punkt Vorsprung noch vom obersten Podestplatz zu verdrängen. Die stärkste olympische Serie legten Österreichs 470er-Weltmeisterinnen hin: Lara Vadlau und Jolanta Ogar bestritten acht Wettfahrten und gewannen sie alle. Silbermedaillen holten die 49er-Europameister Erik Heil und Thomas Plößel sowie im 49er FX Leonie Meyer und Elena Stoffers, die nach dem Medaillenrennen einen Punkt Vorsprung vor den drittplatzierten Zwillingen Jule und Lotta Görge hatten.

KiWo Tag 5 in 60 Sekunden

Nach flauen Tagen ging es in den Medaillenrennen der 121. Kieler Woche stürmisch mit bis zu 25 Knoten Wind zur Sache.

Kieler Woche 2015

Erster Kieler-Woche-Sieg im Laser, dritter insgesamt: Tobias Schadewaldt setzte sich in der olympischen Einhandklasse durch

In den Jubel über die gute deutsche Bilanz vor den anstehenden Europa- und Weltmeisterschaften, bei denen es für die Mannschaften der deutschen Nationalmannschaft nicht nur um Medaillen, sondern auch um Startplätze für die Olympischen Spiele und die persönliche nationale Qualifikation geht, mischte sich aber auch Kritik an der Kieler Woche: Die Kieler-Woche-Flotten genügten weder quantitativ noch qualitativ den Ansprüchen der Organisatoren und der teilnehmenden Segler. Mit insgesamt nur 269 Teams in acht olympischen und einer paralympischen Disziplin war ein neuer Minusrekord erreicht. Der Verlust des Weltcup-Status vor drei Jahren und zu viele zu dicht an der Kieler Woche liegende Europa- und Weltmeisterschaften hatten zu dem heftigen Aderlass geführt. Die meisten internationalen Top-Segler der olympischen Klassen waren in diesem Jahr an der Kieler Woche vorbeigesegelt.

Kieler Woche 2015

Olympiasieger unter sich: Biathlon-Königin Magdalena Neuner und Deutschlands erfolgreichster Segler Jochen Schümann trafen sich auf Einladung von Kieler-Woche-Partner Audi in Schilksee

Das fiel auch dem Präsidenten des Deutschen Olympischen Sportbundes bei seinem Besuch im Olympiazentrum Kiel-Schilksee auf. Alfons Hörmann genoss zwar "die schönen Erfolge der deutschen Segler" und die "hervorragende mediale Umsetzung" des spannenden Sports auf dem Wasser, sagte aber mit Blick auf die überschaubaren Regattafelder: "Der Verlust des Weltcup-Status birgt die echte Gefahr, in die Zweitklassigkeit abzurutschen. Es muss alles daran gesetzt werden, wieder Weltcup zu werden." Auch wies Hörmann darauf hin, dass Kiel weltweit zwar höchstes Ansehen genieße, es jedoch auch "eine Menge Veränderungsbedarf" gäbe. Dabei warf er vielsagende Blicke auf die Fassaden des Olympiazentrums, dessen hässliches Siebziger-Jahre-Betongewand seit Jahrzehnten Anlass zu Diskussionen gibt.

Zuvor hatte bereits Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer energisch die angestrebte Trendwende eingeläutet: "Jetzt ist die Zeit für den Turnaround. Wir werden kämpfen und bei den kommenden Kieler Wochen zeigen, was wir können." Hausgemacht ist die sportliche Krise der Kieler Woche nicht. Der vom Welt-Seglerverband entzogene und an die kleineren Mitbewerber Hyères in Frankreich und Weymouth in Großbritannien vergebene Weltcup-Status, die Termindichte und nicht durch den Welt-Seglerverband kontrollierte Klassenvereinigungen, die ihre EMs und WMs nach Belieben terminieren, habe Kiel den aktuell undankbaren Platz auf der Ersatzbank eingebracht.

Heiko Kröger

Riss das Ruder im letzten Rennen noch herum und überholte den Norweger Bjørnar Erikstad. Am Ende reichte Heiko Kröger ein Punkt Vorsprung zum achten Kieler-Woche-Titel

Dabei hat die Kieler Woche in diesem Jahr nicht nur mit vorbildlichem Service für die Segler an Land und mit der Live-Berichterstattung vieles richtig gemacht und ein auffällig großes Publikum in Schilksee begeistert. Auch für ihr aufgerüstetes Regattamanagement erhielten die Norddeutschen durchweg Bestnoten von den Aktiven. Tobias Schadewaldt sagte: "Die Kieler ist eine der prestigereichsten Regatten der Welt. Das Regattamanagement war erstklassig." Die Organisatoren wollen in den kommenden Wochen und Monaten die Weichen für den ins Visier genommenen Aufwärtstrend stellen. Der neue Organisationsleiter Dirk Ramhorst versprach eine "intensive Analyse verschiedener Zukunftsszenarien" und eine "proaktive Positionierung" für die Kieler Woche.

Tatjana Pokorny am 24.06.2015

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