Route du Rhum

"Die Pflicht ist beendet, die Kür beginnt"

Während sich François Gabart und sein mächtiger Trimaran "Macif" der Ziellinie vor Guadeloupe nähern, atmen die Class40-Skipper nach stürmischen Zeiten auf

Tatjana Pokorny am 11.11.2018
Route du Rhum 2018
Alexis Courcoux/Route du Rhum

François Gabart nähert sich auf "Macif" der Ziellinie vor Guadeloupe, hat einen neuen Rekord im Visier

Auch wenn die letzten Seemeilen für François Gabart auf seinem Trimaran "Macif" rund um Guadeloupe bei einer Geschwindigkeit von nur noch knapp sechs Knoten quälend langsam verlaufen, weil der Wind stark nachgelassen hat: Der Franzose dürfte die Ziellinie in den kommenden Stunden in neuer Rekordzeit erreichen. Dabei kam ihm sein hartnäckiger Verfolger Francis Joyon auf "Idec Sport" noch einmal ganz nah, hatte am Abend nur noch 13 Seemeilen Rückstand als es für Gabart noch 30 Seemeilen bis ins Ziel waren – ein spannendes Schluss-Szenario, das in dieser Nacht seiner Auflösung erfahren wird. Worauf die Imoca-Flotte noch eine Weile warten muss: Alex Thomson lag am Sonntagabend auf "Hugo Boss" mit 90 Seemeilen Vorsprung vor "SMA"-Skipper Paul Meilhat dominant in Führung und hatte noch rund 1600 Seemeilen bis ins Ziel zu absolvieren. Boris Herrmann segelte auf "Malizia 2 – Yacht Club de Monaco" mit knapp 200 Seemeilen Rückstand auf Thomson dem Ziel entgegen.

Route du Rhum 2018

Kam, sah und hat den nächsten Triumph schon vor Augen: "Macif"-Skipper François Gabart, der die vergangene Auflage der Route du Rhum noch in der Imoca-Klasse gewonnen hatte

Route du Rhum 2018

"Golden Boy" François Gabart nähert sich auf "Macif" der Ziellinie, steht vor seinem nächsten Triumph

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Für die Class40-Skipper ist der Weg noch weiter. Für Spitzenreiter Yoann Richomme auf "Veedol – AIC" waren es am Sonntagabend zur besten "Tatort"-Zeit noch 2184 Seemeilen bis ins Ziel. Damit hatte der 80 Seemeilen vor dem zweitplatzierten Briten Phil Sharp liegende Franzose rund ein Drittel des Kurses von insgesamt 3500 Seemeilen absolviert. Nach einer Woche mit Härtestes in Folge konnte am Sonntag auch der Hamburger "Iskareen"-Skipper Arnt Bruhns aufatmen, der über den siebten Tag auf See wieder auf Platz 20 in der auf 47 Boote dezimierten Class40-Flotte vorgerückt war. In seinem aktuellen Bericht von Bord lässt Bruhns die YACHT-online-Leser an seiner Freude darüber teilhaben, dass die schlimmsten Qualen dieser 11. Route du Rhum überstanden scheinen.

Sonntagsreport von "Iskareen"-Skipper Arnt Bruhns

Route du Rhum 2018

Arnt Bruhns bei der Arbeit an Bord von "Iskareen"

Morgens (Definition durch Uhrzeit und Wechsel der Himmelfarbe von Dunkeldunkelgrau zu Mitteldunkelgrau) wird es etwas handiger, der Wind geht auf 20 bis 25 Koten runter, doch die Welle bleibt zunächst noch stehen. Gegen Vormittag dann auf einmal eine blaue Schattierung am Himmel, kurz darauf ein Fleck und etwas Sonne. Es sieht tatsächlich so aus, als ob der Pflichtteil nun beendet sein sollte und die Kür beginnt - aus dem Survival- direkt zurück in den Racemodus. Nächstes Etappenziel ist Madeira, an dem uns die Großraum-Routings direkt vorbeiführen, je nach Modell knapp in Luv oder Lee. Um da schnell hinzukommen, müssen wir zunächst etwas nach Westen. Ich hatte, um dem schlimmsten Teil des letzten Tiefs zu entgehen, einen Durchbruch auf direktem Weg entlang der portugiesischen Küste gemacht, was soweit auch ganz gut war, da Schiff und Schiffer noch einigermaßen fit sind. Dafür müssen wir jetzt wieder nach Westen um den neuen Wind zu bekommen, der uns auf Kurs Südwest nach Madeira bringen soll. Die Reise beginnt also mit einigen Kreuzschlägen - bloß warum fährt das Boot auf dem anderen Bug nur so schlecht und liegt so schief? Ein Blick auf die kreisrunden transparenten Inspektionsdeckel der Ballasttanks gibt Aufschluss: Wenn man vergisst, vor der Wende den Wasserballast ins neue Luv herabzulassen, hat man eine Dreivierteltonne Ballast – in Lee.... Sind das erste Fehlleistungen nach einer anstrengenden knappen Woche auf See? Auf jeden Fall zieht es zwei weitere Wenden nach sich, zwischen denen schnell die Schieber gezogen werden, die das Wasser nach Lee rauschen lassen. Der Resttag und die folgende Nacht stehen dann ganz im Zeichen der Suche nach der nächsten Front, die den Rechtsdreher zum Abflug Richtung Madeira beinhaltet. In meiner Nähe stehen zwei Class 40s, 'Espoir pur un Rhum' und 'Volvo', die Frontgruppe von circa zehn Booten ist mit vollem Risiko durch alle Tiefs gesegelt (einige Boote hat es dabei zerlegt) und über alle Berge, der Rest steht deutlich weiter nordwestlich oder kommt aus den Häfen hinterhergehumpelt, in denen er Schutz gesucht hatte.

Route du Rhum 2018

Der Regenbogen zeigt es an: Das Stimmungsbarometer steigt in der Class40-Klasse und bei "Iskareen"-Skipper Arnt Bruhns stark an

Tatjana Pokorny am 11.11.2018

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