Regatta

Die Mini-Saison beginnt: Bogacki/Stanjek sind am Start

An diesem Wochenende werden die ersten Seemeilen ins Logbuch des deutschen Mini "Lilienthal" eingetragen

Lars Bolle am 12.04.2019
Offshore Team Germany
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Morten Bogacki (L.) und Robert Stanjek auf dem Mini "Lilienthal" in Lorient

Für 46 Minis geht es am Freitag bei der Plastimo Lorient auf den 250 Seemeilen langen Kurs, der die Crews in einem Dreieckskurs von der französischen Hafenstadt zur Südspitze der Bretagne (Penmach) und um die Belle Ile herumführt. Morten Bogacki wird dieses Zweihand-Rennen gemeinsam mit Robert Stanjek segeln. Skipper Stanjek, der als Team-Captain das Weltrennen "The Ocean Race" 2021/22 im Fokus hat, wird seinen Teamkollegen Bogacki als Co-Skipper unterstützen, die nächsten Seemeilen auf das Mini-Konto zu packen, um die Voraussetzungen für einen Start beim Mini-Transat La Boulangère zu erfüllen.

Bereits 2017 segelte der Mini "Lilienthal" des Offshore Team Germany (OTG) beim Mini-Transat über den Atlantik, damals gesteuert von Jörg Riechers, der Zweiter wurde. Im September 2019 soll er zum zweiten Mal das Mini-Transatlantikrennen über zwei Etappen und insgesamt 4000 Seemeilen bewältigen – diesmal mit Morten Bogacki als Solo-Piloten.

Bogacki begann früh mit dem Segelsport: Optimist, 420er, dann der olympische 470er mit diversen Meistertiteln und einer erfolgreichen Zeit in der Nationalmannschaft sowie Einsätze als Steuermann der Bundesliga-Mannschaft des Düsseldorfer Yachtclubs stehen in seiner Vita.

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Morten Bogacki und "Lilienthal"

Doch der 33-Jährige ist nicht nur ein erfolgreicher Segler, sondern auch ambitioniert im Beruf. 2016 erlangte er seine Approbation als Arzt, ist als Radiologe in der Rendsburger Klinik aktiv. Um Beruf und Segelleidenschaft nebeneinander leben zu können, arbeitet der Düsseldorfer, der inzwischen in Kiel wohnt, auf halber Stelle. Sein Arbeitszeitkonto ist gut gefüllt, um in den nächsten Wochen die Vorbereitung für das Ziel Mini-Transat segeln zu können.

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Letzte Tests des Minis vor dem Rennen

Nach der Plastimo folgen weitere Regatten in Frankreich – dann einhand, um sich schon auf den großen Qualifier einzustellen. Noch im Frühjahr will Bogacki die 1000 Seemeilen lange Schleife von La Rochelle/Frankreich nach Irland und zurück segeln. "Um die Voraussetzungen für das Mini-Transat zu erfüllen, brauche ich noch 900 Regattameilen und eben die 1000-Seemeilen-Qualifikation", erklärt Bogacki. "Wenn alles gut läuft, habe ich alles im Frühjahr zusammen. An Himmelfahrt wollte ich wieder nach Deutschland kommen. Aber auch danach gäbe es noch genügend Möglichkeiten, um die geforderten Meilen zu segeln." Durch die Teilnahme am Zweihand-Rennen Mini-Fastnet im vergangenen Juni hatte Bogacki die ersten 600 Seemeilen in kleiner Crew in der Hochsee absolviert. Aktuell ist er der einzige Deutsche, der sich für den Start beim Mini-Transat 2019 in die Meldeliste eingetragen hat.

Im Winter hat Bogacki die "Lilienthal" selbst für den Einsatz im Atlantik frisch gemacht. Da die zunächst beauftragte Werft in Frankreich den Zeitplan nicht einhalten konnte, holte der 33-Jährige den Mini per Trailer nach Kiel und baute ihn hier neu auf. Die Aufnahmen für die Outrigger (die Riggausleger) am Cockpit mussten verstärkt, die Winschen gewartet und die Eletronik auf den neuesten Stand gebracht werden. Vor zwei Wochen fuhr Morten Bogacki das Boot gemeinsam mit OTG-Boatcaptain Adrain Bleninger nach Lorient, um es ins Wasser zu bringen, den Mast zu stellen, Kiel und Ruder zu montieren. Jetzt gilt es, weitere Erfahrungen mit der "Lilienthal" zu sammeln.

Bogacki dämpft vor seiner ersten Atlantiküberquerung allerdings zu hochfliegende Erwartungen: "Meine Priorität ist es, das Boot sicher über den Atlantik zu segeln. Daher werden wir 'Lilienthal' auch jetzt nicht mit Foils ausstatten, auch wenn vielleicht ein paar Neuentwicklungen mit Foils kommen", sagt Bogacki. Auch für "Lilienthal" waren ursprünglich Foils vorgesehen, die jedoch aus Zeit- und Kostengründen nicht umgesetzt wurden, da ein sicheres "Fliegen" mit den kurzen Booten bei langer Welle nur schwer zu realisieren ist und viel Testzeit erfordert. Chancenlos sollte das Boot dennoch nicht sein: "Auch wenn man noch die Entwicklungen der neuen Boote abwarten muss, hat das Boot sicherlich ein Potenzial, um unter den ersten Sieben ins Ziel zu kommen", sagt Bogacki.

Neben der technischen Herausforderung sieht Bogacki auch Lernbedarf bei sich selbst: Schlafen und Essen seien entscheidend für die Ressourcen auf der Langstrecke. "Da brauche ich noch Training, um festzustellen, wie mein idealer Power-Nap-Rhythmus ist. Möglicherweise teste ich das im Schlaflabor. Das Boot über 12 bis 15 Minuten allein segeln zu lassen ist sicherlich machbar. Aber auch mal 45 Minuten zu schlafen verlangt schon viel Mut", sagt Bogacki.

Lars Bolle am 12.04.2019

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