ORC-WM

Deutsche Crews ringen um Anschluss an die WM-Spitze

Bei der ORC-WM in Kroatien können die GER-Boote nicht an die Erfolge von 2018 anknüpfen. Wozu auch eine Kollision der "H.E.A.T." mit einem Felsen beitrug

Tatjana Pokorny am 07.06.2019
ORC Weltmeisterschaft 2019
Felix Diemer

Max Augustins "H.E.A.T." im Einsatz bei der ORC-Weltmeisterschaft 2019 in Kroatien

ORC Weltmeisterschaft 2019

ORC-Weltmeisterschaft 2019

Zwei Wettfahrttage vor Ende der ORC-Weltmeisterschaft im kroatischen Revier von Sibenik ist längst klar, dass die wenigen deutschen Teilnehmer in der kleinsten Wertungsklasse C nicht an die Erfolge der Weltmeisterschaft vor einem Jahr mit zweimal Silber werden anknüpfen können. Ohne GER-Vertreter in den Wertungsklassen A und B, die von italienischen Yachten dominiert werden, kämpfen die deutschen Crews auf den kleineren Booten im Schlussspurt aber weiter um eine Top-Ten-Platzierung. 

ORC Weltmeisterschaft 2019

Hatten sich viel vorgenommen, wurden dann aber auf der Langstrecke von einem Felsen unsanft gestoppt: die Hamburger "H.E.A.T."-Crew um Skipper Max Augustin

Mit ihrer der "Old Jung" liegen Holger und Felix Streckenbach vom Greifswalder Yachtclub nach vier Wettfahrten, darunter die eröffnende Langstrecke, auf Platz 17. Die "H.E.A.T." mit Eigner und Skipper Max Augustin vom Norddeutschen Regatta Verein hält nach einer Achterbahnfahrt durch das Klassement nach vier Rennen mit den Plätzen 35, 11, 35, 5 und 6 Rang 21 im Zwischenklassement – was jener Platz ist, den das Team im vergangenen Jahr in Holland belegt hatte und mit dem man nicht zufrieden war. Zwei Tage bleiben Max Augustin und seinen Mitstreitern wie auch den Streckenbachs, Markus Renz und Ecki Kaller auf der "Hotspot" (37.) und Kenneth Hedes "Espada"-Team (48.), ihre Bilanz noch aufzubessern.

In ihrem Langstreckenbericht berichten Skipper Max Augustin, Großsegeltrimmer David Heitzig, Lars Rauschdorf (Pit) und Team-Fotograf Felix Diemer über die Kollision, die sie ein bislang besseres Resultat gekostet hat, aber glücklicherweise für die Crew glimpflich verlaufen ist:

ORC Weltmeisterschaft 2019

Vielversprechend in die WM gestartet, von einem Felsen gestoppt: die "H.E.A.T."-Crew um Max Augustin kämpft um Anschluss an die Spitze

Die sagenumwogende Langstrecke – auf Tuchfühlung mit der kroatischen Inselwelt

Der Kurs wurde am Vorabend bekanntgegeben: 130 Seemeilen durch die kroatische Welt, das entspricht etwa 240 Kilometern. Mit dem Auto ist das schnell gemacht, auf dem Wasser aber eine etwas längere Geschichte von rund 25 Stunden. Nach der letzten WM haben wir fast ein Jahr auf die Langstrecke der diesjährigen WM hingefiebert. Als Vorbereitung wurden Rettungsinseln, Schwimmwesten und zahlreiches Offshore Rettungsequipment eingestaut. Der Proviant wurde rationiert, die St.-Pauli-Trinkflaschen aufgefüllt. Als letzten Schliff erhielt jedes Crew Mitglied eine nummerierte Tasche, um nachts das eigene Ölzeug schneller zu finden. 

Nach etwas Warten auf Wind ging es gegen 11 Uhr ins Rennen. Wir rundeten die erste Marke im Mittelfeld und konnten direkt unser neues Vorsegel setzen. Es folgte eine Aufholjagt bis in die Spitze des Feldes. Viele Boote haben den heranglitschenden Jolly schnell nur noch von hinten anschauen können. Nach sechs Stunden bei 20 Knoten Wind ging es wieder an die Kreuz bis in die Nacht. Zum Auffüllen der Energiespeicher gab es den selbstgemachten Nudelsalat. Absolutes Highlight daran waren laut Vorschiffsmann die Wallnüsse. 

Bei schwindendem Licht gingen wir in unser Wachsystem von je drei Stunden Wache und drei Stunden "Schlaf". Gar nicht so einfach, wenn die neue Crew übernimmt um das Boot weiter bis ans Maximum zu pushen. Dabei liegt man selber übermüdet im nassen und lauten Bootskörper. Mit Stirnlampen wird alle paar Minuten die Segeleinstellung überprüft um immer die höchste Geschwindigkeit zu halten. Ansonsten rauschen nur das Wasser und der Wind um das Boot. Gesegelt wird mit Hilfe der blutroten Kursanzeige am Mast. In der dritten Wache passierte schließlich der Fehler, welcher den restlichen Verlauf des Rennens überschatten sollte.

Nachts um drei, bei einem direkten K.o.-Match gegen einen Felsen unter Wasser verloren wir deutlich. Zu welchen Verlusten es unter Wasser kam, konnten wir zu diesem Zeitpunkt nicht checken. Über Wasser gab es eine aufgeplatzte Lippe mit ordentlich Blut an Deck. Nach diesem Schock starteten wir eine weitere Aufholjagt, die bis zum Ziel andauern sollte. In den Morgenstunden verließ uns der Wind leider komplett und die gutgemachten Meter ronnen nur so dahin, als die Gegner von hinten mit frischem Wind wieder aufschlossen. Der Wind erreichte uns zu spät, um auf den letzten Meilen noch den nötigen Abstand für eine Topplatzierung herauszufahren.

Zurück im Hafen wurde die 'H.E.A.T.' sofort an Land näher überprüft und die notdürftigen Reparaturen durchgeführt. Wir sind heiß auf die kommenden Rennen und wissen um unseren guten Speed. Nun kommen uns in den kurzen Rennen auch unsere eingespielten Manöver zugute, so dass wir motiviert in die nächsten Tage dieser Weltmeisterschaft schauen.

Hier geht es zu den Ergebnissen der ORC-Weltmeisterschaft 2019.

ORC Weltmeisterschaft 2019

In starken Winden waren die Crews im WM-Revier gefordert

Tatjana Pokorny am 07.06.2019

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