470er-Europameisterschaft

Deutsche 470er-Segler im Aufwind: bei der EM in die Top Ten

Nach schwachem Jahresauftakt scheinen die 470er-Crews der Nationalmannschaft ein Jahr vor Olympia wieder in Fahrt zu kommen. Zwei Teams segeln auf Kurs Enoshima

Tatjana Pokorny am 14.05.2019
470er
Lars Wehrmann/DSV

Simon Diesch und Philipp Autenrieth segeln nach der 470er-Europameisterschaft auf Kurs Pre-Olympics

Für die deutschen 470er-Segler hatte das vorolympische Jahr nicht gut begonnen; schwache Ergebnisse in Serie hatten Sorgen um die Zweihand-Jollensegler aufkommen lassen. Doch pünktlich zur Europameisterschaft im italienischen San Remo scheinen sich zumindest zwei Teams von ihrem Tief erholt zu haben. Sowohl Simon Diesch und Philipp Autenrieth als auch Nadine Böhm und Ann-Christin Goliaß konnten bei den kontinentalen Titelkämpfen im italienischen San Remo an ihre Erfolge im letzten Jahr anknüpfen. Dass bei der EM zwei komplette Wettfahrttage ausfielen, weil der Wind einmal nicht reichte und einmal zu stark blies, hat die bayerischen Teams nicht aus dem Konzept gebracht.

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Im Kampf um den 470er-Frauen-Startplatz für die Pre-Olympics kamen Nadine Böhm und Ann-Christin Goliaß vor San Remo rechtzeitig in Form. Die wichtigste Aufgabe aber wartet auf die Zweihand-Jollensegler im August: Bei der Weltmeisterschaft wollen sie helfen, den olympischen 470er-Startplatz für Deutschland zu sichern

Nadine Böhm und Ann-Christin Goliaß beendeten die EM am Dienstag mit einem starken dritten Rang im Medaillenrennen, der das Duo vom Deutschen Touring Yacht-Club  in der Endabrechnung sogar noch auf Platz sechs vorrücken ließ. Das gute Ergebnis brachte der Crew in der nationalen Ausscheidung um nur einen Startplatz bei der olympischen Testregatta den entscheidenden rechnerischen Vorsprung auf die Teamkameradinnen und Rivalinnen Frederike Loewe und Anna Markfort, die in der ersten Ausscheidungsregatta vor Mallorca noch das bessere Team waren und das Jahr mit ihrem Weltcup-Sieg vor Miami so spektakulär eröffnet hatten.

An diesem Tag waren die Crews im launischen italienischen EM-Revier in mehr Wind gefordert – für einige deutsche Segler brachte er den Einzug ins Medaillenrennen

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Schöne Segelstudie von Simon Diesch und Philipp Autenrieth. Simon Diesch kommt aus einer bekannten Seglerfamilie: Sein Vater Eckart Diesch und sein Onkel Jörg Diesch gewannen 1976 olympisches Gold im Flying Dutchman

"Wir hatten Anfang des Jahres einige Probleme, sind nur schwer in die Saison gekommen", räumte Nadine Böhm ein, "bei der EM haben wir uns jetzt auf das Wesentliche konzentriert und vielleicht auch von unserer Teamstärke profitiert: Wir gehen gemeinsam durch alle Tiefen und Höhen, sind sehr, sehr gut befreundet." Daraus scheint das Duo Kraft zu ziehen. Auf die offizielle Nominierung für die Pre-Olympics aber müssen die 470er-Seglerinnen ebenso wie alle anderen aussichtsreichen Starter des German Sailing Teams bis Juni warten. Der Deutsche Seglerverband (DSV) wird die Mannschaft für die Pre-Olympics erst nach Abschluss aller Europameisterschaften der olympischen Segeldisziplinen geschlossen im Juni bekannt geben.

Beste Aussichten auf diese Nominierung haben auch Simon Diesch (Württembergischer Yacht-Club) und Philipp Autenrieth. Sie waren bei der Europameisterschaft in San Remo als Achte beste deutsche Crew und konnten sich damit in der Ausscheidung ebenfalls rechnerisch gegen die Teamkameraden und Konkurrenten Malte Winkel und Matti Cipra durchsetzen, die in Italien stark begonnen hatten, am Ende aber mit Platz 18 nicht zufrieden waren.

"Wir konnten endlich wieder unser Potenzial abrufen", freute sich dagegen Philipp Autenrieth. Gleichzeitig betonte der Vorschoter vom Bayerischen Yacht-Club, dass in diesem Jahr für beide 470er-Männer-Teams vor allem eines wichtig sei: die Nationen-Qualifikation für die Olympischen Spiele 2020. Die gilt es bei der Weltmeisterschaft erst noch zu sichern. "Wir glauben daran, dass es einer unserer beiden Crews gelingt", sagte Autenrieth. Die 470er-Frauen stehen vor der gleichen Aufgabe. Wie die Männer hatten auch sie die erste Chance zur Nationenqualifikation bei der Weltmeisterschaft im dänischen Aarhus 2018 verpasst und sind nun bei der Weltmeisterschaft im August gefordert. Die Welttitelkämpfe der 470er stehen auch deshalb unter einem besonderen Stern. Nadine Böhm sagte: "Wir sind optimistisch. Eines unserer Teams muss und wird das schaffen."

Die offene Europameisterschaft der 470er gewannen bei den Männern die Australier Mathew Belcher und Will Ryan, bei den Frauen die Französinnen Camille Lecointre und Aloise Retornaz, die gleichzeitig auch zu Europameisterinnen (entsprechend der um Übersee-Teams bereinigten Rangliste) gekürt wurden. Europameister der 470er-Männer sind die Schweden Anton Dahlberg und Fredrik Bergström.

Hier geht es zu den EM-Ergebnissen. 

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Frederike Löwe und Anna Markfort hatten keinen glücklichen Lauf bei der EM in San Remo, können sich aber wie weitere 470er-Crews bei den Damen und auch bei den Herren immer noch für Olympia qualifizieren

Tatjana Pokorny am 14.05.2019

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