America's Cup

Der "Falke" ist da: Kiwis überraschen mit neuem Testboot

Das Emirates Team New Zealand hat sein neues Testboot "Te Kāhu" vorgestellt. Was andere schon 2018 hatten, soll den Cup-Verteidigern jetzt gute Dienste leisten

Tatjana Pokorny am 22.01.2020
Te Kāhu
Emirates Team New Zealand

Das neue Testboot "Te Kāhu" wurde am Mittwoch in Auckland vorgestellt

Sie sind immer für eine Überraschung gut: Das Emirates Team New Zealand hat am Mittwoch in Auckland sein neues Testboot vorgestellt. Pünktlich zum Start der Phase, in der Cup-Yacht Nummer eins "Te Aihe" für die Reise nach Europa zu den Regatten der America's-Cup-Weltserie in Cagliari (23. bis 26. April) und Portsmouth (4. bis 7. Juni) vorbereitet und verpackt wird, zauberten die Kiwis am Mittwoch "Te Kāhu" (dt.: der Falke) aus der Halle wie ein Kaninchen aus dem Hut. Zum Namen des hochkarätigen Neuzugangs im Team erklärten die Neuseeländer: "Der Falke gleitet und steigt im Wind bei hohen Geschwindigkeiten. Er verfügt über ein großartiges Wahrnehmungsvermögen und Weitsicht und stürzt sich wie unsichtbar auf seine Beute."

Te Kāhu

"Te Kāhu" unter dem Himmel von Auckland

Ihre Pressemitteilung zum angriffslustigen Neuzugang im Team eröffneten die Neuseeländer direkt mit der Feststellung, dass "Te Kāhu" als Testyacht den Bestimmungen im Protokoll zum 36. America's Cup entspricht und nicht länger als zwölf Meter lang ist. Das Boot wird zu Test- und Trainingszwecken eingesetzt, während sich Rennyacht Nummer eins ("Te Aihe") über weite Strecken dieses Jahres auf Europa-Tour befindet. Team-CEO Grant Dalton sagte bei der Taufe am Mittwoch in Auckland: "Wir haben intern viel Arbeit ins Design und den Bau dieses Bootes gesteckt. Was eine tolle Leistung ist, denn das alles hat zwischen der Entwicklung und dem Bau unserer ersten Cup-Yacht und der andauernden Arbeit an unserem nächsten AC75-Boot stattgefunden."

Ein kurzer Vorstellungs-Clip vom Tag der Taufe

Was Außenstehenden als sehr später Einsatz einer Testyacht erscheinen mag, macht für die Kiwis viel Sinn. Zwar haben einige ihrer Herausforderer im 36. America's-Cup-Zyklus ihre kleinformatigen Testboote bereits seit September 2018 im Einsatz, doch die Neuseeländer brauchen ihre jetzt – in Abwesenheit von "Te Aihe". Dalton sagte beinahe philosophisch: "Es mag so aussehen, als seien wir mit unserem Testboot etwas spät dran, doch es gibt in jeder Cup-Kampagne frühe Entscheidungen, deren Wert ultimativ erst am Ende beurteilt werden kann. Wir hatten als Team entschieden, dass ein Testboot tatsächlich ein Schlüsselfaktor ist, glaubten aber daran, dass es ebenso viel Design-Inhalt braucht wie unsere erste AC75-Yacht, um ihm sinnvolle Weiterentwicklungsmöglichkeiten zu verleihen."

Te Kāhu

Hier wird das neue Testboot erstmals zu Wasser gelassen

Weiter sagte der erfahrene Kiwi-Boss: "Es gibt keinen Zweifel daran, dass die Herausforderer (durch ihre Testboote) alle wertvolle Erfahrungen gemacht haben und uns in ihrer Entwicklung ein wenig voraus sind. Doch wir haben uns bewusst dafür entschieden, das zu schlucken und die langfristige Karte zu spielen. Wir wissen, dass es erst ab dem ersten Rennen im America's Cup wirklich um die Punkte geht. Und das wird ganz offensichtlich im März 2021 der Fall sein." Ob Daltons Bemerkung in Richtung möglicher Vorsprünge der Konkurrenz ehrlich oder taktisch gemeint war, werden erst die Rennen in Europa, vor allem aber das 36. Duell um den America's Cup selbst zeigen. Bislang hatten Beobachter schon der ersten neuen neuseeländischen Yacht gute Fähigkeiten attestiert.

Te Kāhu

"Te Kāhu" schwimmt

Während "Te Aihe" sich nun insgesamt 60 Tage auf dem Transport nach Europa und wieder zurück befindet und dort an den beiden Regatten der America's-Cup-Weltserie teilnimmt, werden die Neuseeländer ihr Entwicklungsprogramm auf dem Wasser mit "Te Kāhu" ohne Unterbrechung fortsetzen. Fast noch größer ist die Herausforderung für zwei der wichtigsten Segler im Team: Der 29-jährige Steuermann Peter Burling und der 30-jährige Blair Tuke bereiten sich parallel zur Cup-Vorsaison auf ihre dritten Olympischen Spiele vor, wollen ab Ende Juli im japanischen Enoshima nach Silber in 2012 und Gold in 2016 ihren zweiten Olympiasieg im Skiff ansteuern. In der Vergangenheit hat die beiden Kiwis ihr Mammutprogramm offensichtlich immer nur stärker gemacht. In diesem Zyklus steht die Abrechnung der Doppel-Belastung noch aus. Bei der Weltmeisterschaft im heimischen Auckland konnten sich Burling/Tuke knapp gegen Erik Heil und Thomas Plößel vom NRV Olympic Team durchsetzen. Wie es bei der 49er-WM 2020 in der zweiten Februar-Woche in Australien sein wird, muss sich noch zeigen.

Peter Burling und Blair Tuke

Ihr Programm für das laufende Jahr ist gigantisch: Erst kommen die Olympischen Spiele im Sommer, an denen die 49er-Olympiasieger Peter Burling und Blair Tuke als Top-Favoriten teilnehmen. Dann geht der America's Cup mit den beiden neuseeländischen Segelstars in seine entscheidende Phase

Mit "Te Kāhu" haben Burling, Tuke und das Emirates Team New Zealand nun ein weiteres "Baby" zu hegen und zu pflegen. "Wir wissen aus Erfahrung, dass die Design-Entwicklung und die Gewinne, die im Cup-Vorjahr gemacht werden, von entscheidender Bedeutung sind", erklärt Neuseelands Design-Chef Dan Bernasconi, "und wir konnten es uns nicht leisten, während der Einsätze von 'Te Aihe' bei den ACWS-Events in Europa nur eine Handvoll Wochen auf dem Wasser zu segeln." Grant Dalton fügte kämpferisch hinzu: "Mit 'Te Kāhu' haben wir ein legitimes Testboot, das uns die Plattform geben wird, um hoffentlich entscheidende Design-Fortschritte bei unserer Entwicklung für 2021 zu machen. Wer dann mit seiner Gesamtplanung und seiner Strategie richtig liegen wird, das wissen wir nicht. Ich nehme an, wir werden es im kommenden Jahr herausfinden."

Tatjana Pokorny am 22.01.2020

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