The Transat Bakerly

"Den Reiz des Ungewissen spüren"

Loïck Peryon wird auf der Gewinneryacht von 1964 am Transatlantikrennen teilnehmen. Im YACHT Interview spricht er über seine Motivation

Ricarda Richter, Jochen Rieker am 21.04.2016
Loick Peyron Pen Duick II Segeln 2014 DPPI_31014001_063.jpg

Legende segelt Legende: Peyron auf seiner 52 Jahre alten Lady

Vier Klassen werden am 2. Mai beim Transat, der berühmten Einhand-Regatta über den Atlantik, an den Start gehen. Eines der teilnehmenden Boote jedoch fällt aus dem Rahmen – und aus jeder Klassenregel: die Ketsch "Pen Duick II". Mit ihr gewann Éric Tabarly das Rennen im Jahr 1964; es war Tabarlys erste Passage.

Anno 2016 heißt der Skipper Loïck Peyron, aktueller Inhaber der Jules Verne Trophy und Crewmitglied von Artemis Racing für den kommenden America’s Cup. Während viele andere Segler ihre Teilnahme als Vorbereitung auf die Vendée Globe oder andere Extremtörns sehen, weiß Peyron schon jetzt, dass er sehr wahrscheinlich als Letzter den Zielhafen New York erreichen wird. Doch ums Gewinnen geht es ihm auch nicht.


YACHT: Herr Peyron, Sie sind einer der besten Hochseesegler der Welt. Mit 49 Atlantiküberquerungen und drei Siegen beim Transat haben Sie mehr Erfahrung als alle anderen startenden Segler. Warum nehmen Sie noch einmal teil?
Loïck Peyron: In den letzten fünf, sechs Jahren hatte ich den Wunsch, das Gefühl meiner ersten zwei Atlantiküberquerungen noch einmal wachzurufen. Die waren 1979 und 1980 – ich war 19 und fuhr auf einem 6,50 Meter langen Einrumpfboot beim Minitransat mit. Damals gab es kein GPS, keine elektrische Autopiloten, nur einen Sextanten, ein Barometer und eine Windfahnensteuerung. Jetzt will ich noch einmal den Reiz des Ungewissen spüren. Und wenn ich dafür den Atlantik auf die alte Weise überqueren muss, will ich es aus einem guten Grund tun: Als Tribut an Éric Tabarly, den größten aller französischen Segler. Deshalb segle ich heute auf der "Pen Duick II", mit der er das Rennen 1964 gewann.

Fotostrecke: Loïck Peyron - mit allen Wassern gewaschen

Inwieweit unterscheiden sich das Boot und das Rennen von damals? Hat die "Pen Duick II" inzwischen anders geschnittene Segel, anderes Tuch oder bessere Ausrüstung?
Das Boot ist genau so, wie es vor 52 Jahren war – gleiche Segel, gleiches Rigg, keine Elektronik. Trotzdem ist das Handling ein bisschen einfacher als früher – komfortablere Leinen, Trockenanzug, Winschen... Und es wird meine 50. Atlantikpassage sein, während Eric den Ozean damals zum ersten Mal überquerte.

1964 benötigte Tabarly 27 Tage, 3 Stunden und 56 Minuten, um nach Newport zu gelangen – eine damals unglaublich kurze Zeit. Werden Sie versuchen, diese Zeit zu unterbieten?
Egal wie groß ein Boot ist und wie viel Potenzial es hat – ich will immer 100 Prozent aus ihm herausholen. Ich habe nicht das Ziel, schneller oder langsamer als Éric zu sein, denn letztendlich hängt das meiste sowieso vom Wetter ab, und auch viele andere Unvorhersehbarkeiten werden das Ergebnis beeinflussen. Da ich mit der "Pen Duick II" aber so viel langsamer als auf all den anderen Boote sein werde, mit denen ich sonst segle, nehme ich zum ersten Mal seit langem eine ganze Menge Bücher mit.

Als Sie vor zwei Jahren mit Ihrer "Happy" bei der Route du Rhum starten wollten, sprachen Sie darüber, wieder die Ursprünglichkeit des Segelns spüren zu wollen. Ist das Rennen etwas, das Sie vor allem für sich selbst tun, oder wollen Sie auch andere inspirieren, wieder zu den Wurzeln zurückzukehren?
Ich habe nie gesagt, dass moderne Boote nicht ursprünglich sind. Ich mag es einfach, die Möglichkeit zu haben, zwischen einem foilenden Katamaran von Artemis Racing in der Lagune Bermudas und einer Old Lady, die vor 52 Jahren ebenfalls revolutionär war, hin und her zu wechseln.

Werden Sie während der Regatta von sich hören lassen oder im Minitransat-Modus sein – ohne Kontakt zur Außenwelt?
Ich will schon gern von Bord berichten, ich weiß nur noch nicht, in welchem Rhythmus. Auf jeden Fall werde ich Logbucheinträge auf meiner Website www.sailing-legends.com veröffentlichen.

Sie werden deutlich länger als die anderen Teilnehmer brauchen und vermutlich erst Wochen später in New York einlaufen. Wird dort noch jemand auf Sie warten?
Um ehrlich zu sein, ist mir das relativ egal. Wenn ich schnell genug bin, werde ich noch rechtzeitig zur Rückregatta der Imoca Open 60s nach Les Sables-d’Olonne ankommen. Für mich geht es dann direkt zurück nach Bermuda, wo ich den Sommer über mit meinem Team von Artemis Racing für den America’s Cup im Juni 2017 trainieren werde.

Im Jahr 2013 wurde dem französischen Ausnahmetalent der Preis "Seamaster of the Year" verliehen. Das YACHT tv-Filmportrait skizziert den sympathischen Peyron.

Ricarda Richter, Jochen Rieker am 21.04.2016

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