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Demolition-Derby

Weitere Kenterungen, Crashs und Aufgaben bei der Route du Rhum

Andreas Fritsch am 12.11.2002

Der abgebrochene Mast der 'Giatna X'

Zwei Tage nach dem Start des Einhand-Transatlantik-Rennens von St. Malo nach Guadeloupe setzt sich die Kette der dramatischen Ausfälle fort: Heute Morgen um 01.30 Uhr kenterte in der Biskaya, rund 175 Seemeilen von Cap Finistère entfernt, der 60-Fuß-Trimaran "Eure & Loir" durch.

Der Skipper François Joyon segelte am Wind in rauer See, als sein Hightech-Racer eine heftige Bö traf. "Ich war am Mast, als sie das Boot erreichte. Es stieg sofort auf die Foils, und ich startete in Richtung Cockpit, um die Schoten zu lösen. Doch dann kenterte das Boot in zwei Sekunden durch", erzählte der Skipper über seinen Funk-Notsender.

Joyon hat sich im Cockpit seines kieloben treibenden Tris verkrochen und bereits eine Bergung mit seinem Team organisiert. "Ich bin nicht in Seenot und brauche keine weitere Hilfe", meldete er selbstbewusst von Bord. Joyons Kenterung ist bereits die zweite, nachdem es gestern schon die "Groupama" von Franck Cammas erwischt hatte.

Nur wenige Stunden zuvor hatte es weitere Ausfälle im Fuß der 60-Fuß-Trimarane gegeben: Lionel Limonchois meldete Montag Abend von seiner "Giatna X", dass ein rund sieben Meter langes Stück seines Mast abgebrochen sei und er unter Notrigg zurücksegele. Ebenfalls umdrehen musste Jean-Luc Nelias mit der "Belgacom", bei der sich das Großsegel im Mast verklemmt hat. Und auch vom Tri "Bayer Crop Science" von Fred le Peutrec gab es schlechte Neuigkeiten: Aufgrund des Ausfalls des Autopiloten kehrt auch er um.

'Giatna X' fährt mit dem gebrochenen Mast

Für Aufsehen, aber auch Respekt sorgte außerdem gestern die Bekanntgabe des französischen Skippers Bertrand de Broc, das Rennen abzubrechen. Er meldete über Funk, dass er umkehrt, obwohl es keine technischen Probleme mit seiner "Banque Covéfi" gebe. Der sehr erfahrene Segler, der unter anderem schon Einhand-Weltumsegelungen (Vendée Globe) hinter sich hat, sagte, er traue sich die Belastungen des Einhand-Rennens über den Atlantik mit so einem anspruchsvollen Boot nicht zu. "Ich habe in der ersten harten Nacht gemerkt, dass ich nicht wirklich für die Herausforderung bereit bin. Du musst 200-prozentig dabei sein, um es zu schaffen. Dazu bin ich nicht in der Lage."

Mit dem Ausscheiden von de Broc sind allein in den ersten zwei Tagen sieben der 18 Trimarane ausgefallen - und das wirklich schlechte Wetter erreicht das Feld der fragilen Renn-Monster erst heute.
Völlig überraschend ist dagegen der Trimaran "Bonduelle" wieder im Rennen: Nachdem das Boot gestern mit 15 Knoten in den gekenterten "Groupama" gerast war und sich ein etwa einen Quadratmeter großes Loch in den Rumpf geschlagen hatte, ist der Tri im Eilverfahren repariert worden und tatsächlich schon wieder auf dem Weg zurück auf den Atlantik.

Wenig besser als bei den Trimaranen läuft es bei den Einrumpfern. Nachdem gestern bereits ein Mastbruch und diverse technische Ausfälle zu beklagen waren, wurde heute noch die Rettung Christophe Huchets von seinem 50-Fußer "Apic A3s" bestätigt. Er war nicht weit von Ushant mit einem Frachter kollidiert und mit gebrochenem Knie und ausgerenkter Schulter abgeborgen worden.

Darüber hinaus drehte Yannick Bestaven mit dem ebenfalls 50 Fuß langen Boot "Republique Dominicaine" um, da sich dem Anschein nach sein Kiel lockerte. Wegen Wassereinbruchs kehrte auch der 50er "Défi Vendée" um.
Ungeachtet von den vielen Ausfällen sind die Positionskämpfe im Feld mittlerweile in vollem Gange. Bei den Trimaranen hat sich das Feld geteilt: die eine Hälfte der Skipper unter Führung von Loïck Peyron (Fujifilm) und Philippe Monnet (Sopra Group) hat einen südlichen Kurs eingeschlagen, um die starken Gegenwinde zu umgehen, die andere, angeführt von Alex Coville ("Sodebo"), einen westlichen. Es bleibt abzuwarten, welche Variante sich in den nächsten Tagen als die Bessere entpuppen wird.

Mittlerweile haben die schnellen Tris auch die einen Tag früher gestarteten Open 60s fast eingeholt. Dort führt nach wie vor Roland Jourdain mit "Sill" vor Mike Goldings "Ecover" und Ellen MacArthur auf "Kingfisher". Die Abstände von etwa 12 bis 15 Meilen zwischen den dreien sind im Augenblick recht stabil.

Andreas Fritsch am 12.11.2002

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