Kieler Woche

"Davon geträumt, aber nicht zu glauben gewagt"

Die 123. Kieler Woche ist Geschichte. Frederike Loewe und Anna Markfort haben das German Sailing Team bei der Kieler Woche vor einer Nullnummer bewahrt

Tatjana Pokorny am 25.06.2017
123. Kieler Woche
Kieler Woche/www.segel-bilder.de

Rasten im Finale zu ihrem ersten Kieler-Woche-Sieg: Frederike Loewe und Anna Markfort

Deutschlands Olympiasegler haben die 123. Kieler Woche nach fünfmal Gold im vergangenen Jahr mit nur einem Titelgewinn beendet. Die Berlinerinnen Frederike Loewe und Anna Markfort bewahrten das German Sailing Team vor einer Nullnummer. Das Duo vom Verein Seglerhaus am Wannsee sicherte sich mit Rang zwei im Medaillenfinale seinen ersten Kieler-Woche-Sieg in der olympischen Zweihand-Jolle. "Wir haben davon geträumt, aber es nicht zu glauben gewagt", sagte Steuerfrau Frederike Loewe.

Die leidenschaftliche Segelnation Australien präsentierte sich zur Kieler Woche in Hochform. Mit zwei Goldmedaillen und einmal Bronze in den acht vor Schilksee gesegelten olympischen Disziplinen stehen die Crews aus Down under auf Platz eins der Nationenwertung. Ebenfalls zweimal Gold fuhren die Italiener ein, während sich das German Sailing Team, die deutsche Nationalmannschaft, durch die Erfolge im 470er der Frauen (Gold und Bronze) und den zweiten Rang bei den Mixed-Katamaranen über einen kompletten Medaillensatz und Rang drei in der Nationenwertung freuen durfte. Insgesamt 13 Nationen von drei Kontinenten konnten Vertreter zu den Siegerehrungen auf der Audi-Bühne entsenden.

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Die italienische Laser-Radial-Siegerin Silvia Zennaro

Aus Sicht des Deutschen Segler-Verbandes war die Kieler Woche trotz der deutlich schwächeren Bilanz als vor einem Jahr ein Erfolg: "Das Feld war stärker als vor einem Jahr. Deshalb sind wir insgesamt zufrieden. Gerade der Erfolg bei den 470ern ist wichtig für das Selbstvertrauen. Denn die Crews fahren jetzt zur WM nach Thessaloniki", sagte DSV-Sportdirektorin Nadine Stegenwalner. Ein Wermutstropfen war die verpasste Medaillenchance von Philipp Buhl im Laser: "Schade, dass er sich selbst rauskatapultiert hat. Aber wir kennen Philipp: Er wird sich schnell wieder fangen."

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Mit viel Licht und einem Schatten im Finale: Für den viermaligen Kieler-Woche-Sieger Philipp Buhl gab es bei dieser Kieler Woche keine Medaille

Kieler-Woche-Silber gewannen die Flensburger Jan Hauke Erichsen und Ann-Kristin Wedemeyer in der olympischen Mixed-Katamaran-Klasse Nacra 17. Sie musste sich mit Thomas Zajak und Barbara Matz nur dem österreichischen Bronze-Gewinner von Rio und seiner neuen Vorschoterin geschlagen geben. Der viermalige Kieler-Woche-Sieger und Titelverteidiger Philipp Buhl dagegen verpatzte sein Finale als Zehnter und Letzter, sagte: "Ich habe mich riesig geärgert!" Der 26-jährige Weltranglisten-Erste im Laser fiel von Platz zwei auf Platz sechs zurück und ging bei der Medaillenvergabe leer aus. Die Berliner 49er-Segler Erik Heil und Thomas Plößel verpassten einen Podestplatz als Vierte knapp. Die Bronze-Gewinner von Rio wurden trotz guter Leistungen in Kiel von einem unverschuldeten Crash und einem Mastbruch ausgebremst. Im Medaillenfinale hatten die Lokalmatadoren Justus Schmidt und Max Boehme bei ihrem Comeback im 49er nach rund einjähriger Pause wieder alles im Griff und siegten. In der Endabrechnung wurden sie Sechste.

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Im Medaillenfinale hatten die Lokalmatadoren Justus Schmidt und Max Boehme bei ihrem Comeback im 49er nach rund einjähriger Pause wieder alles im Griff und siegten. In der Endabrechnung wurden sie Sechste

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Starke Zweite: Jan Hauke Erichsen und Ann-Kristin Wedemeyer mussten sich im Nacra 17 nur Österreichs olympischem Bronzemedaillen-Gewinner Thomas Zajak und seiner neuen Vorschoterin Barbara Matz geschlagen geben

Für die insgesamt 17 Top-Ten-Platzierungen, aber dennoch bescheidene Titel- und Medaillenausbeute (3) der DSV-Flotte gibt es zwei Gründe: Das German Sailing Team segelt im nacholympischen Jahr und längeren Pausen einiger Leistungsträger noch unbeständig. Gleichzeitig ist das internationale Niveau bei der weltgrößten Regatta deutlich gestiegen. Mit einem neuen Melderekord von insgesamt 1700 Booten und Aktiven aus 65 Ländern hat die Kieler Woche als deutsche "Grande Dame" des weltweiten Regattasports nach flauen Jahren wieder an Attraktivität gewonnen. "Es war eine traumhaft schöne Kieler Woche mit tollem, teilweise auch hartem Regattasport und starker internationaler Beteiligung", zog Organisationsleiter Dirk Ramhorst Bilanz.

Zu den großen Feldern trug die im Rahmen der Kieler Woche ausgetragene Para-Weltmeisterschaft bei. Heiko Kröger, Paralympics-Sieger von 2000, gewann die Para-WM in der Einmann-Kielbootklasse 2.4mR und erzielte damit das beste deutsche Ergebnis auf der Kieler Förde. Denn zuvor hatte der Steuermann aus Ammersbek bei Hamburg im ersten Teil der Kieler Woche auch die offen ausgeschriebene Regattaserie in der 2.4mR gewonnen und somit gleich zwei Titel bei seinem Heimspiel abgeräumt. In der zweiten Para-Klasse Hansa 303 gewann der ehemalige Sonar-Paralympics-Sieger Jens Kroker vom Norddeutschen Regatta Verein in Hamburg Bronze. Es siegte der Pole Piotr Cichocki vor dem Australier Christopher Symonds.

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Mit zwei Titeln Kieler-Woche-König: Heiko Kröger auf der Audi-Bühne

Der Welt-Seglerverband World Sailing kämpft nach der Streichung des Segelsports für die Paralympics 2020 in Japan mit Vorzeige-Veranstaltungen wie der WM in Kiel um das Comeback und hatte die Welttitelkämpfe mit 100.000 Euro gefördert. Dirk Ramhorst sagte: "Ich denke, dass wir mit dieser Para-WM auf der Plattform der Kieler Woche ein sehr starkes Signal an das Internationale Paralympische Komitee senden konnten."

Am Sonntag ging die Kieler Woche auch in weiteren internationalen Klassen zu Ende. Mit den drei Rennen des Abschlusstages mussten die bis dahin führenden Deutsche Daniel Göttlich/Linus Klasen (Berlin) den Platz auf dem Podium noch räumen. Sie fuhren ihre schlechtesten Ergebnisse der Serie ein und rutschten auf Platz vier. Telis Athanasopoulos Yogo/Dimitrios Tassios entführten den Sieg von Kiel aus nach Griechenland. Platz zwei ging an die Franzosen Enzo Balanger/Gaultier Tallieu, und die Position als beste Deutsche übernahmen noch die Rostocker Lennart Kuss/Paul Arp.

In der J/ 0 agierte nach missglücktem Start in die Kieler Woche die Eckernförder J70-Crew um Jens Marten im Schlussspurt souverän. Mit vier Siegen in den acht Wettfahrten erarbeiteten sich die SCE-Segler 18 Punkte Vorsprung vor Gordon Nickel und seiner Mannschaft von der SV Wilster. Für Marten und Crew hat der Kieler-Woche-Sieg noch eine andere Bedeutung: Die J70-Klasse segelte vor Kiel ihr zweites Regionalliga-Event, und mit dem Sieg steigt der SCE als Regionalliga-Meister direkt in die Zweite Bundesliga auf.

Und seine Dominanz in der J 80 kennt offenbar keine Grenzen: Zum achten Mal in Folge und zum zehnten Mal insgesamt dominierte Martin Menzner (Stein) mit seiner Mannschaft das Geschehen in der Klasse. Die Crew startete zwar mit einem Frühstart in die Serie, agierte dann aber nahezu fehlerfrei. Nach fünf Tagessiegen und einem zweiten Platz konnten sie sich sogar das Aussetzen in der letzten Wettfahrt erlauben, ohne den Gesamtsieg zu gefährden. "Es waren anspruchsvolle Rennen auf der Bahn Foxtrott. Der Wind war hart, aber machbar. Problematisch war auf dem Kurs die kurze, steile Welle. Da werden die Boote stark beansprucht", sagte Menzner. Die Kieler Crew feierte den Sieg mit einem Eis, während die Konkurrenz noch auf dem Wasser war, wollte dann am Abend den Neuseeländern beim America's Cup die Daumen drücken.

Tatjana Pokorny am 25.06.2017

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