Barcelona World Race

Das Feld teilt sich, Neutrogena noch dran

Boris Herrmann und Ryan Breymaier derzeit auf Position 8 – Foncia führt – Hugo Boss fast 100 Meilen zurück

Jochen Rieker am 02.01.2011

Endlich Fahrt im Schiff: Sonntag fr

So langsam nehmen die Open 60s wieder Fahrt auf – und mit ihnen das Nonstop-Rennen um die Welt. Nach zwei extrem flauen Nächten haben die zehn Crews, die sich zu einer Art Spitzengruppe formiert haben, jetzt endlich etwas Druck. Doch der nächste taktische Leichtwindpoker wartet schon.

Auf „Neutrogena“, dem Boot des deutschen Boris Herrmann und seines amerikanischen Co-Skippers Ryan Breymaier, ist die Stimmung trotz der schwierigen Bedingungen gut. In einer E-Mail von Bord schrieb Ryan heute früh gegen 3 Uhr:

„Es war eine kalte Nacht an Bord. Wir hatten auf Höhe des Kaps De La Nal sehr leichte Winde, wechselten von Spi auf Code Zero in totaler Flaute. Glücklicherweise setzte sich kurz darauf eine nette Brise aus West durch, die uns einiges an Boden gutmachen ließ. ... Seit Samstag Abend haben wir kein anderes Imoca-Boot gesehen. Über AIS (Automatisches Schiffs-Informationssystem) konnten wir „Mirabaud“ ausmachen. Gut, dass sie so nah sind. Das heißt, wir haben ein paar Meilen aufgeholt.“

Kurs Alboran See: Die Spitzengruppe, zu der auch Boris Herrmanns Neutrogena z

Tatsächlich konnten die beiden „Neutrogena“-Skipper bis zum Morgen weiter an das Schweizer Team heranfahren. Beim letzten Positions-Bericht lagen sie nur noch drei Seemeilen achteraus. Damit behaupten sie sich gut in der Spitzengruppe, die vom Beginn des Rennens an erwartungsgemäß von den französischen Top-Teams angeführt wird – allen voran „Foncia“.

Wer Michel Desjoyeaux und Francois Gabart verfolgt, fühlt sich an den Spruch erinnert, der den Mythos der deutschen Fußball-Elf bei großen Tournieren beschreibt: WM ist, wenn alle kämpfen und Deutschland gewinnt. Ungefähr so ist es auch bei Offshore-Regatten unter Beteiligung von Monsieur Le Professeur – die letzte Route du Rhum mal ausgenommen.

Meisterhaft hat sich „Foncia“ bisher in dem Schwachwind-Auftakt des Barcelona World Race behauptet, und dabei taktische Optionen gewählt, die durchaus riskant erschienen. Bisher aber ging noch alles auf für Desjoyeaux und seinen 27-jährigen Co-Skipper Gabart.

Hinter ihnen liegen derzeit Jean-Pierre Dick und Loick Peyron auf „Virbac-Paprec“, gefolgt von Kito de Pavant und Sebastien Audigane auf „Groupe Bel“ sowie Jean-Le Cam und Bruno Garcia auf „Président“. Erwartungsgemäß sehr gut segeln die Open-60-Neulinge Iker Martinez und Xabi Fernandez (49er, Volvo Ocean Race) auf „Mapfre“, die ebenfalls zum erweiterten Favoritenkreis zählen.

In der Alboran See kann das Classement in den kommenden 24 Stunden freilich noch einmal durcheinander geschütelt werden. Nicht etwa aufgrund rauer Bedingungen. Im Gegeneil. Der Übergang zweier Fronten sorgt einmal mehr für sehr instabilen Leichtwind, sodass es mehr einer Lotterie gleicht als ernsthafter Taktik, wo sich die Führenden platzieren – nördlich entlang der Küste Südspaniens oder südlich entlang von Marokko.

Vieles spricht dafür, dass sich dabei die Erfahrungen von Neujahr wiederholen, die Boris so beschrieb: „Die Nacht war schwierig, mit sehr unbeständigem Wetter. Wir hatten zwischen null und elf Knoten Wind, von Ost, Nordost, Nord, Nordwest, West usw...“.

Das zehrt an Nerven und Kräften. Beide Skipper auf „Neutrogena“ sind ohnehin etwas angeschlagen. Sie haben einen leichten Schnupfen vom Start mitgenommen und klangen in den ersten Anrufen bereits ziemlich müde.
Dass sie relativ gut dranbleiben an den Spitzen-Teams, wird ihnen freilich Motivation genug geben.

Und auch sonst sind die Aussichten positiv. Immerhin sollte es demnächst etwas wärmer werden. Und richtiges Essen baumelt auch noch in den Netzen überm Kielkasten. Das stärkt die Moral. „Gestern Abend gab’s einen Teller Schwarzen Reis“, schwärmte Ryan. Der Vorrat an Nicht-Gefriergetrocknetem reicht wohl noch für vier weitere Tage.

Morgen, Montag, den 3. Januar ab 15 Uhr: Die große Video-Reportage vom Start der „Neutrogena“ auf YACHT tv!

Jochen Rieker am 02.01.2011

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