Transat Jacques Vabre

Das Feld teilt sich, Herrmann vorn dabei

Beim Transatlantik-Rennen setzt Boris Herrmann auf die West-Variante, der Ausgang ist schwer abzusehen. Vieles hängt davon ab, wer heute gut vorankommt

Andreas Fritsch am 30.10.2019
Malizia
Boris Herrmann Racing

Boris Herrmann bei Reparaturen des Furlers

Es sind die Stunden, in denen die Skipper wie gebannt vor ihren Computer-Displays unter Deck kleben dürften: Eine sehr komplexe Wetterlage mit einem riesigen Tief über den Azoren teilt das Feld der Open 60 und Class 40, die derzeit etwa auf Höhe der portugiesischen Nordküste segeln. Die Entscheidung, vor der die Skipper stehen: Die westliche Route nehmen, die in stärke Winde, dicht am Tief vorbei, führt, aber dafür zunächst nur wenige Meilen in Richtung Ziel bringt, oder lieber dicht unter der Küste Portugals bleiben, wo der Wind schwächer ist und sich langsam eine Flautenzone entwickelt, die es unbedingt zu durchstoßen gilt, bevor sie zu groß wird. Und dahinter liegen starke raume Winde, die ideal für einen schnellen Ritt gen Süden wären.

Transat

Stand des Rennens heute

Der Deutsche "Malizia"-Skipper Boris Herrmann hat sich mit Co-Skipper Will Harris  für die westliche Route entschieden – genau wie Alex Thomson mit seiner neuen "Hugo Boss". Gut zwei Drittel der Crews segelt dagegen dicht unter der Küste Portugals. Die Meteorologen des Rennens sagen für heute und morgen die spannende Entscheidungsphase des Wetterpokers voraus. Gelingt es den Yachten vor der Küste Portugals und auf der Route zu den Kanaren, im leichten Gegenwind schnell genug zu sein, dass sie die raumen Winde zügig erreichen, werden sie mit Riesenschritten den Booten im Westen enteilen, die in stärkeren Winden genau gegenan sich nach Süden zu den Passatwinden durchkämpfen müssen.

Die "Malizia"-Crew versucht, genau das zu verhindern. Gestern musste sich Boris Herrmann an Bord mit einem Defekt an einer der Rollanlagen des J-3-Vorsegels beschäftigen, wie ein kurzes Video von Bord zeigte, doch aufhalten sollte die kleine Reparatur das Duo nicht. 

Der hoch gewettete Favorit des Rennens, Jérémie Beyou auf "Charal", der das Feld auf dem Ostkurs am Festland klar anführte, musste gestern Nacht reichlich Federn lassen. Er war relativ weit nach Westen gesegelt, und dabei rutschten ihm und Co-Skipper Christopher Pratt die sehr starke "PRB" von Kevin Escoffier und Nicolas Lunven sowie "Apivia" von Charlie Dalin und Yann Eliès durch. Die drei führen derzeit das Klassement an. Die fünf Open 60 auf Westroute, die erst einmal keinen Weg nach Süd in Richtung Ziel gutmachten, wurden zunächst nach hinten durchgereicht, derzeit liegen Herrmann und Harris auf Rang 13. 

Transat

Die heutige Wettersituation laut Windy

Bei den Class 40, bei denen der Deutsche Jörg Riechers mit Co-Skipper Cédric Château auf seiner "Linkt" als einer der Mitfavoriten dabei ist, sowie den Brüdern Sönke und Arnt Bruhns läuft es recht gut. Riechers liegt mit seinem neuen Owen-Clarke -Design derzeit auf Platz 6, hat sich aber schon rund 21 Meilen Rückstand auf die Führenden Aymeric Chapellier und Pierre Lebouch auf "Aina Enfance & Avenir" eingehandelt. Die Bruhns-Brüder liegen mit ihrer "Iskareen" derzeit auf Rang 17. Hier geht es zum Tracker des Rennens.

Andreas Fritsch am 30.10.2019

Das könnte Sie auch interessieren


Fotostrecken

Neueste Downloads

Yachttests


Reise-Reportagen


Ausrüstung


Gebrauchtboottests


    ANZEIGE

    Weitere News und Angebote

Neue Videos


Aktuelle Artikel bei YACHT online